19. September 2025, 16:39 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
2019 hat Amazon Projekt „Kuiper“ mit dem Ziel angekündigt, ein eigenes Satelliten-Internetnetzwerk aufzubauen. Zunächst in den USA verfügbar, kommt das Internet-Angebot des Online-Händlers ab 2026 auch nach Deutschland.
Amazon ist mittlerweile mehr als nur ein Online-Shop. Das Unternehmen hat in seiner Geschichte Geräte wie Smartphones, Tablets, smarte Lautsprecher und Fernseher hergestellt, bietet diverse Streaming-Dienste an und betreibt ein profitables Cloud-Speicher-Geschäft. Vor gut sechs Jahren folgte der Schritt in das Internet-Geschäft. Nachdem die US-amerikanische Regulierungsbehörde FCC im Juli 2020 die Genehmigung für den Betrieb von Kuiper erteilte, begann die konkrete Umsetzung.
Ein wichtiger Meilenstein war der Start der ersten beiden Prototyp-Satelliten im Oktober 2023, die grundlegende Technologien und Abläufe im Orbit erproben sollten. Der eigentliche operative Beginn erfolgte schließlich am 28. April 2025, als die ersten 27 Produktionssatelliten erfolgreich ins All gebracht wurden – damit startete die großangelegte Ausrollung der Kuiper-Konstellation.
Amazon will Kuiper 2026 nach Deutschland bringen
Mit dem Start des Angebots ab 2026 auch hierzulande gehört Deutschland zu den fünf ersten Ländern weltweit, in denen der Dienst eingeführt wird – neben den USA, Kanada, Frankreich und Großbritannien. Mit Project Kuiper tritt Amazon in direkte Konkurrenz zu Elon Musks Starlink. Ziel ist es, abgelegene Regionen mit schnellem Internet zu versorgen.
Dafür möchte Amazon laut einem Report von „Bloomberg“ bis Ende 2025 mehr als 200 Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen. Langfristig soll die Flotte auf über 3200 Satelliten anwachsen und bis 2028 eine globale Abdeckung in insgesamt 88 bis 100 Staaten ermöglichen. Auch der Äquator sowie die Pole sollen dann erreicht sein.
Bereits jetzt hat Amazon mehr als 100 Satelliten ins All gebracht, ein Teil davon mit Raketen des Konkurrenten SpaceX, der mit Starlink bereits am Markt ist. Für den weiteren Ausbau sind noch mindestens vier Starts geplant, darunter auch mit der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6.
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Internetanschlüsse mit bis zu 400 Mbit/s
In ersten Tests erreichte das Kuiper-System theoretische Übertragungsraten zwischen 1 und 1,2 Gigabit pro Sekunde im Download und bis zu 400 Mbit/s im Upload. Im praktischen Einsatz sollen für Endkunden stabile 400 Mbit/s im Download möglich sein – vergleichbar mit den Leistungen von Starlink.
Amazon nimmt dabei besonders Regionen ohne Breitbandanschluss in den Fokus, in denen Glasfaser oder Mobilfunk bislang nicht verfügbar sind. Die technische Stabilität ist dabei entscheidend, denn gerade Starlink war in der Vergangenheit wiederholt von Ausfällen betroffen.
Zu den Preisen hat Amazon noch keine Angaben gemacht. Branchenbeobachter gehen jedoch davon aus, dass der Konzern mit Kampfpreisen in den Markt einsteigen wird. Möglicherweise wird das Angebot günstiger als Starlink, das derzeit Tarife ab 29 Euro monatlich anbietet. Die Investitionssumme für das gesamte Kuiper-Projekt soll sich auf rund 10 Milliarden US-Dollar belaufen.
Konkurrenz für Starlink mit Cloud-Potenzial
Zwar ist Starlink aktuell führend auf dem Markt für Satelliteninternet, doch Amazon will mit Kuiper aufholen und setzt auch auf Synergieeffekte mit dem eigenen Cloudgeschäft. So könnte Kuiper nicht nur Privatkunden, sondern auch Unternehmen und staatliche Einrichtungen versorgen. Ein erstes Abkommen wurde bereits mit einer Fluggesellschaft geschlossen: JetBlue plant, ab 2027 Internet über Kuiper-Satelliten für Fluggäste anzubieten.