Hat der Papst sein Anti-KI-Manifest mit KI geschrieben?
Papst Leo XIV. warnt in seiner neuen Enzyklika vor Risiken künstlicher Intelligenz Foto: AFP via Getty Images
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Przemyslaw Szymanski
31. Mai 2026, 9:29 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Papst Leo XIV. hat mit „Magnifica humanitas“ eine neue Enzyklika veröffentlicht. Darin beschäftigt er sich mit Kirche, Gesellschaft und dem Einfluss moderner Technik auf den Menschen. Besonders ausführlich geht das Oberhaupt der katholischen Kirche auf künstliche Intelligenz ein. Der Papst warnt davor, Menschen nur auf Daten, Effizienz oder wirtschaftlichen Nutzen zu reduzieren. Stattdessen fordert er, technische Entwicklungen stärker an Verantwortung, Würde und dem Gemeinwohl auszurichten.
Nun steht allerdings genau dieses Schreiben selbst im Mittelpunkt einer KI-Debatte. Mehrere Analysen beschäftigen sich mit der Frage, ob künstliche Intelligenz bei der Entstehung einzelner Passagen geholfen haben könnte. Bewiesen ist das bisher nicht. Dennoch sorgt der Verdacht für Aufmerksamkeit, weil sich die Enzyklika ausdrücklich kritisch mit Risiken der Technologie auseinandersetzt.
Hinweise durch sprachliche Auffälligkeiten
Ausgelöst wurde die Diskussion durch eine Untersuchung des Lesswrong-Autors Linch Zhang. Er analysierte die englische Version der Enzyklika und entdeckte dabei mehrere sprachliche Besonderheiten. Vor allem das Wort „genuinely“ (zu Deutsch „wirklich“, „echt“) komme deutlich häufiger vor als in früheren päpstlichen Schreiben. Zhang verbindet diese Formulierung mit der KI-Familie Claude des Unternehmens Anthropic.
Zusätzlich verweist der Autor auf weitere sprachliche Muster. Dazu gehören häufig genutzte Gedankenstriche und bestimmte dreigliedrige Satzstrukturen. Für Zhang könnten diese Merkmale auf einen Einsatz von KI beim Formulieren oder Überarbeiten hindeuten.
Für weitere Prüfungen nutzte Zhang den KI-Detektor Pangram. Dabei fielen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Einige Textstellen wirkten laut Analyse unauffällig, andere Abschnitte erreichten höhere Werte, die auf KI-Nutzung hindeuten könnten. Für die ersten 20 Absätze meldete das Werkzeug einen KI-Anteil von 11 Prozent. Andere Stichproben zeigten wiederum abweichende Werte.
Nach Einschätzung des Autors könnte das bedeuten, dass nicht das komplette Dokument betroffen ist. Denkbar sei vielmehr, dass nur einzelne Passagen mit KI überarbeitet oder formuliert wurden.
Auch das Branchenmagazin „The Verge“ führte einen eigenen Test durch. Rund 2.000 Wörter aus der Enzyklika wurden ebenfalls mit Pangram analysiert. Das Werkzeug stufte dabei 46 Prozent des geprüften Inhalts als KI-generiert ein.
Studien warnen vor Fehlbewertungen
Trotz dieser Ergebnisse gibt es bislang keinen sicheren Nachweis für einen KI-Einsatz. Studienzeigen, dass KI-Detektoren je nach Text sehr unterschiedliche Resultate liefern können. Die Werkzeuge gelten deshalb nicht als unfehlbar.
Auch Pangram weist selbst darauf hin, dass Fehlbewertungen möglich sind. Das Unternehmen nennt für März 2025 zwar eine niedrige Fehlerquote bei falschen positiven Ergebnissen von ungefähr 1 zu 10.000. Dennoch zeigen diese Angaben, dass Fehlalarme nicht ausgeschlossen werden können.
Hinzu kommt laut „Reuters“, dass Enzykliken normalerweise über lange Zeit vorbereitet werden. Päpste wählen die Themen solcher Schreiben sorgfältig aus, bevor die Texte später in mehreren Sprachen veröffentlicht werden. Deshalb reichen einzelne sprachliche Auffälligkeiten oder schwankende Detektorwerte bislang nicht aus, um sicher nachzuweisen, dass ein Chatbot ganze Absätze der Enzyklika geschrieben hat.
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