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8K, HDR10+, Micro-LED, OLED

TV-Kürzel, auf die Sie beim Kauf achten sollten

TV Kürzel und ihre Bedeutung
Größer, heller, besser – bei TV-Geräten schreitet die Technologie im Stechschritt voran. Als Verbraucher*in kommt man da kaum hinterher.Foto: dpa picture alliance

TV-Hersteller versprechen mit ominösen Kürzeln eine Top-Bildqualität. Stimmt das überhaupt oder ist es nur Marketing-Gedöns? TECHBOOK erklärt, welche Technologie hinter welcher Abkürzung steckt und ob sich diese wirklich lohnt.

Neben Smartphones und Digitalkameras gehören Fernseher zu den dynamischsten Technikzweigen. Im Jahresrhythmus kommen neue Technologien auf den Markt, um den Kunden immer wieder neue Kaufanreize zu bieten. Dabei lieben es die Hersteller, mit coolen, werbefreundlichen Abkürzungen Eindruck zu schinden. Doch was cool klingt, muss nicht unbedingt sinnvoll sein. Im schlimmsten Fall wird konventionelle Technik unter einem neuen, gut klingenden Begriff verkauft.

TECHBOOK klärt auf, welche Logos und Bezeichnungen Sie beim TV-Kauf beachten sollten, und welche Sie getrost ignorieren können.

Full-HD – für kleinere TVs

Eigentlich ist die Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) nicht mehr zeitgemäß – zumindest vermitteln es uns so die TV-Hersteller. Fakt ist: Das Fernsehprogramm der privaten Sender in Deutschland wird nahezu ausschließlich in Full-HD ausgestrahlt. Die öffentlich rechtlichen Sender setzen sogar noch auf den veralteten Standard 720p, also nur HD mit einer Auflösung von 1280 × 720 Pixel. Auch Netflix, Amazon und Youtube bieten den Großteil ihrer Inhalte in Full-HD und nicht in dem höher aufgelösten UHD-Format an.

Zudem reicht diese Auflösung für kleinere Fernseher vollkommen aus, wenn sie nicht gerade einen Meter entfernt sitzen. Als grobe Regel gilt: unter 50-Zoll-Diagonale können Sie immer noch einen Full-HD-Fernseher kaufen – und ein echtes Schnäppchen machen! Ab 50-Zoll und je näher sie am Fernseher sitzen empfehlen wir aber einen Fernseher mit UHD, beziehungsweise 4K-Auflösung. Denn selbst wenn nur Full-HD-Formate geschaut werden, skalieren sie die 4K-Fernseher hoch auf die vierfache Auflösung, wodurch das Bild schärfer wirkt.

4K UHD – für größere TVs

Die Bezeichnung 4K UHD (Ultra High Definition) ist bei aktuellen Fernsehmodellen Standard. Sie beschreibt die Auflösung der Bildschirme. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel und ist exakt vier Mal so hoch wie bei den Full-HD-Fernsehern (1920 x 1080 Pixel). Dadurch sehen Bildinhalte vor allem auf großen Fernsehern ab 50 Zoll richtig scharf aus, auch aus kurzer Distanz. Bei TVs mit weniger als 50 Zoll lohnt sich eine 4K-Auflösung in den meisten Fällen nicht.

Auch Inhalte, die eigentlich eine geringere Auflösung haben, sehen auf einem UHD-Fernseher besser aus. Durch ein sogenanntes „Upscaling“ optimiert der Fernseher die Bildinhalte noch einmal auf die höhere Qualität, indem er die Bilder hochrechnet. Die wirklich besten Bilder bekommt man aber nur mit Inhalten, die wirklich in 4K UHD laufen. Diese gibt es beispielsweise bei Netflix, Amazon Prime Video und auf YouTube.

8K – kann man sich sparen

Die 8K-Auflösung verkaufen uns TV-Hersteller als den nächsten großen Sprung bei der Bildqualität von Fernsehern. Dabei handelt es sich um die vierfache UHD-Auflösung, also um 7680 x 4320 Pixel. Klingt spektakulär, bringt momentan aber meist nur eines: ein leeres Bankkonto. Denn die günstigsten Geräte mit 65-Zoll-Diagonale liegen bei rund 1200 Euro – wenn man ein Schnäppchen macht.

