6. November 2025, 14:31 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Bereits im September hat Apple einen Appell an die EU veröffentlicht, in dem das Unternehmen vor den Folgen des Digital Markets Act (DMA) für Kunden warnt. Software-Neuerungen könnten demnach in Europa erst später oder gar nicht erscheinen, weil der Entwicklungsaufwand zu hoch sei. Nun könnte Apple jedoch erstmals eine bereits bestehende Funktion ausschalten, um sie nicht für Dritte öffnen zu müssen.
Widerstand gegen EU-Vorgaben
Apple ist in der EU verpflichtet, bestehende und neue Technologien für andere Unternehmen zu öffnen, damit diese eine reelle Chance haben, zu konkurrieren. Die Vorgabe der Europäischen Kommission besagt, dass Funktionen, die Apple nach Europa bringen möchte, direkt zum Start zugänglich für Dritte sein müssen. Das ist auch der Grund, warum etwa die Live-Übersetzung mit AirPods hier erst im Dezember erscheinen wird – obwohl das Feature weltweit bereits seit September verfügbar ist.
Anfang 2025 hat die Kommission eine Liste von neun bereits vorhandenen Features – wie AirDrop, AirPlay und iOS-Mitteilungen – erstellt, die Apple in den kommenden Jahren für die Konkurrenz öffnen muss. Zwar hatte das Unternehmen damals gegenüber TECHBOOK bestätigt, sich an die Vorgaben zu halten. Doch nun berichtet das französische Online-Magazin „Numerama“, dass Apple eines der Features in der EU komplett abschalten werde, um das DMA-Verfahren 100203 einfach zu umgehen.
Synchronisation zwischen iPhone und Apple Watch betroffen
Konkret geht es um die Synchronisation von WLAN-Passwörtern zwischen iPhone und einem verbundenen Gerät wie der Apple Watch. Die Kommission hatte in dem Verfahren die exakte Funktionalität erfasst:
„Automatische WLAN-Verbindung: Ermöglicht den Zugriff auf Informationen zu lokalen WLAN-Netzwerken, die auf dem iPhone gespeichert sind, und ermöglicht es verbundenen physischen Geräten, sich nahtlos mit diesen Netzwerken zu verbinden.“
Dem Bericht von „Numerama“ zufolge plane Apple nun jedoch, diese Funktion per iOS- und watchOS-Update im Dezember abzuschalten. Das habe Apple angeblich gegenüber dem Portal bestätigt.
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Apple hat Sicherheitsbedenken
Das Unternehmen warnte in seinem Appell bereits vor dem Sicherheitsrisiko, das durch den Zugriff von Dritten auf die gespeicherten Wi-Fi-Netzwerke entstehe: „Der WLAN-Verlauf kann sensible Informationen über den Standort und die Aktivitäten eines Nutzers preisgeben. Unternehmen können ihn beispielsweise dazu verwenden, um nachzuverfolgen, ob Sie ein bestimmtes Krankenhaus, Hotel, eine Fertilitätsklinik oder ein Gerichtsgebäude besucht haben.“
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Der DMA verpflichtet Apple, diese Daten auf Antrag herauszugeben. Eigenen Angaben zufolge würden „große Unternehmen“ das ausnutzen, um an die sensiblen Nutzerdaten zu gelangen. Die Kommission habe Apples Sicherheitsbedenken bislang ignoriert.
Einhaltung der Vorgaben ohne Rücksicht auf Verluste
Es ist das erste Mal, dass Apple eine Funktion vom europäischen Markt nimmt, um der lokalen Gesetzgebung zu entsprechen. Es ist zudem ein Paradebeispiel für ein Verhalten, das im englischsprachigen Raum als „malicious compliance“ bezeichnet wird – eine Einhaltung ohne Rücksicht auf die Folgen. Apple hat die Wahl, sich an die Interoperabilitätsvorgaben zu halten oder die Funktion nicht mehr anzubieten. Apple agiert zwar technisch gesehen regelkonform – nimmt aber die Verschlechterung für Kunden in Kauf.
Für europäische Nutzer dürfte die Änderung allerdings nur geringe Auswirkungen haben. Bisher nutzt die Apple Watch die WLAN-Informationen des iPhones, um sich automatisch mit bekannten Netzwerken zu verbinden. Künftig dürfte eine manuelle Verbindung über einen Code vom iPhone erforderlich sein. Solange sich die Watch in der Nähe des iPhones befindet, macht das also kaum einen Unterschied.
Die Änderung soll „Numerama“ zufolge automatisch für alle Nutzer mit europäischem Apple-Account in Europa eintreten. TECHBOOK hat Apple um ein Statement gebeten, bislang aber keine Antwort erhalten.