Ein französischer Mathematik-Professor will herausgefunden haben, wann eine Beziehung hält – und wann sie scheitert. Seine Formel berücksichtigt Liebesgefühle, Gewöhnung, Krisen und sogar Seitensprünge.
Die Liebesformel soll Beziehungen erklären
Laurent Pujo-Menjouet glaubt, dass sich die Dynamik einer Beziehung zumindest teilweise mathematisch beschreiben lässt. In seinem Buch „Love! Valour! Equations!“ arbeitet der französische Professor mit Differenzialgleichungen und versucht damit, die Entwicklung von Liebesgefühlen vorherzusagen.
Im Mittelpunkt steht eine Gleichung, in der P(t) für das Liebesgefühl eines Partners steht. Berücksichtigt werden unter anderem der Gewöhnungseffekt, aber auch positive und negative Ereignisse. Die Geburt eines Kindes, eine Beförderung, finanzielle Probleme, ein Todesfall oder ein Seitensprung können die Beziehung demnach stark verändern. Entscheidend ist außerdem, wie der Partner auf solche Ereignisse reagiert – etwa mit einer Entschuldigung oder einer liebevollen Geste.
Unterschreitet das Liebesgefühl in Pujo-Menjouets Modell einen bestimmten Schwellenwert, droht das Ende der Beziehung. Doch Experten warnen davor, die Formel als zuverlässiges Liebesorakel zu betrachten. Mathematik-Professorin Rebecca Tyson betont, dass menschliches Sozialverhalten extrem komplex sei und sich niemals vollständig durch ein Modell erfassen lasse.
Auch Psychologe Guy Bodenmann von der Universität Zürich sieht Grenzen. Selbst wenn psychologische Forschung typische Muster bei Paaren erkenne, lasse sich der individuelle Verlauf einer Beziehung nicht zuverlässig vorhersagen. So seien manche Paare unmittelbar vor einer Scheidung sogar noch zufrieden. Zusätzlich spielen Faktoren wie Bildung, Religion, finanzielle Abhängigkeit oder das persönliche Umfeld eine Rolle. In Deutschland dauert eine Ehe im Schnitt rund 14 Jahre.
Psychotherapeut David Wilchfort hält wenig von der Vorstellung, dass Gefühle in einer Beziehung nach einem festen mathematischen Muster abnehmen. In seiner Praxis erlebe er vielmehr, dass sich Gefühle innerhalb kürzester Zeit zwischen Nähe und Distanz bewegen können. Entscheidend sei vor allem die innere Haltung zum Partner: Ist beiden weiterhin wichtig, dass es dem anderen gut geht?
Anders sieht es Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Er steht dem mathematischen Ansatz aufgeschlossener gegenüber und verweist auf die Paarforschung von John und Julie Gottman, die anhand bestimmter Verhaltensweisen die Stabilität von Beziehungen untersucht. Sein eigener überraschend einfacher Indikator: der Kuss. Krüger fragt Paare, ob sie sich noch küssen – und wie. Denn daran lasse sich seiner Erfahrung nach erstaunlich gut erkennen, wie viel Nähe zwischen zwei Menschen noch vorhanden ist. Die Liebe bleibt also kompliziert. Ein wenig berechenbar scheint sie trotzdem zu sein.
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