Das größte Problem: 8K-Inhalte sind äußerst rar. Außer ein paar Videos auf YouTube ist die Auswahl noch sehr beschränkt. Die auf 2021 verschobenen Olympischen Spiele in Japan sollen in 8K ausgestrahlt werden – sofern sie denn stattfinden. Ansonsten unterstützt die neue Konsolengeneration – PS5 und Xbox Series X – 8K-Auflösung. Auch einige Smartphones wie das Galaxy S21 können Videos in 8K aufnehmen. Dennoch profitieren auch Inhalte in geringerer Auflösung, da sie auf das 8K-Format hochskaliert werden. Das ergibt allerdings nur Sinn bei wirklich großen Bildschirm-Diagonalen ab etwa 75 Zoll. Hier liegen die Preise bei etwa 3000 Euro. Kann man sich derzeit noch sparen.

HDR und HDR10 – verwirrend

Das Kürzel HDR steht für „High Dynamic Range“. HDR-Videos haben eine größere Helligkeitsreichweite und können kontrastreichere Bilder sowie tiefere Schwarzwerte darstellen. Jeder Fernseher mit dem HDR-Kürzel hat automatisch HDR10 – wobei die 10 für die Bit-Anzahl steht.

Ein herkömmlicher Fernseher mit 8-Bit kann 256 Farbtonvariationen der einzelnen Farben Rot, Gelb und Blau (RGB) darstellen. Mit 10-Bit sind es dann gleich 1024 Abstufungen. Das klingt erst einmal gar nicht so dramatisch. Im Endeffekt kann ein 8-Bit-Panel aber nur 16,7 Millionen Farbtöne darstellen, während es bei einem 10-Bit-Panel ganze 16,7 Milliarden (!) sind.

Das Problem ist, dass viele Hersteller ihrem Fernseher ein HDR-Logo verpassen, obwohl dieser kein richtiges HDR wiedergeben, sondern diese Inhalte nur verarbeiten kann, um sie überhaupt anzeigen zu können. Meist lassen sich diese Geräte an dem Zusatz „HDR Ready“ erkenne. Hier am besten den Verkäufer fragen, ob es sich um ein „echtes“-HDR-Display handelt.

Dolby Vision und HDR10+ – zukunftssicher

Dolby Vision ist ein proprietäres HDR-Format. Wie HDR10 sorgt Dolby Vision für höhere Kontraste und einen größeren Farbumfang. Allerdings auf einem nochmals höheren Niveau. Hier werden sogar 12-Bit-Daten verarbeitet. Bedeutet im Klartext, dass Panels mit Dolby Vision sogar 68,7 Milliarden Farben darstellen können. Ein weiterer Unterschied zu HDR10: Die Dolby-Vision-Metadaten, die in den Filmdateien abgespeichert sind, sind nicht statisch, sondern dynamisch. Das heißt, die Produzenten können für jede Szene und jedes Bild optimale Werte einstellen, während bei HDR10 eine Kompromiss-Einstellung für den ganzen Film vorgenommen wird. Das Problem mit Dolby Vision: Möchten Unternehmen es nutzen, müssen sie Lizenzgebühren an Dolby zahlen. Das macht die TV-Geräte am Ende teurer.

Eine Alternative zu Dolby Vision ist das lizenzfreie HDR10+, das auch dynamisch arbeitet. Bis auf dynamische Metadaten ist der Unterschied zum normalen HDR10 jedoch marginal. HDR10+ bietet weiterhin 10-Bit Farbtiefe und die gleiche maximale Helligkeit.

Ultra HD Premium – garantiert gut

Wer dieses Logo an einem Fernseher sieht, kann sicher sein, dass aktuellste Bildschirm-Technologien verbaut sind für eine hervorragende Wiedergabe.
Foto: UHD AllianceFoto: UHD Alliance

Weil die vielen TV-Standards derart verwirrend geworden sind, wurde das „Ultra HD Premium“-Logo ins Leben gerufen. Dieses garantiert einen UHD-Standard mit HDR10-Wiedergabe. Damit erwirbt man einen Fernseher auf sehr hohem Niveau mit hervorragender Bildqualität. Nur Dolby Vision und der neue HDR10+ Standard können das übertreffen.

