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Die neuen Gaming-Smartphones im Überblick

Gaming Smartphone
Gaming auf dem Smartphone wird immer populärer – jetzt reagieren die Hersteller mit speziellen Geräten
Foto: Getty Images

Smartphones haben immer mehr Leistung, sodass mit den mobilen Begleitern mittlerweile Games auf Konsolen-Niveau gespielt werden können. Geht es nach den Herstellern, ist die Zeit reif für echte Gaming-Smartphones. Welche aktuell auf dem Markt sind, verrät TECHBOOK.

Bereits 2011 hat Sony das Xperia Play vorgestellt, ein Hybrid aus Smartphone und der Handheld-Konsole PlayStation Portable (PSP), der ein Flop wurde. Das Xperia Play war seiner Zeit voraus, damals gab es einfach noch keine optimierten Spiele dafür. Heute sieht die Situation anders aus. Es werden immer mehr mobile Spiele herausgebracht, die PC-Qualität haben oder sogar einfach Ports von tatsächlichen PC-Spielen sind, wie etwa „PlayerUnkown’s Battlegrounds“ (PUBG) und Epic Games‘ „Fortnite“. Diese Entwicklung hat einige Smartphone-Hersteller dazu gebracht, Geräte zu bauen, die speziell für Gaming optimiert sind.

Hersteller setzen auf spezielle Gaming-Features

Im Kern gleichen Gaming-Smartphones in ihrer Hardware ganz normalen High-End-Smartphones. Sie haben die gleichen Prozessoren, gleiche Grafikkarten und gleich viel Arbeitsspeicher. Was sie von anderen Geräten unterscheidet, sind also nicht die inneren Werte. Vielmehr haben Gaming-Smartphones Alleinstellungsmerkmale wie Bildschirme mit hoher Wiederholrate, bessere Lautsprecher oder auch für lange Gaming-Sessions optimierte Kühlvorrichtungen, die die Hardware auf einem erträglichen Temperaturniveau halten.

Mit höherer Wiederholrate wird alles auf dem Bildschirm deutlich flüssiger dargestellt. Das machst sich selbst beim Navigieren durch Menüs und Scrollen auf Internetseiten bemerkbar. Für guten Sound haben Gaming-Smartphones Dual-Frontlautsprecher, die zum Teil sogar Dolby Atmos-zertifiziert sind. Als Kühlvorrichtung kommen nicht nur Wärmeleitrohre zum Einsatz, die mittlerweile in vielen Smartphone zu finden sind. Das ROG-Phone von Asus legt noch eine Schippe drauf und liefert das Gerät mit einer Klammer aus, die auf der Rückseite montiert wird und in der ein kleiner Lüfter sitzt.

Auch sind Gaming-Smartphones oft klobiger und größer als herkömmliche High-End-Modelle. Das liegt daran, dass riesige Akkus mit Kapazitäten bis 4000 Milliamperestunden (mAh) verbaut werden, damit den Geräten bei Spielen nicht die Puste ausgeht.

Das müssen Sie beim Kauf einer Gaming-Tastatur beachten

Razer legt vor, Asus zieht nach

Razer Phone

Bereits Ende 2017, bevor überhaupt die mobile Version von „PUBG“ in den Google Play Store kam, hat Razer schon sein erstes Smartphone, das Razer Phone, vorgestellt. Obwohl das Razer Phone sowohl optisch als auch technisch nicht aus der Masse hervorsticht, hat es ein besonderes Merkmal, das Razers „Made for Gamers“-Werbung gerecht wird: Es ist das erste Smartphone mit einem 120-Hertz-Bildschirm. Das bedeutet, dass der Bildschirm 120 mal pro Sekunde das Bild wechseln kann, was für eine butterweiche Darstellung von Spielen aber auch des Betriebssystems selbst sorgt.

Razer Phone Back

Das Razer-Logo auf der Rückseite
Foto: Getty Images

Damit von der hohen Wiederholrate auch Gebrauch gemacht werden kann, muss natürlich auch die Leistung hoch genug sein, um in Spielen hohe Frameraten zu erreichen. Denn eine hohe Wiederholrate allein reicht nicht. Wenn die Spiele nur mit 30 Bildern pro Sekunde, meistens „Frames pro Sekunde“ (FPS) genannt, laufen, wird auch der Bildschirm nur 30 Mal pro Sekunde aktualisiert. Deswegen steckt im Razer Phone ein Qualcomm Snapdragon 835 Prozessor mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher, der genug Leistung bietet, um eine ganze Reihe von Spielen wie zum Beispiel „Hitman Sniper“, „Minecraft Mobile“ und „Real Racing 3“ mit 120 FPS darzustellen. Welche Spiele unterstützt werden, sehen Sie hier.

