28. Juni 2026, 16:37 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Manchmal ist die Verbindung schlecht und man kann den Anrufer zunächst nicht hören. Doch wenn das Telefon klingelt und es an der anderen Leitung still bleibt, kann auch ein sogenannter Silent Call dahinterstecken. Solche lautlosen Anrufe entstehen häufig durch automatisierte Anrufsysteme – und in manchen Fällen auch im Sinne geplanter Betrugsversuche. Was Du über das Thema wissen solltest, bei TECHBOOK.
Eine häufige Erklärung für Silent Calls sind Telefonie-Dialer, wie sie häufig in Callcentern eingesetzt werden. Näheres dazu erklärt die Bundesnetzagentur. In diesem Kontext soll die Software Arbeitsabläufe effizienter gestalten: Sie wählt Telefonnummern automatisch aus einer Kontaktliste an, sodass Mitarbeiter nicht jede Nummer selbst wählen oder auf ein Freizeichen warten müssen.
Einige dieser Systeme, sogenannte Predictive Dialer, wählen sogar mehrere Rufnummern gleichzeitig an. Nehmen nun mehr Personen den Anruf entgegen, als freie Mitarbeiter verfügbar sind, kann es passieren, dass sich am anderen Ende zunächst niemand meldet. Ein solcher lautloser Anruf wird als Silent Call beziehungsweise Lost Call bezeichnet. Dieser Fall ist zwar ärgerlich, aber grundsätzlich harmlos.
Kommt es jedoch wiederholt zu solchen Anrufen oder erfolgen sie zu „unzumutbaren“ Zeiten, wie die Bundesnetzagentur es nennt – etwa vor 8 Uhr, nach 20 Uhr oder an Sonn- und Feiertagen –, kann dies nach Einschätzung der Behörde eine Belästigung darstellen. Und dann kann sie Maßnahmen wegen rechtswidriger Nummernnutzung einleiten.
Wann von Silent Calls Gefahren ausgehen
Doch nicht nur Callcenter haben einen praktischen Nutzen automatisierter Anrufsysteme erkannt. Entsprechende Software wird zunehmend genutzt, um im großen Umfang zu prüfen, ob eine Telefonnummer aktiv ist. Sie soll auch dabei helfen, zu ermitteln, zu welchen Zeiten unter der angerufenen Nummer eine Person erreichbar ist, bzw. ob sich gegebenenfalls nur eine Mailbox einschaltet.
Die gesammelten Informationen können später für Werbeanrufe genutzt werden, oder schlimmer noch: für Betrugsversuche. Die verifizierten Telefonnummern können zudem in entsprechenden Netzwerken gehandelt werden. Häufig dienen sie als Grundlage für gezielte Phishing-Anrufe in unterschiedlichen Varianten. Ziel solcher Kontaktaufnahmen ist es in der Regel, an persönliche Daten (Passwörter, Zahlungsinformationen) oder direkt an Geld zu gelangen.
Wie man sich schützen kann
Heutzutage sind die meisten von uns dafür sensibilisiert, bei Anrufen von unbekannten Telefonnummern – vor allem aus dem Ausland – nicht ranzugehen und auch nicht zurückzurufen. Dies ist auch bei Silent Calls die effektivste Schutzmaßnahme.
Das Tückische ist nämlich: Bei solchen automatisierten Anrufsystemen kann bereits ein kurzer Verbindungsaufbau genügen, um die Telefonnummer als aktiv zu bestätigen. Darauf weist unter anderem die Cybersicherheitsfirma Bitdefender hin. Es muss dafür nicht mal ein Gespräch zustande kommen.
Das unterscheidet sie von Betrugsversuchen, bei denen Kriminelle die Angerufenen möglichst lange in der Leitung halten wollen. Dadurch beabsichtigen sie, persönliche Informationen zu erlangen oder, wie vereinzelt berichtet wird, Sprachaufnahmen zu generieren, um diese für KI-gestützte Stimmimitationen einzusetzen. Eine dringende Empfehlung lautet daher, nicht zu sprechen und vor allem nicht „ja“ zu sagen. Mehr Informationen hier.
Wie die Bundesnetzagentur weiter erklärt, bieten einige Netzbetreiber ihren Kunden die Möglichkeit, einzelne Rufnummern oder sogar ganze Rufnummernblöcke zu sperren. Betroffene können sich hierzu direkt an ihren Telefonanbieter wenden und die verfügbaren Sperrfunktionen erfragen.