Bei Rückenschmerzen, Depressionen oder chronischen Erkrankungen können digitale Gesundheits-Apps Patienten im Alltag unterstützen. In Deutschland hat bereits jeder Fünfte eine solche Anwendung verschrieben bekommen. Tatsächlich genutzt werden sie aber deutlich seltener. Gleichzeitig wünschen sich viele Patienten mehr Informationen von Ärzten und Therapeuten.
Viele Rezepte werden nicht eingelöst
Ärzte und Psychotherapeuten können digitale Gesundheitsanwendungen verschreiben. Die sollen die Behandlung außerhalb der Praxis etwa mit Übungen und weiteren Angeboten begleiten. 20 Prozent der Patienten haben bereits eine solche Verschreibung erhalten. Eingelöst haben sie bislang allerdings nur 15 Prozent der Befragten.
Weitere 36 Prozent kennen Apps auf Rezept zwar, haben dafür aber noch keine Verschreibung bekommen. Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen telefonischen Befragung des Digitalverbands Bitkom. Dafür wurden zwischen Ende August und Ende September 2026 insgesamt 1132 Personen ab 16 Jahren in Deutschland interviewt.
Grundsätzlich können sich viele Menschen vorstellen, solche Anwendungen zu nutzen. 44 Prozent der Befragten würden mit einer Gesundheits-App längere Wartezeiten auf einen Arzt- oder Therapietermin überbrücken. Ein Drittel sieht darin außerdem eine Möglichkeit, die eigene Behandlung im Alltag zu erleichtern.
Trotzdem gibt es Vorbehalte. So glauben 41 Prozent der Befragten, dass ihnen persönlich eine Gesundheits-App nicht helfen könnte. Weitere 27 Prozent verstehen nicht, welchen Nutzen die digitalen Angebote haben.
Entsprechend groß ist der Wunsch nach mehr Orientierung: Fast die Hälfte der Befragten, nämlich 49 Prozent, möchte, dass Ärzte und Psychotherapeuten häufiger über Apps auf Rezept informieren. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder fordert zudem einen einfacheren Zugang. Vom Rezept bis zur tatsächlichen Nutzung der App sollte es für Patienten künftig leichter werden.
Auch die Anbieter stehen unter Druck
Nicht nur bei den Patienten gibt es Hürden. Auch die Unternehmen hinter den digitalen Gesundheitsanwendungen haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Das zeigt eine separate Befragung von Bitkom unter 34 Anbietern. Demnach geben 85 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert hat.
Trotzdem wollen viele Anbieter ihr Angebot ausbauen. Jedes zweite befragte Unternehmen plant, innerhalb der kommenden 24 Monate weitere Apps auf Rezept auf den Markt zu bringen.
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