27. Juli 2026, 8:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Statt tausender digitaler Aufnahmen pro Spiel entschied sich Sportfotograf Fareed Kotb bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 für einen völlig anderen Weg. Er dokumentierte Partien des Turniers mit einer historischen Kamera, die fast 100 Jahre alt ist, und setzte damit bewusst auf eine Arbeitsweise, die heute kaum noch genutzt wird.
Alte Technik sorgt für Aufmerksamkeit
Beim Achtelfinale zwischen der Schweiz und Kolumbien in Vancouver fiel vielen Zuschauern ein ungewöhnlicher Fotograf am Spielfeldrand auf. Während die meisten anderen moderne Digitalkameras verwendeten, arbeitete Fareed Kotb mit einer großen Faltkamera. Bilder der ungewöhnlichen Ausrüstung verbreiteten sich schnell im Internet. Der Fotograf aus Kairo, mit über 16 Jahren Berufserfahrung, wollte seine dritte Fußball-WM auf besondere Weise dokumentieren. Deshalb entschied er sich für eine Kamera aus demselben Jahr, in dem auch die erste Fußball-Weltmeisterschaft stattfand: 1930.
Für sein Projekt nutzte Kotb eine Zeiss Ikon Ideal (PDF-Dokument) 250/11 im Format 9 × 12 Zentimeter. Die Kamera wurde in Deutschland hergestellt und besteht aus Metall. Schwarzer Lack, vernickelte Bauteile und ein Lederbezug prägen ihr Erscheinungsbild. Typisch für das Modell sind die ausziehbaren Balgen zwischen Objektiv und Gehäuse. Diese ziehharmonikaartigen Falten ermöglichen es, sowohl nahe als auch weiter entfernte Motive scharf abzubilden. Für Kotb sollte die Kamera eine Verbindung zwischen den Anfängen der Fußball-WM und der Gegenwart herstellen.
Ein Stück Sportgeschichte
Nach Angaben des Fotografen besitzt die Kamera selbst eine außergewöhnliche Vergangenheit. Seine Recherchen ergaben, dass das Gerät bereits genutzt wurde, um die ägyptische Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1934 zu fotografieren. Damals trat Ägypten als erstes afrikanisches Team bei einer Fußball-WM an.
Außerdem soll dieselbe Kamera bereits bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin verwendet worden sein. Im Gespräch mit dem Online-Magazin „CBC“ erklärte Kotb, viele Menschen seien überrascht gewesen, bei einem der größten Sportereignisse der Welt eine Kamera aus dem Jahr 1930 zu sehen.
So entstehen die Aufnahmen
Für Sportfotografen spielt normalerweise Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Moderne Digitalkameras ermöglichen Serienaufnahmen mit sehr vielen Bildern pro Sekunde. Mit seiner historischen Ausrüstung musste Kotb dagegen deutlich langsamer arbeiten. Für ein einzelnes Foto benötigte die Kamera etwa eine Minute. Dadurch musste jede Aufnahme sorgfältig vorbereitet werden. Spontane Serienbilder waren mit dieser Technik nicht möglich.
Zunächst öffnet Kotb die Kamera und betrachtet das Motiv auf einer Mattscheibe. Dort erscheint das Bild auf dem Kopf. Anschließend legt er den Bildausschnitt fest und zieht ein schwarzes Tuch über den Kopf, um die Projektion besser erkennen zu können. Danach setzt er den Film ein, stellt die Kamera auf Aufnahme um und löst aus. Dieser Ablauf unterscheidet sich deutlich von moderner Sportfotografie. Nach eigenen Angaben veränderte die langsame Arbeitsweise auch seine Herangehensweise an Fußballspiele.
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Wenige Bilder statt tausender Aufnahmen
Bei der Begegnung zwischen Portugal und Kroatien in Toronto machte Kotb nach eigenen Angaben lediglich zehn Fotos. Beim Spiel Schweiz gegen Kolumbien in Vancouver entstanden rund 40 Aufnahmen.
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Jede Aufnahme musste geplant werden. Das Ergebnis konnte er erst nach der Entwicklung des Films sehen. Trotz dieser Einschränkungen reizte ihn die bewusste und langsame Arbeitsweise. Gegenüber CBC sagte er: „Digitale Fotografie ist schneller. Film ist langsamer, aber er hat besondere Gefühle“.
Bilder werden Teil eines Dokumentarprojekts
Die Aufnahmen der Weltmeisterschaft sollen nicht nur als Erinnerung an das Turnier dienen. Laut Kotb werden sie Bestandteil seines Dokumentarprojekts „Project 1930“.
Mit diesem Vorhaben verfolgt er einen anderen Ansatz als viele andere Fotografen bei der WM. Während dort häufig tausende Bilder pro Spiel entstehen, konzentrierte er sich auf wenige sorgfältig geplante Aufnahmen. Genau dieser Gedanke steht im Mittelpunkt seines Projekts.