9. März 2026, 15:57 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Seit Oktober 2025 erlaubt WhatsApp in der Europäischen Union die Nutzung einer neuen, sogenannten Interoperabilitäts-Funktion. Damit können Gruppenunterhaltungen mit Nutzern anderer Messenger geführt werden. Die Funktion ist inzwischen flächendeckend verfügbar. Allerdings gibt es eine deutliche Einschränkung. Aktuell unterstützt WhatsApp vor allem Apps, die kaum bekannt sind.
Zu den ersten Diensten, die sich mit WhatsApp vernetzen lassen, zählen BirdyChat und Haiket. Beide gehören nicht zu den etablierten Alternativen. BirdyChat richtet sich vor allem an den beruflichen Einsatz und soll den Austausch mit Kunden ermöglichen. Haiket setzt stärker auf Sprach- und Audionachrichten als zentrales Element der Kommunikation und verfolgt damit ein anderes Konzept als übliche Messenger
EU verpflichtet WhatsApp zur Schnittstelle
Grundlage für die Öffnung sind Vorgaben der Europäischen Union. Große Plattformen, die als sogenannte Gatekeeper eingestuft werden, müssen ihre Dienste für konkurrierende Angebote zugänglich machen. Ziel ist, dass Nutzer nicht dauerhaft an einen einzelnen Anbieter gebunden bleiben. Auch WhatsApp gilt als Gatekeeper. Deshalb muss der Dienst eine technische Schnittstelle bereitstellen. Über diese können andere Messenger Nachrichten senden und empfangen, ohne dass alle Beteiligten dieselbe App nutzen müssen.
Die Idee dahinter ist klar: Gespräche sollen sich in einer Anwendung bündeln lassen. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Messengern soll dadurch überflüssig werden. In den Einstellungen von WhatsApp kannst du inzwischen festlegen, ob Drittanbieter-Chats getrennt angezeigt werden oder zusammen mit den normalen Unterhaltungen erscheinen.
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Große Messenger bleiben außen vor
Im Alltag spielt die neue Funktion bislang kaum eine Rolle. Große Messenger beteiligen sich derzeit nicht an der Schnittstelle. Die bekannten WhatsApp-Konkurrenten Signal und Threema haben sich früh gegen eine Zusammenarbeit entschieden. Beide verweisen unter anderem auf Datenschutzbedenken.
WhatsApp verspricht zwar bei Drittanbieter-Chats eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Dennoch fallen weiterhin zahlreiche Metadaten an. So kann der Meta-Konzern etwa über die IP-Adresse allgemeine Standortinformationen erfassen.
Ob und wann sich die Situation ändert, ist offen. Damit die Interoperabilität im Alltag ankommt, müssten sich vor allem große Messenger auf gemeinsame technische Standards einigen und die Schnittstellen unterstützen. Solange das nicht geschieht, bleibt die neue WhatsApp-Funktion verfügbar, dürfte für viele Nutzer aber weiterhin kaum praktische Bedeutung haben.