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Candy Crush, Pokémon Go und Co.

Stiftung Warentest warnt vor Spiele-Apps für Kinder 

Zwei Jungen sitzen nebeneinander und spielen Spiele-Apps auf ihren Handys
TikTok führt Mindestalter für Direktnachrichten einFoto: Getty Images

Werbung für Pornoseiten, Nazi-Parolen, teure In-App-Käufe – das klingt alles nicht besonders kindgerecht. Die Stiftung Warentest hat in Zusammenarbeit mit Jugendschutz.net 14 beliebte Handyspiele untersucht, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten. Das Ergebnis: „‚Bedenklich‘ war noch das beste Urteil“.

Handys sind inzwischen ein fester Bestandteil unseres Alltags, da sind auch die Kinder und Jugendlichen unserer Gesellschaft keine Ausnahme. Telefonieren und mit Freunden chatten stehen dabei hoch im Kurs – und auch die zahlreichen Spiele-Apps. Minecraft, Fortnite mobile oder Subway Surfers sind nur einige prominente Vertreter, die sich bei der jungen Generation großer Beliebtheit erfreuen. Doch Vorsicht: Nur weil die Altersgrenze nahelegt, dass die Spiele kindgerecht sind, heißt das noch lange nicht, dass das auch stimmt!

So hat die Stiftung Warentest die Handyspiele getestet

Die Stiftung Warentest hat gemeinsam mit Jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, 14 sehr beliebte Spiele-Apps getestet. Die Auswahl der Spiele setzte sich laut Testbericht aus der Anzahl der täglichen Nutzer, Umsatzstärke und den generellen Downloadzahlen zusammen. Der Test dauerte ganze drei Monate, von Mai bis Juli 2019, und wurde von acht Expertinnen und Experten durchgeführt. Als Alter wurde immer zehn Jahre angegeben, sofern Die App das überhaupt abfragte.

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Folgende 14 Spiele wurden getestet:

  • Angry Birds 2
  • Brawl Stars
  • Candy Crush Soda Saga
  • Clash of Clans
  • Clash Royale
  • Empires & Puzzles
  • Fortnite
  • Helix Jump
  • Homescapes
  • Pokémon Go
  • Roblox
  • Subway Surfers
  • Temple Run 2

Bei Stiftung Warentest heißt es: „Wir prüften, ob Kinder und Jugendliche mit Gewalt oder selbstgefährdenden, extremistischen beziehungsweise sexuellen Inhalten konfrontiert werden – im Spiel selbst, in der Werbung oder in von Nutzern generierten Inhalten (…).“ Außerdem wurde unter anderem überprüft, ob die Apps es belohnen würden, wenn die Spieler ihre Accounts mit ihren Social-Media-Profilen vernetzen, ob die Voreinstellungen „[den] Nutzern einen umfassenden Schutz bieten“ und ob unangemessene Inhalte unkompliziert gemeldet werden können.

Spiele-App Candy Crush auf einem Smartphone
Auch durch Generationen beliebte Spiele wie die „Candy Crush Saga“ wurden getestet
Foto: Getty ImagesFoto: Getty Images

In-App-Käufe nicht kindgerecht

Ein häufiger Kritikpunkt der testenden Expertengruppe bezieht sich auf die In-App-Käufe, über die sich die meisten der größtenteils in der Installation kostenlosen Spiele finanzieren. Kinder könnten hier häufig in Kostenfallen tappen. Beispielsweise bei Angry Birds 2 gibt es ein Edelsteinpaket, das den Spieler mit einem einzigen Klick um 110 Euro erleichtert. Spiele wie Candy Crush oder Homescapes würden außerdem permanent zum Kaufen solcher Pakete aufrufen, beziehungsweise ist ein Vorankommen im Spiel ohne die kostenpflichtigen Booster und zusätzliches Leben sehr mühselig.

Spiele-Apps für Kinder enthalten oft unangemessen Werbung

Ebenfalls besorgniserregend fanden die Expertinnen und Experten den Werbeinhalt, der häufig in den Spielen eingeblendet würde. Verweise auf Pornoseiten, Videowerbung für andere Spiele, in denen Menschen sehr bildgewaltig erschossen werden und noch weitere nicht-jugendfreie Inhalte werden im Test angekreidet.

