27. März 2026, 15:02 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Früher war Fernsehen simpel: Nach dem Einschalten lief direkt ein Programm. Anschließend wurde durch die Sender gezappt und das spannendste Angebot ausgewählt. Für klassische Fernsehsender war es dadurch leicht, Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Heute sieht das ganz anders aus. In vielen Wohnzimmern stehen Smart-TVs mit Internetverbindung und eigenem Betriebssystem. Nach dem Einschalten landet man nicht mehr direkt im TV-Programm, sondern auf einem Startbildschirm. Dort gibt es zahlreiche Inhalte auf einen Blick. Dazu gehören Streaming-Dienste, Spiele oder auch kostenpflichtige Angebote. Das Problem aus Sicht vieler europäischer Fernsehsender: Sie haben keinen direkten Einfluss darauf, welche Inhalte zuerst angezeigt werden. Diese Entscheidung treffen die Anbieter der Betriebssysteme.
TV-Sender fordern Eingreifen der EU
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“ haben sich mehrere Unternehmen an die EU gewandt. Der Verband ACT hat einen Brief an die EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera geschickt. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem ProSiebenSat.1 und RTL sowie Streaming-Dienste wie Sky, Disney und Paramount+. Sie fordern eine strengere Regulierung von Smart-TV-Betriebssystemen. Grundlage dafür soll der Digital Markets Act sein. Dieses Gesetz soll für fairen Wettbewerb im digitalen Markt sorgen.
Die Sender sehen genau diesen Wettbewerb gefährdet. Ihre Sorge: Große Tech-Konzerne bestimmen über ihre Plattformen, welche Inhalte sichtbar sind und welche nicht. Dadurch könnten bestimmte Angebote bevorzugt werden, während andere kaum noch auffallen.
Spotify kündigt umfassende Änderung für iPhone-Nutzer in Europa an
Größte Apple-Neuheit kommt nicht nach Deutschland
Betriebssysteme als entscheidende Gatekeeper
Im Zentrum der Kritik stehen Betriebssysteme wie Android TV, Tizen OS, tvOS und Fire OS. Nach Ansicht der Unternehmen übernehmen diese Systeme eine sogenannte Gatekeeper-Rolle.
Diese entscheiden darüber, welche Inhalte leicht zu finden sind und welche im Hintergrund verschwinden. Gleichzeitig können sie Nutzer stärker an ihre eigenen Plattformen binden. Konkurrenzangebote haben es dadurch schwerer. Auch Sprachassistenten wie Alexa und Siri spielen hier eine Rolle. Denn sie beeinflussen ebenfalls, welche Inhalte vorgeschlagen werden.
Auch interessant: Kostet nichts! Diesen Streaming-Dienst muss man kennen
Große Konzerne gewinnen immer mehr Einfluss
Die Fernsehsender argumentieren, dass die Marktmacht dieser Systeme in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist. Zwar erfüllen die Anbieter laut Bericht noch nicht automatisch die Voraussetzungen des Digital Markets Act. Dafür müssten sie unter anderem 45 Millionen aktive Nutzer pro Monat und eine Marktkapitalisierung von rund 75 Milliarden Euro erreichen.
Allerdings kann die EU auch qualitative Kriterien berücksichtigen. Genau darauf setzen die Unternehmen jetzt. Sie sehen die starke Einflussnahme der großen Tech-Konzerne als ausreichend an, um ein Eingreifen zu rechtfertigen.