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Schwierige Zeiten

Steht die Smartphone-Marke Nothing am Ende?

Nothing-Logo auf einem Smartphone
Durch eigenwilliges Design, angemessene Preise und eine ausgeprägte Social-Media-Präsenz hat sich Nothing einen Namen gemacht Foto: Getty Images
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Adrian Mühlroth
Redakteur

27. Juli 2026, 17:30 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Was internationale Bekanntheit angeht, spielt der Londoner Smartphone-Hersteller Nothing weit über der eigenen Gewichtsklasse. Mittlerweile sind die Produkte mit ihrem markanten, transparenten Industriedesign vielen ein Begriff. Die globalen Absatzzahlen reflektieren das jedoch nicht. Mit Verkäufen im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegt Nothing weiter unter einem Prozent Marktanteil. Vor allem angesichts der anhaltenden Speicherkrise hat die budgetorientierte Marke Probleme, sich weiter durchzusetzen. Aber steht sie wirklich vor dem Aus?

Vergangene Woche hatte das indische Tech-Magazin „Digit“ einen Aufdeckungsbericht über Nothings Rückzug aus mehreren Märkten weltweit veröffentlicht. Mittlerweile hat Mitgründer und Indien-Chef Akis Evangelidis diese Darstellung auf X (ehemals Twitter) als „falsch“ und „übertrieben“ zurückgewiesen. Evangelidis musste dabei jedoch auch einräumen, dass große Umstrukturierungen nötig sind, um weiter wachsen zu können.

Bündelung einzelner Märkte in regionale Zentren

„Digit“ will unabhängig bestätigt haben, dass Nothing „12 oder mehr globale Märkte“ im Mittleren Osten, Japan und Europa verlassen werde. Evangelidis widerspricht in seinem X-Post recht eindeutig: „Wir werden uns aus keinem Markt zurückziehen.“

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Allerdings stehe Nothing vor großen Umstrukturierungen, um weiter wachsen zu können: „Dazu führen wir dedizierte Geschäftseinheiten ein […] und fassen einzelne Länder zu regionalen Hubs zusammen, damit wir wesentlich effizienter agieren können.“ Letzteres ließe sich – wie Ben Schoon von „9to5Google“ richtig anmerkt – als Rückzug aus einzelnen Märkten missverstehen.

Auch die Angabe, Nothing habe bislang nur 20.000 Einheiten des Anfang Juli eingeführten Phone (4b) verkauft, weist der Mitgründer zurück. Allein am ersten Tag habe das Unternehmen bereits 29.537 Einheiten abgesetzt.

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Übertriebene Angaben zum Stellenabbau

Der Bericht von „Digit“ enthält die Behauptung, dass Nothing eine Reduzierung von 40 Prozent der globalen Arbeitsplätze plane. Die Forschungs- und Entwicklungseinheit allein solle 50 Prozent der Stellen in China und 30 bis 40 Prozent in einbüßen.

Evangelidis nennt diese Zahlen in seinem Post „übertrieben“ – bestätigt jedoch, dass das Unternehmen derzeit aktiv Stellen abbaut. Aufgrund laufender Beratungsprozesse und Compliance-Regeln könne er sich nicht weiter dazu äußern. Nothing sei den betroffenen Mitarbeitern „zutiefst dankbar“ und werde „sie während dieses Prozesses umfassend unterstützen“.

Wie geht es mit Nothing weiter?

Nach der Veröffentlichung von Evangelidis Post meldete sich auch der Autor des „Digit“-Berichts auf X zu Wort. Demnach habe das Magazin Nothing eine Woche Zeit für ein Statement gegeben, aber keine Antwort erhalten. Sein Fazit: „Digit steht hinter seiner Story“.

Es ist kein Geheimnis, dass Nothing schwierige Zeiten bevorstehen. Im Januar hatte CEO Carl Pei als Erster höhere Preise für Smartphones angekündigt. Die RAM-Krise setzt Herstellern von budgetorientierten und Mittelklasse-Smartphones am meisten zu, da sie ohnehin mit geringen Margen operieren. Außerdem haben sie nicht die Marktmacht größerer Player, die niedrigere Preise für die Komponenten verhandeln können. Nothing kann höhere RAM-Preise deshalb kaum absorbieren – und muss die Kosten an Kunden weitergeben.

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Das ist auch der Grund, warum Evangelidis im Juni angekündigt hatte, dass die Nothing-Tochter CMF 2026 kein neues Smartphone auf den Markt bringen werde. Es sei schlichtweg nicht möglich, ein rundes Produkt in der entsprechenden Preisklasse anzubieten.

Aktuell lässt sich über Nothings Finanzen nur spekulieren. Der globale Marktanteil ist mit weniger als einem Prozent jedoch verschwindend gering – in den meisten Statistiken taucht Nothing nicht einmal gesondert auf. Vor allem in Entwicklungsmärkten wie Indien hat das Unternehmen jedoch eine Chance. Der Counterpoint-Statistik zufolge ist Nothing in Indien die am schnellsten wachsende Smartphone-Marke. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der Hersteller seinen Ruf als hochwertiges Produkt für wenig Geld angesichts der steigenden Kosten halten kann.

Adrian Mühlroth
Redakteur

„Nothing hat es nicht leicht“

„Trotz des vergleichsweise kleinen Marktanteils ist Nothing mittlerweile eine echte Größe. Viele sehen die Marke als spirituellen Nachfolger des frühen OnePlus – gute Technik für faires Geld. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, dass CEO Carl Pei von OnePlus kam, sondern auch, dass die Smartphones in der Regel wirklich überzeugend sind.

Sie werden regelmäßig mit Red-Dot- und IF-Design-Awards prämiert. In der Tech-Bubble ist aber eher wichtig, dass Größen wie MKBHD (21 Millionen Abonnenten) Nothing-Smartphones loben. Wie etwa mit dem Preis für das ‚Beste Design‘ und das ‚Beste Budget-Smartphone‘.

Hinzu kommt Nothings ausgeprägte Social-Media-Präsenz mit Carl Pei, der etwa nach Produkt-Launches Videos veröffentlicht, in denen er auf die Kritik in den Medien reagiert. Oder vergleichsweise offen vorab über neue Geräte spricht – eine Seltenheit in der Industrie.

Das alles kann aber nur so lange funktionieren, wie die Produkte ein stimmiger Kompromiss aus Leistung und Kosten sind. Werden die Smartphones zu teuer, geht die Rechnung womöglich nicht mehr auf und Kunden greifen zur Konkurrenz. Deswegen bleibt die Frage, inwieweit Nothing höhere Ausgaben für die Fertigung absorbieren kann – und ob ein Stellenabbau dafür die richtige Lösung ist.“

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