12. November 2025, 11:39 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Ryanair schafft die gedruckte Bordkarte ab. Seit dem 12. November akzeptiert Europas größte Billigfluglinie beim Boarding nur noch digitale Tickets. Passagiere müssen ihre Bordkarte künftig auf dem Smartphone vorzeigen. Verbraucherschützer warnen vor Nachteilen für weniger technikaffine Reisende.
Wie „Heise“ berichtet, will Ryanair mit dem Umstieg auf rein digitale Bordkarten die weltweit erste papierlose Fluggesellschaft werden. Rund 300 Tonnen Abfall sollen dadurch jährlich eingespart werden. Gleichzeitig soll die Maßnahme den Check-in-Prozess vereinfachen – allerdings nur für Passagiere mit Smartphone. Die Airline setzt vollständig auf ihre App „myRyanair“, die künftig der einzige Weg ist, um eine Bordkarte zu erstellen und vor dem Abflug digital zu speichern.
Nur noch digitales Boarding
Der Wechsel zum rein elektronischen Check-in betrifft alle Flüge der Airline ab November 2025. Nach Angaben des Unternehmens nutzen bereits rund 80 Prozent der Passagiere die digitale Bordkarte. Ryanair-CEO Michael O’Leary zeigt sich überzeugt, dass der Rest der Kunden ebenfalls über ein Smartphone verfügt, es aber bislang nicht für den Boarding-Prozess verwendet hat. Wer kein Mobilgerät besitzt, soll sich laut Ryanair von Freunden oder Angehörigen beim Check-in helfen lassen können.
Passagiere ohne Zugriff auf ihre digitale Bordkarte – etwa durch einen leeren Akku – sollen laut O’Leary trotzdem an Bord kommen: „Nach dem Einchecken liegt uns Ihre Sequenznummer vor, und wir bringen Sie an Bord“, erklärte der Ryanair-Chef dem britischen „Independent“. Dennoch: Wer gar nicht online eincheckt, muss am Flughafen in die Tasche greifen. Eine Check-in-Gebühr von 30 Euro bis zu 55 Euro pro Strecke wird fällig, je nach Abflugland.
Lösung für Gruppenreisen
Auch für Gruppenreisen ist kein Smartphone für jeden Mitreisenden erforderlich. Der Hauptbucher kann die digitalen Bordkarten für alle Personen in der App speichern und beim Boarding gesammelt vorzeigen oder sie einzeln an die Geräte der Mitreisenden weiterleiten. So bleibt der Ablauf auch bei Familien oder größeren Gruppen unkompliziert.
Ein weiterer Punkt der neuen Digitalstrategie: Die App „myRyanair“ funktioniert künftig auch für Tickets, die über andere Buchungsportale gekauft wurden. Damit will die Airline alle Kunden in das eigene System holen – ohne die App lässt sich weder der Check-in durchführen noch eine Bordkarte erstellen.
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Verbraucherschützer fordern Alternativen
Kritik kommt vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Fluggastrechte-Referent André Duderstaedt warnt, dass Menschen ohne Smartphone oder mit eingeschränkten technischen Fähigkeiten benachteiligt werden könnten. „Mobilität darf nicht an technisches Geschick oder verfügbare Geräte gebunden sein. Es darf nicht zum Ausschluss einzelner Gruppen kommen“, sagte Duderstaedt. Sollte der Zugang für Menschen mit Behinderung erschwert werden, könnte dies zudem einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz darstellen.
Ryanair versucht, mögliche Probleme abzufedern und hat den ursprünglich für Mai geplanten Start in den ruhigeren November verschoben, da das Unternehmen im November nur mit etwa 13 Millionen Reisenden rechnet, im Vergleich zu den 20 Millionen im Mai. So will die Airline die Umstellung bei geringerem Passagieraufkommen testen.
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„Nicht digital bedeutet teurer“
Für die Verbraucher bleibt der Schritt vor allem ein Symbol für eine größere Entwicklung: Immer mehr Alltagsbereiche setzen auf digitale Prozesse, während analoge Alternativen zunehmend kostenpflichtig werden. „Nicht digital bedeutet teurer“ – dieser Grundsatz, warnen Verbraucherschützer, gilt nun auch beim Fliegen. Zwar verspricht Ryanair einen einfacheren Check-in und weniger Papierverbrauch, doch wer kein Smartphone besitzt, zahlt künftig drauf.