SUHD – veralteter Begriff

Als sich der Trend zu sehr hellen und kontrastreichen Displays abzeichnete, hat Samsung den Begriff „SUHD“ erfunden, um seine Topmodelle von den Standard-UHD-Fernsehern abzugrenzen. Diese Displays sind nicht nur besonders hell, sondern bieten auch eine hohe Farbvielfalt. Die Einschränkung gegenüber höherpreisigen Geräten ist nicht etwa die Auflösung, diese liegt weiter bei 4K UHD. Der Unterschied ist, dass es sich bei SUHD-Geräten immer um LCD-Panels und nicht um die teureren OLED-Varianten handelt. Allerdings ist das tatsächlich eine Marketingerfindung – die Samsung jetzt schon durch QLED ersetzt hat.

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QLED – steht für extrem helle Bilder

Samsung ist als TV-Markführer besonders erfindungsreich bei der Vermarktung von Fernsehern und prahlt mit der neuesten QLED-Technik. Doch diesmal hat sich der südkoreanische Hersteller auch mit den chinesischen Unternehmen Hisense und TCL verbündet, um QLED zu etablieren. Und hier handelt es sich um eine Umbenennung von SUHD in QLED, denn auch die neuen QLED-Fernseher arbeiten mit der sogenannten Quantum-Dot-Technologie (Nano-Kristalle sorgen für hohe Helligkeit und Farbvielfalt), die Samsung schon seit zwei Jahren in seinen SUHD-Fernsehern verbaut hat.

Die neuesten QLED-Displays sorgen für eine enorm hohe Helligkeit von über 1500 Nits. Sie überbieten damit deutlich die OLED-Fernseher der Konkurrenz, die hier meistens unter 1000 Nits liegen. Wer speziell in einer hellen Umgebung TV schaut, der profitiert ganz besonders von der starken Leuchtkraft.

Super UHD – LG-Marketingerfindung

Hierbei handelt es sich um einen Marketingbegriff von dem TV-Hersteller LG. Unter der Bezeichnung „Super UHD“ werden Fernseher vermarktet, die sowohl HDR10- und Dolby-Vision-Vorgaben erfüllen, besonders schmal sind und guten Ton haben sollen. Allerdings ist das keine unabhängig zertifizierte, herstellerübergreifende Bezeichnung. Hier entscheidet nur LG, was als „Super UHD“ verkauft wird.

Triluminos – Sonys hohe Farbvielfalt

Auch Sony hat sich einen markanten Namen für seine besonders farbstarken Fernseher einfallen lassen. Ähnlich wie Samsung nutzt Sony hierbei die Quantum-Dot-Technologie, um besonders reine und viele Farben erzeugen zu können. Von dem erweiterten Farbraum profitieren die Bilder deutlich.

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OLED – hervorragende Bildqualität

OLED-Displays bestehen aus organischen Leuchtdioden. Das heißt, jedes Pixel leuchtet von alleine, eine Hintergrundbeleuchtung wie bei LCD-Fernsehern (egal ob SUHD, QLED oder Super UHD) wird nicht benötigt. Das sorgt für konkurrenzlose Kontraste: Ein einzelnes Pixel kann komplett dunkel sein, während ein benachbartes leuchtet. Damit ist die Durchzeichnung in dunklen Szenen besonders gut und tiefstes Schwarz neben helleren Bildinhalten möglich. Zudem können Hersteller unfassbar dünne Displays bauen, da keine Hintergrundbeleuchtung mehr ins Gehäuse eingebaut werden muss.

Allerdings ist diese Technik teuer! Auch die Lebensdauer ist kürzer als bei LCD-TVs. OLED-Displays leuchten zudem nicht so strahlend hell wie etwa Samsungs QLED- oder LGs Super-UHD-Modelle. Wer seinen Fernseher oft in einer hellen Umgebung betreibt, der sollte lieber zu einem der neuen LCD-TVs greifen.

Mini-LED und Micro-LED – die Zukunft von TV?

Bildschirme mit LED-Hintergrundbeleuchtung haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber OLED-Panels. Sie können dank der separaten Beleuchtung deutlich heller sein. Technologien wie lokales Dimming ermöglichen es bereits jetzt, Teile des Bildschirms komplett abzuschalten. Dadurch sind diese Bereiche ähnliche wie bei OLED-Panels komplett schwarz.

Mini-LED

LCD-TVs mit Mini-LEDs zur Ausleuchtung haben sehr viele kleine LED-Dioden, die individuell ab- und angeschaltet werden können. Dadurch entsteht ein deutlich besserer Kontrast zwischen stark beleuchteten Pixeln und unbeleuchteten Pixeln. Der Vorteil: TVs mit Mini-LEDs kosten kaum weniger als Geräte mit herkömmlicher LED-Beleuchtung. Trotzdem kommen sie nah an die exzellenten Kontrast- und Schwarzwerte eines OLED-TVs heran.

