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Pilotprojekt in Deutschland

AU ohne Praxisbesuch! Hier gibt’s die Krankschreibung im Supermarkt

Rezept und Krankschreibung beim Wocheneinkauf? Kaufland probiert es aus
Der S Medical Room gilt als Pilotprojekt für ländliche Regionen Foto: Getty Images
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Charlotte Ziesing

16. Juli 2026, 14:31 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Erst den Einkauf erledigen, dann noch schnell zum Arzt – was ungewöhnlich klingt, gehört im baden-württembergischen Mosbach inzwischen zum Alltag. Direkt im Eingangsbereich einer Kaufland-Filiale betreibt Sana gemeinsam mit Kaufland den sogenannten S Medical Room. Das Konzept: Wer wegen Husten, Halsschmerzen oder anderer leichter Beschwerden keinen zeitnahen Hausarzttermin bekommt, kann sich per Videosprechstunde ärztlich beraten lassen – inklusive Krankschreibung oder Rezept.

Die Idee kommt nicht von ungefähr. Einen Termin beim Hausarzt zu bekommen, wird vielerorts immer schwieriger. Vor allem auf dem Land fehlen Ärztinnen und Ärzte, gleichzeitig geht ein großer Teil der heutigen Hausärzteschaft in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Für viele Patienten bedeutet das lange Wartezeiten oder Praxen, die keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Genau hier soll der Medical Room ansetzen. Statt darauf zu warten, dass Patienten einen Arzt finden, bringt das Konzept die medizinische Versorgung dorthin, wo ohnehin viele Menschen täglich vorbeikommen: in den Supermarkt.

Patienten können online einen Termin buchen oder sich spontan direkt vor Ort melden. Anschließend betreten sie eine schallgeschützte Kabine und werden per Videosprechstunde mit einer Ärztin oder einem Arzt des Sana Medical-Centers verbunden. Medizinische Fachkräfte unterstützen vor Ort, messen bei Bedarf Blutdruck oder führen weitere Untersuchungen durch.

Mehr als nur Videosprechstunden

Geeignet ist das Angebot vor allem für Beschwerden, die sich telemedizinisch beurteilen lassen – etwa Erkältungen, Husten, Halsschmerzen oder kleinere gesundheitliche Probleme. Falls medizinisch vertretbar, stellen die Ärztinnen und Ärzte auch Krankschreibungen, E‑Rezepte oder Überweisungen aus. Bei komplizierteren Erkrankungen oder Notfällen ersetzt der Medical Room den klassischen Arztbesuch allerdings nicht.

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Ursprünglich startete das Konzept Ende 2025 in Deutschland. Mittlerweile wurde das Angebot jedoch erweitert. Neben der hausärztlichen Videosprechstunde gibt es inzwischen auch verschiedene Präventionsleistungen wie Körperanalysen, Lifestyle-Check-ups, digitale Hautchecks sowie Beratungen zu digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Damit soll der Standort nicht nur akute Beschwerden behandeln, sondern auch das Thema Vorsorge stärker in den Fokus rücken.

Wie steht es heute um das Projekt?

Der S Medical Room im Kaufland in Mosbach ist weiterhin der einzige seiner Art. Nach eigenen Angaben läuft das Pilotprojekt weiter. Die Betreiber werten derzeit aus, wie das Angebot von den Patienten angenommen wird und ob sich das Konzept sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich trägt. Ob weitere Medical Rooms an anderen Kaufland-Standorten entstehen, ist bislang offen.

Auch Hausärzte sehen in solchen Angeboten durchaus Potenzial – allerdings nur als Ergänzung zur klassischen Versorgung. Entscheidend sei, dass die Behandlung an bestehende Hausarztpraxen oder Medizinische Versorgungszentren angebunden bleibt. Denn eine dauerhafte Betreuung, bei der alle medizinischen Informationen zusammenlaufen, könne eine Videosprechstunde im Supermarkt nicht ersetzen.

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