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Analoge Telefonie

Festnetz-Aus in Finnland! Droht Deutschland jetzt das Gleiche?

Finnland macht Schluss mit dem alten Telefonnetz
Finnland macht Schluss mit dem alten Telefonnetz Foto: Getty Images
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Rita Deutschbein, Redaktionsleiterin TECHBOOK
Redaktionsleiterin

3. Juli 2026, 16:06 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Finnland beendet im Juli 2026 ein Stück Telekommunikationsgeschichte. Dann werden die letzten verbliebenen analogen Festnetzanschlüsse des Landes außer Betrieb genommen. Für viele Verbraucher stellt sich deshalb die Frage: Steht Deutschland vor einem ähnlichen Schritt?

Die kurze Antwort lautet: Ja – allerdings betrifft das hierzulande vor allem die verbliebenen Kupferleitungen. Die technische Umstellung auf digitale IP-Telefonie wurde in Deutschland bereits vor Jahren abgeschlossen.

Finnland verabschiedet sich von der analogen Festnetztelefonie

Mit der Abschaltung der letzten analogen Anschlüsse endet in Finnland ein Kapitel der Telekommunikationsgeschichte. Möglich wurde dieser Schritt vor allem durch den weit fortgeschrittenen Ausbau moderner Glasfasernetze und die Umstellung auf digitale IP-Technik.

Die klassische analoge Telefonie prägte über Jahrzehnte die Kommunikation in privaten Haushalten und Unternehmen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Mobilfunks sowie internetbasierter Kommunikationsdienste verlor die traditionelle Technik jedoch kontinuierlich an Bedeutung.

Auch wenn Festnetzanschlüsse weiterhin genutzt werden, erfolgt die Sprachübertragung heute in den meisten Fällen längst digital über das Internet-Protokoll (IP).

Deutschland hat die Analog-Abschaltung bereits hinter sich

Wer die Meldung aus Finnland liest, könnte vermuten, Deutschland stehe vor einem ähnlichen Umbruch. Tatsächlich wurde die entscheidende technische Umstellung hierzulande bereits vor Jahren abgeschlossen.

Die großen Telekommunikationsanbieter haben ihre klassischen Analog- und ISDN-Anschlüsse schrittweise auf sogenannte All-IP-Anschlüsse umgestellt. Telefongespräche werden seitdem nicht mehr über das frühere leitungsvermittelte Telefonnetz transportiert, sondern als Datenpakete über das Internet-Protokoll (VoIP). Die Bundesnetzagentur bezeichnet diesen Prozess als „IP-Migration“.

Für die meisten Nutzer verlief die Umstellung nahezu unbemerkt. Das Telefon bleibt am gewohnten Platz, die Rufnummer ändert sich nicht und Gespräche funktionieren wie gewohnt. Im Hintergrund arbeitet die Technik jedoch bereits vollständig digital.

Wichtig ist dabei: Ein Festnetzanschluss bedeutet heute nicht mehr automatisch analoge Telefonie. Auch moderne IP-Anschlüsse gelten weiterhin als Festnetz, weil sie an eine ortsgebundene Rufnummer gebunden sind.

Warum es trotzdem noch Kupferleitungen gibt

Dass in vielen Haushalten weiterhin eine klassische Telefondose vorhanden ist, bedeutet nicht, dass dort noch analog telefoniert wird. In zahlreichen Regionen Deutschlands erfolgt der Internetzugang weiterhin über DSL-Anschlüsse. Diese nutzen zwar die bestehenden Kupferleitungen als physische Infrastruktur, übertragen Sprache und Daten jedoch vollständig digital. Das Kupferkabel dient vielerorts lediglich noch als Übertragungsmedium.

Der eigentliche Wandel der kommenden Jahre betrifft deshalb weniger die Telefonie als vielmehr die Infrastruktur, über die sie übertragen wird.

Auch interessant: Was hinter Silent Calls steckt und welche Gefahren drohen

Der nächste große Schritt: Glasfaser ersetzt Kupfer

Bundesregierung, Netzbetreiber und Bundesnetzagentur verfolgen das Ziel, die bestehenden Kupfernetze langfristig durch Glasfaseranschlüsse zu ersetzen. Glasfaser ermöglicht deutlich höhere Bandbreiten, ist weniger störanfällig und gilt langfristig als effizienter und wartungsärmer als alternde Kupfernetze.

