Werbung auf WhatsApp war lange tabu – doch dieses Versprechen bekommt nun einen Preis. Der Messenger plant aktuell ein Abo-Modell, mit dem Nutzer Anzeigen aus einem zentralen Bereich der App verbannen können. Hinter dem Schritt steckt weniger ein Strategiewechsel als vielmehr europäischer Regulierungsdruck.
In dem neuen Bezahlmodell von WhatsApp geht es konkret um die Ausblendung von Werbung im sogenannten Updates-Tab. Entsprechende Hinweise wurden von „WABetaInfo“ in der Android-Beta-Version 2.26.3.9 entdeckt. Das geplante Abo richtet sich ausschließlich an Nutzer in Europa und Großbritannien und befindet sich derzeit noch in der Entwicklungsphase.
WhatsApp testet Abo gegen Werbung im Updates-Tab
Die Anzeigen erscheinen bislang nur im Updates-Tab, in dem Statusmeldungen und abonnierte Kanäle dargestellt werden. Private Chats, Gruppen oder Anrufe sind laut WhatsApp nicht betroffen. Das Unternehmen betont, dass die Werbung auf allgemeinen Signalen wie Sprache, Standort und Interaktionen basiert. Persönliche Inhalte werden demnach nicht ausgewertet.
Doch auf Wunsch sollen Abonnenten künftig vollständig auf Anzeigen und beworbene Kanäle im Updates-Tab verzichten können. Die geplante Abo-Option könne man dabei über den Google Play Store verwalten und kündigen. Anpassungen wie Kündigungen oder Aktivierungen könnten laut WhatsApp bis zu 15 Minuten dauern, bis sie sichtbar werden.
Hintergrund der Entwicklung ist der regulatorische Druck aus der Europäischen Union. Gesetze wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der Digital Markets Act (DMA) zwingen Meta – den Mutterkonzern von WhatsApp – zur Einhaltung strenger Vorgaben. Nutzer müssen künftig zwischen der Zustimmung zu personalisierter Werbung oder einem kostenpflichtigen werbefreien Angebot wählen können.
Dieses sogenannte „Pay-or-Okay“-Modell kommt bereits bei Facebook und Instagram zum Einsatz. Dort ruft Meta für die werbefreie Nutzung derzeit einen Preis von monatlich 5,99 Euro (Browser) bzw. 7,99 Euro (App) auf. Für WhatsApp ist derzeit ein Richtwert von 4 Euro pro Monat im Gespräch, der in der Beta-Version sichtbar wurde. Dieser Preis ist jedoch noch nicht final bestätigt und könnte je nach Land variieren. Möglicherweise bietet Meta auch ein Kombi-Abo für Facebook, Instagram und WhatsApp an, das dann etwas günstiger im Gesamtpreis ist.
Die Entscheidung für oder gegen Werbung bleibt den Nutzern überlassen. Das geplante Abo ist freiwillig und soll keine Einschränkungen für den kostenlosen Dienst mit Werbung nach sich ziehen. Auch bleibt unklar, ob das Abo künftig in ein Meta-übergreifendes Paket eingebunden wird oder eine eigenständige Lösung für WhatsApp bleibt.
Einen konkreten Starttermin hat der Messenger bislang nicht genannt. Die offizielle Ankündigung von Meta wird im Laufe der kommenden Monate erwartet. Branchenbeobachter sehen das Modell als potenziellen Testlauf für ähnliche Strategien in anderen Märkten weltweit.
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