Razer Phone Front

Auf der Vorderseite des Razer Phones sind die Stereo-Lautsprecher gut zu erkennen
Foto: Getty Images

Asus ROG Phone

Das neue Gaming-Smartphone von Asus im Test

Anders als Razer hat Asus sein ROG Phone von Grund auf für Gaming entwickelt. Das ist nicht nur optisch zu erkennen, mit den markanten geometrischen Formen und der Aura RGB-Beleuchtung auf der Rückseite, sondern macht sich auch am Innenleben bemerkbar. Das ROG Phone benutzt zwar den gleichen Prozessor (Qualcomm Snapdragon 845), der in vielen Flaggschiff-Geräten von 2018, wie z.B. dem Samsung Galaxy S9, zu finden ist. Asus hat jedoch mit Chip-Hersteller Qualcomm ein Abkommen abgeschlossen, das dem Unternehmen erlaubt, an besonders gute Chargen des Snapdragon 845 zu kommen. Die überdurchschnittlich gut hergestellten Chips erlauben eine ca. 100 Megahertz (MHz) höhere Taktfrequenz, wodurch statt 2,8 GHz mehr als 2,9 GHz erreicht werden. Im Zusammenspiel mit 8 GB Arbeitsspeicher überholt das ROG Phone daher jedes andere 2018er High-End-Android-Smartphone.

Asus ROG Phone

So ungefähr wird das ROG Phone aussehen
Foto: Asus

Nun reicht ja die Leistung allein nicht aus, um das ROG Phone zum Gaming-Phone zu machen. Deswegen hat auch Asus einen Bildschirm mit hoher Bildwiederholrate verbaut, allerdings handelt es sich hier „nur“ um ein 90 Hertz-Panel, das sich dem 120-Hertz-Monstrum des Razer Phones geschlagen geben muss. Die Seiten des ROG Phones sind berührungsempfindlich und so konzipiert, dass sie in Spielen als Schultertasten verwendet werden, wenn das Telefon horizontal gehalten wird. Darüber hinaus hat das Smartphone einen propriertären Anschluss auf der linken Seite, an der Zubehör angeschlossen werden kann. Schon mit dem Gerät mitgeliefert wird ein Klammer mit eingebautem Lüfter, der in langen Gaming-Sessions zusätzlich für Kühlung sorgt. Die Klammer wird an der Rückseite angebracht und hat einen USB-C-Anschluss, sodass das Smartphone geladen werden kann, ohne dass ein Ladekabel in die Quere gerät.

Asus ROG Phone

Die Rückseite des ROG Phones mit dem Lüfter-Aufsatz
Foto: Asus

Das ROG Phone soll außerdem mit zahlreichen Docks erweiterbar sein. Asus hat ein Gamepad-Dock mit zusätzlichem Bildschirm angekündigt, sodass das Smartphone in etwa wie ein Nintendo DS funktioniert. Das Dock hat zwei zusätzliche Lautsprecher und physische Schultertasten, sowie eine zusätzliche 6000-mAh-Batterie. Mit dem ebenfalls angekündigten Desktop-Dock wird das ROG Phone zum (fast) vollwertigen PC. Das Dock hat Steckplätze für mehrere USB-Geräte, Bildschirme und sogar Gigabit-LAN. Spiele können dann sogar wie gewohnt mit Controller oder mit Tastatur und Mouse gespielt werden.

Auch für andere Hersteller Gaming immer wichtiger

Asus und Razer sind zwar bisher die einzigen, die spezielle Gaming-Smartphones im Angebot haben, aber auch andere Geräte sind durch ihre hohe Leistung ebenfalls besonders gut für Gaming geeignet. Flaggschiff-Modelle wie das Samsung Galaxy Note 9 und das OnePlus 6 haben aber natürlich nicht die für Gaming optimierten schnellen Bildschirme und keine besondere Kühlvorrichtung. Allerdings hat Samsung bei der Vorstellung des Note 9 immer wieder davon geredet, das Gerät sei für Gaming optimiert und sogar Tim Sweeney, den Chef-Entwickler von Fortnite auf die Bühne geholt, der das Note 9 als bestes Smartphone auf dem Markt gepriesen hat. Auch waren die Galaxy-Geräte die ersten, mit denen „Fortnite“ auf Android gespielt werden konnte.

Auch der mittlerweile zweitgrößte Smartphone-Hersteller Huawei schläft nicht. Erst vor Kurzem hat der chinesische Marktführer das „GPU Turbo“ -Update für Huawei- und Honor-Modelle ausgerollt, mit dem die Leistung in Spielen erheblich erhöht werden soll.

Auch interessant: Warum Smartphone-Spiele für mich keine richtigen Games sind!

Was ist mit Apple?

Apple wird wohl kaum ein eigens für Gaming optimiertes iPhone herausbringen. Muss der Hersteller aber auch gar nicht, denn seine Smartphone sind bereits hervorragend für mobiles Zocken geeignet. Für Spieleentwickler ist es viel einfacher, ein Spiel für das iPhone zu optimieren als für Android. Auch haben iPhones traditionell sehr starke Grafikeinheiten, die anderen Herstellern oft weit voraus sind.

TECHBOOK meint

„Angesichts der rasanten Entwicklung bei der Smartphone-Leistung ist es kein Wunder, dass Hersteller auf den Gaming-Waggon aufspringen. In Zukunft werden wir immer mehr Gaming-orientierte Smartphones sehen, die auf lange Sicht auch tragbaren Spielekonsolen wie der Nintendo Switch Konkurrenz machen.“ – Adrian Mühlroth, Autor

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