Technik im Sport

Warum tragen Fußballer einen BH?

Bei einem Freundschaftsspiel des FC Bayern blitzte der BH von Frank Ribéry hervor
Bei einem Freundschaftsspiel des FC Bayern blitzte der BH von Franck Ribéry hervor
Foto: Getty Images

Männer mit BH – das wird auf dem Fußballplatz immer mehr zur Normalität. Egal ob BVB-Mittelfeld-Ass Marco Reus, Zlatan Ibrahimovic oder Bayern-Flügelflitzer Franck Ribéry – viele Fußball-Stars tragen unter ihrem Trikot ein Bustier. Aber warum eigentlich?

Die sogenannten GPS-BHs werden mittlerweile von vielen Profiklubs während der Trainingseinheiten oder bei Testspielen genutzt. „Sie zeichnen Bewegungen auf dem Spielfeld auf und speichern die physischen Daten dazu“, erklärt Sportmediziner Prof. Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln auf TECHBOOK-Anfrage. „Wohin bewegt sich der Spieler, wie schnell ist er? Wie ist seine Herzfrequenz? Wann lässt seine Laufbereitschaft nach?“ Zudem könne auch ausgewertet werden, wie die Spieler sich taktisch untereinander verhielten, „und welche Kräfte, z. B. in einem Zweikampf, auf sie wirken“, so Froböse weiter.

Der Neopren-BH mit integriertem GPS besteht aus einem Oberkörper-Gurt und einer kleinen Tasche im Nacken, in der der sogenannte Monitor steckt. Dieser Speicherchip zeichnet die Daten der Profis auf, die entweder live am Spielfeldrand auf einem Computer angesehen oder später ausgewertet werden. Im Dockingstation-Koffer werden nach dem Einsatz alle Monitore geladen und sämtliche Daten gespeichert.

Daten sollen bei der Trainingsoptimierung helfen

Mithilfe der GPS-BH kann das Trainerteam Schwachstellen bei Spielern erkennen, die Intensität des Trainings individuell anpassen und so letztlich auch Verletzungen vorbeugen. Froböse warnt aber davor, die Daten als zentrales Element anzusehen: „Fußball sollte immer ein Spiel bleiben. Im Training ist der Einsatz der BHs sinnvoll. Defizite können so schnell erkannt und die Intensität der Einheiten optimiert werden. Auch die langfristige Entwicklung des Spielers ist mithilfe der BHs gut zu überprüfen.“ Die große Kunst sei aber, die Daten richtig zu analysieren.

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Die BHs sollen bis zu 60 Parameter pro Spieler aufzeichnen können. Und nicht nur im aktiven Zustand liefern sie wertvolle Informationen. So können sie beispielsweise auch zur Überprüfung der Schlafqualität eingesetzt werden. Schließlich ist optimale Regeneration aufgrund der hohen Belastung während der Saison ein relevanter Faktor für die allgemeine Fitness.

Es gibt verschiedene Systeme und Anbieter der GPS-BHs. Top-Klubs wie Bayern München, Real Madrid, Barcelona oder Juventus Turin nutzen beispielsweise die Modelle der US-Firma GPSports. Das System kostet die Klubs rund 50.000 Euro.

Prof. Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln

Prof. Dr. Ingo Froböse: „Werden die BHs im Spiel genutzt, dann ist das vergleichbar mit Börsendaten. Die kann man auch lange studieren, trotzdem kann man den Verlauf nicht komplett vorhersagen.“ Foto: Monika Sandel

Trainer haben immer mehr Daten und Analysen zur Verfügung. Spiele und Übungseinheiten werden ständig gefilmt. Die Betreuerstäbe wachsen ständig, immer mehr Experten kümmern sich um die Profis. Der gläserne Spieler wird so immer mehr zur Realität. Froböse zu TECHBOOK: „Das wird als zu wichtig angesehen. Es ist absurd, wie Spielauswertungen mittlerweile ablaufen. Vieles hat mit der Qualität der Spieler nichts mehr zu tun. Man versteckt sich hinter der Wissenschaft. Und die individuelle Qualität der einzelnen Spieler rückt damit in den Hintergrund. Wenn man es ganz einfach sehen will: Am Ende zählt doch nur der Blick auf die Tabelle – die entscheidet, ob jemand erfolgreich ist oder nicht.“

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„Fans wollen kein mathematisches Spiel“

Derzeit wird diskutiert, ob die BHs zukünftig auch in Pflichtspielen eingesetzt werden dürfen. Froböse: „Ich sehe das kritisch. Der BH erfasst lediglich Daten und errechnet Dinge. Für den Sport und die Leistung ist das nicht von Vorteil, wenn auf Grundlage von Mathematik Entscheidungen gefällt werden.“ Im Sport sei Vieles Zufall, und das werde auch so bleiben.

„Fans wollen kein mathematisches Spiel, das würde die Emotionalität rausnehmen“, glaubt Froböse. „Die Individualität geht verloren. Es interessiert nicht mehr, wie sich der Spieler fühlt, welche individuelle Fähigkeiten er hat. Man muss immer sehen: Es hat nur derjenige Erfolg, der Tore schießt.“ Bayern sei vergangene Saison nicht am meisten gelaufen. Das seien vor allem die Teams gewesen, die unten drin stehen. „Das spielerische Vermögen ist viel wichtiger als die Daten alleine“, Froböse zu TECHBOOK. „Ein guter Trainer sieht einfach, ob ein Spieler ausgewechselt werden muss oder nicht.“

Wie zeichnet der BH die Daten auf?

Die Spieler werden anhand von GPS-Sendern, die sich im Weltall befinden, geortet. Diese übermitteln mittels Radiostrahlen in regelmäßigen Abständen ihre aktuelle Position und die Zeit zur Erde. Alle GPS-Sender am Boden können so ihre eigene Position errechnen. Dafür muss das GPS-Gerät zu mindestens vier GPS-Satelliten Kontakt haben. Viele Geräte, wie Navigationssysteme, Smartphones oder auch Tablets, sind heutzutage mit GPS ausgestattet.