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Ist das blaue Licht von Bildschirmen wirklich schlecht für den Schlaf?

Blaues Licht am Abend soll den Schlafrhythmus stören. Stimmt das wirklich? TECHBOOK hat mit Experten gesprochen.
Foto: Getty Images

Fast jedes Gerät hat inzwischen einen Nacht-Modus, der das blaue Licht im Display vom Smartphone, Tablet oder Laptop reduziert. Das soll am Abend für einen besseren Schlaf sorgen – aber stimmt das wirklich und warum ist eigentlich so viel blaues Licht im Bildschirm? TECHBOOK hat mit Experten gesprochen.

Das blaue Licht in den Displays von Smartphones und Tablets hat keinen guten Ruf, es soll uns beim Einschlafen hindern und kann angeblich sogar die Augen schädigen. Stimmt das?

Zunächst einmal: Licht, egal welcher Farbe, beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus und sorgt für die Ausschüttung oder Hemmung von Hormonen. Zuständig dafür ist die Zirbeldrüse. Bei Dunkelheit sorgt sie für die Ausschüttung des Hormons Melatonin, welches Müdigkeit hervorruft. Helligkeit hingegen hemmt diesen Prozess.

Wenn blaues Licht auf unsere Netzhaut trifft, reagieren spezifische Photorezeptoren besonders empfindlich. Diese produzieren das Protein Melanopsin, über welches die Wahrnehmung von Licht an die innere Uhr des Gehirns weitergeleitet wird. Diese liegt über der Sehnervenkreuzung und ist durch Nervenfasern mit der Zirbeldrüse verbunden. Licht mit einem hohen Blauanteil kann die innere Uhr also tatsächlich irritieren. Hinzu kommt, dass es die Netzhaut stark beansprucht. Optiker Michael Kuttler erklärt diesen Effekt gegenüber TECHBOOK folgendermaßen: „Man kann sich die Netzhaut in diesem Fall wie eine Hafenkante vorstellen. Wenn viele, kleine Wellen in kurzen Abständen dagegen schlagen, stellt das eine größere Belastung dar, als wenn es größere, langsame Wellen sind.“

Das Thema ist allerdings noch nicht vollständig erforscht, immer wieder gibt es unterschiedliche Studien, nicht alle Faktoren sind bekannt. Macht es beispielsweise einen Unterschied, auf welcher Entfernung man den Bildschirm betrachtet? Gibt es altersspezifische Auswirkungen? Welche langfristigen Folgen können auftreten?

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Warum ist Blaulicht in der Technik-Welt so verbreitet?

Doch wenn blaues Licht den Schlaf stört – warum nutzen es die Display-Hersteller dann so häufig? Peter Buchholz, Vertriebsingenieur eines Displayherstellers, erklärt gegenüber TECHBOOK: „Derzeit gibt es technisch keine andere Möglichkeit, weiße LEDs herzustellen, als mit blauen Chips.“ Denn zur Abbildung aller Farbtöne ist Blau als Mischfarbe erforderlich, um beispielsweise einen Grün- oder Rotstich zu vermeiden. Auch die Helligkeit spielt eine Rolle, besonders Smartphone-Displays sollen immer möglichst hell wirken – ein Effekt, der sich mit kaltem, bläulichem Licht besser darstellen lässt, weshalb die Hersteller das Bild absichtlich blauer gestalten.

Wie kann ich mich vor dem blauen Licht schützen?

Mittlerweile verfügt deshalb fast jedes Gerät über einen sogenannten Nacht-Modus. Der Bildschirm wird sofort merklich dunkler, die Farben werden wärmer und ein Orangeton stellt sich ein.

Beim iPhone findet man diese Einstellung im Kontrollzentrum, wischen Sie einfach mit dem Finger von unten nach oben auf Ihrem Homescreen, dann können Sie den Night Shift getauften Modus aktivieren.

Beim iPhone kann man zwischen „Night Shift“ und „True Tone“ wählen. Ersteres sorgt für wärmeres Licht, letzteres passt sich der externen Belichtung an.
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Bei Android-Geräten finden Sie diese Funktion oft in den Einstellungen. Bei Samsung-Geräten etwa aktivieren Sie den Filter unter Einstellungen > Anzeige > Blaufilter.

So lässt sich der Blauanteil des Lichtes bei einem Mobiltelefon von Samsung ändern.
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