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Forscher erklärt

Warum das Freizeichen manchmal zur Lauschfalle wird

Person sitzt auf einem hellen Sofa in einem Wohnzimmer und hält ein Smartphone in der rechten Hand. Die Person beugt sich nach vorne und stützt das Kinn auf die linke Hand. Im Hintergrund sind ein Fenster mit Vorhängen und ein Spiegel zu sehen.
Das bekannte Freizeichen bedeutet nicht immer, dass die andere Person noch nichts hören kann Foto: Getty Images
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Charlotte Ziesing

27. August 2026, 14:55 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Viele Menschen denken, ein Telefonat beginne erst, sobald die angerufene Person auf „Annehmen“ tippt. So wird mitunter über den Kundenservice geschimpft, während man auf eine Hotline wartet, oder sogar über den Partner eines Freundes gelästert, während man ihn anruft. Tatsächlich berichten Forscher jetzt, dass die Audioverbindung bereits vor dem Abnehmen des Hörers aufgebaut werden kann.

Angerufene könnten schon früher mithören

Laut einem Bericht des österreichischen Nachrichten-Portals „ORF“ kann es vorkommen, dass die angerufene Person bereits mehrere Sekunden vor der eigentlichen Gesprächsannahme hört, was am anderen Ende gesagt wird. Der Anrufer geht in diesem Moment meist davon aus, dass die Verbindung noch nicht hergestellt wurde, da weiterhin das bekannte Tuten zu hören ist.

Nach Angaben des ORF sind dabei Zeiträume von bis zu drei Sekunden möglich. Das bedeutet zwar nicht, dass jedes Telefonat betroffen ist. Betont wird jedoch, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um einen Effekt, der grundsätzlich in allen Mobilfunknetzen auftreten kann.

Für Anrufer ist das potenziell problematisch, weil sie sich in dieser Phase oft noch unbeobachtet fühlen. Viele Menschen sprechen während des Freizeichens mit anderen Personen im Raum, geben zusätzliche Informationen weiter oder kommentieren die Situation.

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Warum das Freizeichen täuschen kann

Der ORF befragte zur Ursache Gernot Kubin vom Institut für Signal- und Sprachverarbeitung an der TU Graz. Laut Kubin ist demnach die Art und Weise, wie Mobilfunknetze Informationen übertragen, für diesen Effekt verantwortlich. Sprachdaten und Informationen zum Verbindungsaufbau werden also über unterschiedliche Übertragungswege abgewickelt. Dadurch können zeitliche Verschiebungen entstehen. „Dann ist damit zu rechnen, dass vielleicht eine Systemkomponente schon früher umschaltet und daher das Mikrofon offen ist“, erklärt Kubin.

In solchen Fällen kann die Sprachübertragung bereits starten, obwohl das Freizeichen noch läuft. Der Anrufer hat dadurch den Eindruck, der Angerufene könne noch nichts hören, während die Verbindung tatsächlich bereits teilweise aktiv ist.

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Die getrennte Übertragung von Verbindungs- und Sprachdaten erfüllt dabei noch einen weiteren Zweck. Über diese Technik werden unter anderem Freizeichen, Warteschleifen oder automatische Ansagen wie „Der Teilnehmer ist momentan nicht erreichbar“ übertragen. So erhalten Anrufer bereits während des Verbindungsaufbaus Rückmeldungen zum Status ihres Calls.

Besondere Vorsicht bei Hotlines

Besonders aufmerksam sollen Verbraucher außerdem bei Callcentern oder Service-Hotlines sein. Laut dem Online-Magazin „Chip“ können hier Mikrofone aktiv vor dem eigentlichen Gesprächsbeginn aktiviert werden. Auf diese Weise könnten bereits vor dem eigentlichen Gespräch Informationen über Anrufer erfasst werden.

Die Lösung ist laut Kubin recht simpel: einfach bis zum Gesprächsbeginn schweigen. „Wäre durchaus eine Empfehlung, wenn man sozusagen Peinlichkeiten vermeiden möchte.“

Gleichzeitig ist nicht bekannt, wie häufig solche Situationen tatsächlich auftreten oder unter welchen konkreten Bedingungen sie besonders wahrscheinlich sind.

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