3. Oktober 2025, 9:10 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Technologie altert schnell – und doch gibt es Geräte, die die Zeit überdauern. Während jedes Jahr neue Smartphones, Laptops und Gadgets auf den Markt drängen, haben viele von uns noch alte Begleiter aus einer anderen Technikära im Einsatz. Ob CD-Spieler, Spiegelreflexkameras oder Heimkino-Anlagen – Retro-Tech kann eine überraschende Faszination entfalten und erfüllt auch heute noch seinen Zweck besser, als man denkt.
In dieser Serie blicken unsere Tech-Redakteure auf persönliche Schätze, die mindestens zehn Jahre alt sind, und erklären, warum sie bis heute Teil ihres Alltags geblieben sind.
Übersicht
Logitech Squeezebox
Christian Just, Ressortleiter Telekommunikation & Internet COMPUTER BILD
„Seit etwa 2011 nutze ich WLAN-Musikplayer des Squeezebox-Systems als WLAN-Radio im ganzen Haus. Sie spielen Webradio, Spotify und auch Musik von Netzwerkfestplatten. Die Geräte sind kompakt, haben für die Größe einen guten Klang und die Software wird auch über ein Jahrzehnt nachdem Logitech den Verkauf eingestellt hat, via Open Source weiterentwickelt. Dafür läuft die Software ‚Lyrion Music Server‘ auf einem kleinen Raspberry Pi, an dem auch eine Festplatte mit über 700 digitalisierten CDs hängt.
Meist nutze ich das Squeezebox Radio aber als Radiowecker oder für Musik-Streaming über Spotify Connect oder AirPlay. Die Geräte habe ich über Ebay gekauft. Neben mehreren kompakten ‚Squeezebox Radios‘ habe ich auch noch ältere Modelle, die mit der Stereoanlage verbunden sind. Leider zickt die alte WLAN-Technik (802.11b oder Wifi 2), so dass ich einige Radios per Netzwerkkabel angebunden habe. Dank der Open-Source-Community bleibt das Ganze lebendig.“
Yamaha Heimkino-Anlage
Richard Wilhelm Schaber, Redakteur für Tests TV & Heimkino im Hardware-Ressort bei COMPUTER BILD
„Offen gestanden, kann ich meine Finger einfach nicht von neuen Elektroartikeln lassen: Auspacken, aufbauen, anschließen, digital vernetzen – und dann wieder einpacken. Klingt verrückt, aber das muss man ein wenig sein, um als professioneller Produkttester tagtäglich mit Freude zu tun, was andere in den Wahnsinn treibt. Mein Fokus liegt auf brandneuen smarten Produkten für das Heimkino, nur muss ich gestehen: Bei mir daheim findet keine der kabellosen Sound-Lösungen aus dem Testlabor Platz.
Da steht nämlich schon seit zehn Jahren eine Yamaha-Anlage nach uraltem Design. Diskret verlegte Kupferkabel statt Funk-Chaos – mein System ist nicht alt, sondern zeitlos. Es braucht keine App-Updates, kein Bluetooth und es muss kein Akku geladen werden. Die Yamaha ist ein Zen-Tempel im Auge des Techno-Zyklons, in dem ich sonst aus voller Überzeugung die Nase in den Wind halte.“
Apple AirPort Time Capsule
Michael Schmidt, Stellv. Laborleitung – Kompetenzcenter Tech & Mobility COMPUTER BILD
„Seit fast 15 Jahren ist die kleine weiße, mittlerweile gelbe Kiste ein unauffälliger Begleiter und Sicherheitsnetz meiner Daten. Zwei MacBooks hat sie bereits überlebt. Vor rund fünf Jahren habe ich auf eine große SSD geupdatet, ansonsten war sie nie aus und zickte auch noch nie rum. Selten habe ich ein so stabil laufendes Gerät besessen.
An dem Tag, an dem Apple die Unterstützung einstellt und ich nicht mehr drauf sichern kann, wird bei mir die Fahne auf halbmast hängen. Wahrscheinlich wird es mit macOS 27 so weit sein. Das alte Dateiformat wird dann gerüchteweise nicht mehr supportet. Bis dahin thront sie leicht angestaubt oben auf meinem Flurschrank, verübt brav ihren Dienst und schaut nostalgisch herunter.“
Yamaha CDX-397MK2
Rainer Schuldt, Ressortleiter Nachrichten bei COMPUTER BILD
„‚Nehmen Sie den, der ist top für das Geld!‘ Mit diesen Worten pries im Jahr 2007 ein Verkäufer in einem Elektromarkt den CD-Player CDX-397MK2 von Yamaha an. Ich war auf der Suche nach einem schlichten Marken-CD-Spieler. Mehr als 250 Euro wollte ich damals nicht investieren, da ich (fälschlicherweise) voll auf dem MP3-Trip war und den Player nur als Hardware-Backup für meine über die Jahre angewachsene CD-Sammlung verwenden wollte. Da mir der Yamaha optisch gut gefiel und der Verkäufer die Vorzüge überzeugend herunterrappelte, nahm ich den CDX-397MK2 mit nach Hause. Und da steht er bis heute.