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Unverständlicher Datenschutz und unzulässige AGBs

Laut der deutschen Datenschutz-Grundverordnung müssen Datenschutzerklärungen auch für Kinder verständlich sein, wenn sich die Dienstinhalte an diese Altersgruppe richten. Keine der geprüften 14 Apps erfüllt diese Anforderung; die Inhalte sind sogar für Erwachsene gewohnt mühselig zu verstehen. Darüber hinaus überträgt beispielsweise Temple Run 2 in der Android-Version mehr Nutzerdaten, als es zum Funktionieren braucht. Sogar wenn das Tracking deaktiviert wurde, werden Nutzerstatistiken weiterhin an einen Analysedienst übermittelt.

10 der geprüften 14 Apps enthalten außerdem gravierende Mängel in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), darunter unter anderem Angry Birds 2. Der Nutzer stimmt mit der Installation beispielsweise der kompletten Überwachung aller seiner Spielinhalte zu, inklusive Chatverläufe und Sprachnachrichten.

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Sogar das beste Urteil lautet „Bedenklich“

Von den 14 getesteten Spielen wurden 13 mit „Inakzeptabel“ bewertet. Lediglich Pokémon Go erhielt das Fazit „Bedenklich“. „Angemessen“ war demnach keins der beliebten Handyspiele. Im Testkommentar zu Pokémon Go heißt es, dass mit der App alles okay sei, beim Datenschutz aber Nachholbedarf bestehe. Zum einen sei die Datenschutzerklärung für Kinder unverständlich, zum anderen würden Nutzungsstatistiken und Mobilfunkanbieter an Dritte weitergereicht.

Am schlechtesten schnitten Clash of Clans und Brawl Stars ab. Ersteres bekam lediglich in der Kategorie „Werbung“ ein „Angemessen“ und bei „Sicherer Nutzung“ ein „Bedenklich“. Letzteres zeigt laut Bericht ebenfalls angemessen Werbung und erhielt ein „Bedenklich“ im Bereich „Verstöße melden“. Alle anderen Kategorien bei den beiden Spielen wurden mit „Inakzeptabel“ bewertet.

Die Spiele-App Pokémon Go mit Pikachu auf einem Smartphone
Am besten schneidet noch Pokémon GO bei Stiftung Warentest ab. Allerdings auch nur mit dem Fazit „bedenklich“.
Foto: Getty ImagesFoto: Getty Images

Verbote sind nicht realistisch

Ein totaler Verzicht beziehungsweise ein generelles Verbot für Handyspieler halten auch die Experten für unrealistisch. Stattdessen geben sie Eltern Tipps an die Hand, mit denen die Gefahrenquellen zumindest etwas entschärft werden können.

  1. Apps sperren, indem sie mit Passwort gesichert werden. Dann haben Kinder nur noch auf Spiele mit einer entsprechenden Altersfreigabe Zugriff.
  2. Sowohl im Google Play Store als auch im App Store können Nutzer In-App-Käufe blockieren.
  3. Um solche Käufe ganz zu vermeiden, können Eltern ihr Kind nur noch offline spielen. Auch das Weiterleiten von Daten wird so unterbunden.
  4. Sowohl Apple als auch Google bieten mittlerweile eigene Kindersicherungsfunktionen, mit denen Spieldauer und andere Regelungen eingestellt werden können.
  5. Regelmäßige Kontrollen der Sicherheitseinstellungen lohnen sich ebenfalls.
  6. Eventuell empfiehlt sich ein Vertrag mit den Kindern, in dem genau geregelt ist, wie lange welches Spiel gespielt werden darf und was dabei erlaubt ist.
  7. Plattformen wie klick-tipps.net liefern gute Empfehlungen für Spiele-Apps.

Es kann sich außerdem lohnen, mit den Kindern gemeinsam zu spielen, sodass man immer einen guten Einblick hat, ob die genutzten Apps kindgerecht sind oder nicht.

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