19. Mai 2026, 16:45 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Fast unbemerkt verschwindet in wenigen Wochen ein Dienst, der die Handykommunikation über Jahre geprägt hat. Telekom und 1&1 ziehen zum 30. Juni 2026 endgültig den Stecker bei der MMS. Was einst als technischer Fortschritt galt, wird heute kaum noch genutzt – und doch markiert das Aus das Ende eines wichtigen Kapitels der mobilen Kommunikation.
Anfang der 2000er-Jahre brachte die MMS Bilder und kurze Videos aufs Handy und ergänzte damit die rein textbasierte SMS. Doch anders als die SMS wurde die MMS nie zum Massenphänomen – vor allem wegen der hohen Kosten.
MMS war nie wirklich erfolgreich
Die Abkürzung MMS steht für Multimedia Messaging Service. In Deutschland startete Vodafone den Dienst im April 2002, kurz darauf folgte T-Mobile, die heutige Telekom. 1&1 bot den Dienst später ebenfalls an. Doch Vodafone hat den Dienst nicht nur als erster Netzbetreiber in Deutschland eingeführt, sondern sich auch als erster von ihm verabschiedet. Bereits im Januar 2023 kündigte Vodafone das Ende der MMS an. Nun, rund dreieinhalb Jahre später, folgen die Telekom und 1&1 mit diesem Schritt. Beide Anbieter haben angekündigt, die MMS zum 30. Juni 2026 einzustellen.
Die maximale Dateigröße einer MMS lag meist bei rund 300 KB. Während SMS nur Textnachrichten ermöglichten, galt MMS damals als technischer Fortschritt. Trotz des innovativen Ansatzes blieb die MMS aber stets ein Nischenprodukt. Für eine einzelne Nachricht verlangten Mobilfunkanbieter meist 39 Cent. Nutzer griffen deshalb lieber auf SMS, E-Mails oder später Messenger-Dienste wie WhatsApp zurück. Im Rekordjahr 2012 wurden laut Vodafone rund 13 Millionen MMS verschickt. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden etwa 1,5 Milliarden SMS versendet.
Vodafone schafft alten Dienst endgültig ab
Apple weitet verschlüsselte Chats auf Android aus
Messenger machten den Dienst überflüssig
Mit dem Aufstieg internetbasierter Messenger verlor die MMS weiter an Bedeutung. Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram ermöglichten den kostenlosen Versand von Fotos, Videos und Sprachnachrichten über mobile Daten oder WLAN. Gleichzeitig gingen auch klassische SMS stark zurück. Laut Bundesnetzagentur wurden 2024 nur noch 5,2 Milliarden Kurznachrichten verschickt, nachdem es 2012 noch knapp 60 Milliarden gewesen waren.
Nach dem 30. Juni 2026 können Kunden über die Netze von Telekom und 1&1 keine MMS mehr senden oder empfangen. SMS bleiben jedoch weiterhin verfügbar. Beim Versuch, Bilder per MMS zu verschicken, dürfte künftig eine Fehlermeldung erscheinen. O2 erklärte indes, den Versand und Empfang noch bis zum Stichtag sicherzustellen und über die weitere Ausgestaltung später zu informieren.
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RCS soll SMS und MMS ersetzen
Als Nachfolger von SMS und MMS gilt inzwischen der Standard RCS, kurz für Rich Communication Services. Der Dienst ermöglicht den Versand von Texten, Bildern, Videos, Dokumenten und Sprachnachrichten über mobile Daten. Auch Gruppen-Chats und formatierte Nachrichten werden unterstützt.
RCS funktioniert über die Standard-Nachrichten-App moderner Smartphones. Der Dienst verursacht keine zusätzlichen Kosten für den Versand einer Nachricht abseits von denen, die eventuell für mobile Daten oder die WLAN-Nutzung anfallen. Android-Nutzer können den Dienst etwa über Google Messages verwenden. Auf iPhones wird RCS inzwischen ebenfalls über die Nachrichten-App unterstützt.
Zudem wird die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung weiter ausgebaut. 1&1 erklärte, bereits den Beta-Betrieb verschlüsselter RCS-Nachrichten auf aktuellen iPhones zu unterstützen. Moderne Smartphones sollen damit künftig sicherere und leistungsfähigere Kommunikationsmöglichkeiten bieten als die veraltete MMS-Technik.