Obwohl es sich um einen sehr einfachen CD-Player handelt, erwies sich der Yamaha als ausgesprochen robust. Bislang hatte ich mit dem Gerät keinerlei Probleme. Ok, viel kann auch nicht kaputtgehen: Ein paar Tasten, ein kleines LCD-Display und die CD-Lade – mehr gibt’s nicht. Immerhin verfügt der Yamaha CDX-397MK2 aber auf der Rückseite über einen Toslink-Ausgang. Und über den ist er bis heute auch an meinen Verstärker angeschlossen. Weitere Besonderheiten: Legt man eine Musik-CD mit Infospur ein, erscheinen auf dem kleinen Bildschirm auch die Namen der Titel. Was braucht man mehr? Ich auf jeden Fall nichts!“
iPod Nano
Adrian Mühlroth, Redakteur TECHBOOK
„Normalerweise höre ich Musik wie alle anderen – über YouTube Music, Spotify oder Apple Music. Die meiste Zeit dudeln die Songs bei mir jedoch im Hintergrund, auf der Arbeit, beim Spielen mit den Kindern, zum Einschlafen. Wenn ich mich wirklich auf das Erlebnis des bewussten Hörens einlassen will, greife ich zu meinem iPod Nano und meinen Meze 99. Damit versetze ich mich in die Welt vor dem Musik-Streaming zurück. Höre ganze Alben von Anfang bis Ende. Wähle den nächsten Song oder Interpreten überlegt aus. Die Musik wird dadurch von der Beiläufigkeit zum Selbstzweck.
Andere benutzen dafür Plattenspieler oder CD-Player. Ich schätze jedoch die ultimative Tragbarkeit des iPod Nano, der in jeder noch so kleinen Tasche verschwindet. Trotzdem passt in das gerade einmal 5,4 mm hohe Gehäuse ein 3,5-mm-Klinkenstecker – das hätte sich das iPhone-Team bei Apple abschauen können. Dadurch ist der Nano eines der wenigen Geräte, mit dem ich meine Kopfhörer noch ohne Adapter verwenden kann. Doch er hat noch einen Trick auf Lager: Als einziger iPod (abgesehen vom Touch) unterstützt der Nano Bluetooth. Ich kann also sogar unterwegs Musik über meine AirPods Pro ungestört mit ANC genießen.
Für mich ist der iPod Nano deshalb die perfekte Brücke zwischen neu und alt – und hat sich seinen Platz in meiner Hosentasche redlich verdient.“
Auch interessant: Diese 7 alten Handys sind heute ein kleines Vermögen wert
Was ist Multiroom – und welche Systeme gibt es?
7 Apple-Produkte, von denen Sie garantiert noch nicht gehört haben
Toshiba Portege Z930-14X
Sebastian Kolar, Redakteur Software bei COMPUTER BILD
„Ich nenne seit 2019 ein ‚Toshiba Portege Z930-14X‘ mein Eigen. Das Notebook habe ich wegen Nachhaltigkeitsgedanken gebraucht gekauft. Es stammt aus Österreich und wurde professionell wiederaufbereitet. Das Modell wurde mit Windows 8.1 Pro ausgeliefert und verrichtet mit seiner 128-Gigabyte-SSD und seinem Intel-Core-i5-Prozessor bis heute zuverlässig seinen Dienst.
Ich schätze das Gerät als eine unkomplizierte Plattform, die es erlaubt, für Test-Szenarien verschiedene Betriebssysteme parallel zu installieren und abwechselnd zu nutzen: Windows 7, Windows 8.1, Windows 10 – mit einem Hack läuft darauf auch Windows 11. Auch Linux fühlt sich darauf zu Hause. Das BIOS-/UEFI-Setup bietet einige schöne Funktions-Goodies für Liebhaber.
Leider wird der Lüfter bei normaler oder stärkerer Last manchmal etwas laut und der Prozessor dann auch laut Analyse-Software heiß. Und es sind schon zwei Keyboard-Tasten abgefallen. Mit nur 4 Gigabyte reicht der Arbeitsspeicher gerade so. Dennoch ist das Gerät für diverse Software-Experimente für mich als Windows-Redakteur und -wissbegierige Person ein ans Herz gewachsener Helfer. Auf ‚zu neuen‘ Notebooks würde kein Windows 7 mehr laufen; dieses Gerät führt dieses System inklusive eines Treibers für Aero Glass problemlos aus.“
Nikon D810
Sven Schulz, Redakteur Hardware bei COMPUTER BILD
„Meine Nikon D810 ist jetzt elf Jahre alt – ein echter Technikmethusalem und groß und schwer. Klar, aktuelle Systemkameras sind technisch längst vorbeigezogen, vor allem der Autofokus ist eine ganze Ecke schneller, noch genauer und viel bequemer geworden.
Doch der 36-Megapixel-Sensor der D810 liefert immer noch tolle Bilder und ich mag immer noch direkt durch den Sucher ins Objektiv gucken, ganz ohne Elektronik dazwischen. Die Spiegelreflex ist jetzt meine Kamera für die etwas anderen Motive, die ich mit mehr Muße und ohne Hektik aufnehme. Und wenn’s dann wieder hektisch wird, greife ich zur Systemkamera.“