Anders als in Finnland gibt es in Deutschland jedoch keinen bundesweiten Termin für die Abschaltung der Kupfernetze. Stattdessen erfolgt der Rückbau schrittweise und regional – abhängig davon, wo Glasfaser bereits verfügbar ist und die Bundesnetzagentur einer Abschaltung zustimmt.

Dabei können Netzbetreiber Kupferleitungen nicht eigenständig außer Betrieb nehmen. Voraussetzung ist jeweils die Genehmigung durch die Bundesnetzagentur. Diese prüft unter anderem, ob den betroffenen Haushalten eine gleichwertige oder bessere Alternative – in der Regel ein Glasfaseranschluss – zur Verfügung steht und ob der Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt weiterhin gewährleistet bleibt.

Für Verbraucher bedeutet das: DSL-Anschlüsse werden vielerorts noch einige Jahre bestehen bleiben. Erst wenn in einer Region leistungsfähige Alternativen verfügbar sind, können die dortigen Kupferleitungen schrittweise abgeschaltet werden. In den meisten Fällen wird dann ein Wechsel auf einen Glasfaseranschluss erforderlich. Die bisherige Festnetznummer kann dabei in der Regel durch eine Rufnummernmitnahme weiter genutzt werden.

Diese europäischen Länder sind bereits weiter

Finnland gehört nicht zu den ersten Staaten, die ihre klassische Telefontechnik modernisiert haben. Mehrere europäische Länder haben die Umstellung auf IP-Telefonie bereits abgeschlossen oder sind beim Rückbau alter Netze deutlich weiter.

Zu den Vorreitern zählen unter anderem:

  • Schweden, das sein klassisches leitungsvermitteltes Telefonnetz (PSTN) bereits vor vielen Jahren weitgehend außer Betrieb genommen hat.
  • Niederlande, wo der Netzbetreiber KPN sein klassisches PSTN-Netz bereits 2018 vollständig auf IP-Technik umgestellt hat.
  • Norwegen, das den Betrieb seines klassischen PSTN-Netzes 2022 eingestellt hat.
  • Schweiz, in der die klassische leitungsvermittelte Telefonie ebenfalls weitgehend durch IP-Technologie ersetzt wurde.

Deutschland hat zwar die Migration von Analog- und ISDN-Anschlüssen auf All-IP-Technik bereits abgeschlossen. Beim Glasfaserausbau und dem Rückbau der Kupfernetze verläuft die Entwicklung jedoch langsamer als in einigen nordischen Ländern sowie in Staaten wie Spanien oder Portugal.

Beim Ausbau von Glasfaser und dem Rückbau der Kupfernetze zählen insbesondere Portugal, Spanien, Schweden, Finnland und Norwegen zu den europäischen Vorreitern.

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Was bedeutet das für Verbraucher?

Für die meisten Haushalte ergeben sich derzeit keine unmittelbaren Änderungen. Wer einen DSL-, Kabel- oder Glasfaseranschluss besitzt und über seinen Router telefoniert, nutzt technisch bereits moderne IP-Telefonie. Eine Abschaltung analoger Festnetztechnik hätte für diese Anschlüsse keine Auswirkungen mehr.

Erst wenn Netzbetreiber in einzelnen Regionen ihre Kupfernetze zurückbauen, kann ein Wechsel auf einen Glasfaseranschluss erforderlich werden. Die bestehende Festnetznummer lässt sich dabei in der Regel übernehmen.

Ein wichtiger Unterschied zu früher bleibt allerdings bestehen: Moderne Telefonanschlüsse sind von der Stromversorgung im Haushalt abhängig. Fällt der Strom aus, funktionieren Router und damit häufig auch Festnetztelefon und Internet nicht mehr – anders als bei vielen früheren analogen Telefonanschlüssen, die ihre Versorgung direkt aus dem Telefonnetz erhielten.

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Fazit

Finnlands Schritt markiert vor allem das Ende der letzten analogen Festnetzanschlüsse. Die technische Umstellung auf digitale IP-Telefonie hat Deutschland bereits vor Jahren abgeschlossen.

Die nächste große Herausforderung ist daher nicht mehr der Wechsel von analog zu digital, sondern der schrittweise Ersatz der verbliebenen Kupfernetze durch Glasfaser. Während Finnland die letzten analogen Anschlüsse außer Betrieb nimmt, steht Deutschland vor der nächsten Etappe der Modernisierung seiner Netzinfrastruktur.

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