Micro-LED

Micro-LEDs gehen noch einen Schritt weiter. Die winzigen Dioden messen gerade einmal 50 Mikrometer im Durchmesser – etwa ein Hundertstel einer normalen LED. In TV-Geräten mit gewöhnlichen Diagonalen und Auflösungen entspricht diese Größe ungefähr einem Pixel. Das bedeutet, dass jeder Pixel seine eigene Hintergrundbeleuchtung hat. LCDs mit Micro-LED-Beleuchtung bieten daher die Vorteile eines OLED-Panels: Tiefes Schwarz und hohen Kontrast. Darüber hinaus können sie durch ihre Bauart jedoch noch leuchtkräftiger sein. Bis zu 5000 Nits können TVs mit Micro-LED-Beleuchtung erreichen – da kann kein OLED-Fernseher mithalten. Außerdem muss man dank LED-Technologie kein OLED-Einbrennen befürchten. Das Ganze hat jedoch seinen Preis. Derzeit kosten TV-Geräte mit Micro-LEDs Zehntausende von Euro. Es wird also noch etwas dauern, bis die Technologie für Verbraucher*innen erschwinglich ist.

Flat und Curved – reine Geschmackssache

Damit Kunden einen neuen Kaufanreiz haben, wurden Displays einfach mal nach innen gebogen. Unter dem Begriff „Curved“ werden also alle gebogenen Fernseher verkauft. Das sieht nicht nur spektakulär aus, sondern soll auch in Verbindung mit einem großen Durchmesser den Zuschauer stärker ins Geschehen ziehen.

Was gut klingt, hat aber auch Nachteile. Speziell, wenn man seitlich sitzt, kehrt sich dieser Effekt ins Negative um. Und an der Wand hängend sieht das auch komisch aus. Dann vielleicht doch lieber zu einem flachen Fernseher (Flat-TV) greifen.

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HDMI-ARC und HDMI-CEC – sinnvolle Verbindung

Auch bei den Verbindungsstandards gibt es Verwirrung. Dabei sind zwei Formate besonders interessant für Nutzer: HDMI-ARC bedeutet, dass ein Fernseher nicht nur Audio-Signale, beispielsweise von einem Blu-ray-Player, empfangen kann, sondern auch ein Audio-Signal ausgeben kann. Das ist heutzutage besonders wichtig, da viele Kunden ihren Fernseher um eine Soundbar ergänzen und dann nur noch ein einzelnes HDMI-Kabel benötigen.

HDMI-CEC ist wiederum wichtig, wenn man mit nur einer Fernbedienung mehrere Geräte steuern will. Diese müssen dann mit dem TV per HDMI-Kabel verbunden sein, wie eine Soundbar, ein Blu-ray-Player oder eine Surround-Anlage. Allerdings sind auch hier die TV-Hersteller erfindungsreich und haben ihre eigenen Bezeichnung für den HDMI-CEC-Standard. Bei Samsung heißt er Anynet+, bei Sony Bravia Sync und bei Philips EasyLink.

Fazit zum Abkürzungswahn

Wenn Sie sich einen Fernseher kaufen möchten, sollte er eine UHD-Auflösung haben – vorausgesetzt die Bildschirmdiagonale liegt bei mindestens 50 Zoll. In Zukunft wird es immer mehr UHD-Sender und -Inhalte geben. Wer hervorragend gute Bilder möchte, der sollte den Aufpreis für Dolby Vision und die HDR10-Technologie einmal genau für sich abwägen.

Wenn Sie das „Ultra HD Premium“-Logo sehen, können Sie auch zugreifen, denn hier haben Sie garantiert einen hohen Bild-Standard, der HDR10+ unterstützt – aber nicht unbedingt Dolby Vision.

SUHD, QLED, Super UHD und Triluminos sind hingegen Marketingbegriffe der TV-Hersteller. Sie markieren die jeweiligen Topmodelle mit neuester Technik, aber entziehen sich damit einer verlässlichen Zertifizierung, wie das zum Beispiel beim Ultra-Premium-Logo oder dem Dolby Vision der Fall ist.

Bei den Verbindungsstandards sollten sie prüfen, ob der gewünschte Fernseher HDMI-ARC und HDMI-CEC unterstützt.

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