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ESA 1919 bei Lidl, A.T.U., Edeka

Diesen E-Scooter vom Discounter lieber nicht kaufen!

E-Scooter an Geländer in Madrid
Die Auswahl der Escooter ist noch sehr eingeschränkt. Kunden sollte jedoch um einige Angebote einen Bogen machenFoto: Getty Images

Viele Verkäufer bieten den Escooter ESA 1919 zu oft sehr günstigen Preisen an. Doch das Gerät hat ein paar eklatante Mängel, weshalb TECHBOOK vom Kauf abrät.

Wer darauf gehofft hat, dass nach der Zulassung von E-Scootern in Deutschland Mitte vergangenen Jahres eine Flut von Elektrokleinstfahrzeugen auf den deutschen Markt kommt, muss bislang enttäuscht werden. Die Auswahl an verfügbaren Geräten ist nach wie vor gering und die Preise oft zu hoch. Ein Modell wie der ESA 1919, der sowohl unter dem Label „Doc Green“ als auch „Explorer“ für wenig Geld und mit überzeugenden Spezifikationen verkauft wird, erregt daher Aufmerksamkeit.

Das Datenblatt liest sich gut

Beide Versionen des ESA 1919 basieren auf Komponenten vom dem im Ausland beliebten Xiaomi Mi M365, der in Deutschland keine Zulassung hat. Der ESA 1919 hingegen ist nach Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) zugelassen und wird von einem stärkeren 350-Watt-Motor angetrieben. Die Geschwindigkeit ist gemäß der eKFV auf 20 Kilometer pro Stunde gedrosselt. Laut Hersteller soll die Reichweite bis zu 22 Kilometer betragen. Der 259 Wattstunden große Akku ist in etwa sieben Stunden wieder voll aufgeladen. Die Räder sind 8,5 Zoll groß und pannensicher. Gebremst wird vorne mit einer elektrischen Bremse, die per Daumenhebel aktiviert wird, und hinten mit einer Scheibenbremse. Klingel und LED-Beleuchtung sind ebenfalls ab Werk vormontiert.

Die Lenkstange lässt sich für den Transport einklappen, auch wenn der Roller mit 15 Kilogramm nicht unbedingt ein Leichtgewicht ist. Bis zu 100 Kilogramm Belastung soll das Fahrzeug laut Herstellerangabe aushalten können. Das kleine LED-Display zeigt Geschwindigkeit und Akkustand an, eine Bluetooth-Funktion zum Verbinden mit dem Smartphone gibt es nicht.

Auf dem Papier klingt das alles ganz in Ordnung. Auch der Preis ist mit 349 Euro niedrig, zudem gibt es häufig Aktionen, bei denen der Roller für 299 Euro oder manchmal sogar 249 Euro verkauft wird.

Das sagen die Käufer

Viele der negativen Bewertungen bemängeln vor allem die zwei Bremsen des Rollers, die wohl zu stark und kaum dosierbar seien:

„Die Bremsen sind viel zu stark eingestellt. In der Beschreibung steht nichts zu diesen Thema. Es ist Lebensgefährlich diese zu benutzen. Laut Kundencenter wollte man mir per email helfen. Bis jetzt ist nichts passiert.“

„die Handbremse rechts betätigt offensichtlich nicht nur die Hinterradbremse, sondern auch auf die Vorderradbremse! Und das SEHR apruppt [sic]! Dosiertes Bremsen ist kaum möglich! […] VOLL BREMSEN oder GAR NICHT!“

„Bremse sind zu empfindlich deswegen 1 Punkt minus“

„Einzig die beiden Bremsen (vorn u. hinten) sind mit großer Vorsicht zu genießen, sind sehr schwer zu dosieren, greifen zu bissig.“

„Brakes lock up the wheels. Back brake is particularly dangerous, since it seems to lock up both front and back wheels.“

Ein Kritikpunkt sind auch die Schrauben, die zur Fixierung des Lenkers vom Nutzer selbst angebracht werden müssen. Diese lassen sich anscheinend nicht immer einwandfrei fest drehen:

„Lässt sich nicht zusammenbauen. Schrauben am Lenker sind weich wie Butter. Erst lassen diese sich nicht reindrehen, dann , dadurch das diese rundgelaufen sind nicht wieder herausdrehen“

„Allerdings sind nicht alle Inbus Schlüssel dabei die man braucht um die Lenkstange richtig festzuziehen. Trotz aller Prüfungen wackelt die Stange nach wie vor. Zudem ließen sich nicht alle 4 Schrauben einschrauben. Teils drehten sie sogar durch.“

„Schrauben konnten an beiden oberen Löchern nicht festgezogen werden.“

Die Akkulaufzeit ist das dritte große Manko an dem Gerät, denn diese entspricht nicht annähernd der Herstellerangabe von 22 Kilometern:

„Akku hat gereicht für 10 km bei 5 Grad Außentemperatur“

„Reichweite für mich ausreichend, liegt bei voller Fahrt um 10km.“

„Großes Defizit ist wohl die Reichweite, nach 4-5 km muss er an die Steckdose, zwar ist es im Moment kalt und das Benutzergewicht ist hoch, aber die Reichweite ist dann doch sehr weit von den angegebenen 20 km entfernt.“

„Practical range: 10km“

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Lieber nach Alternativen suchen

Es scheint, als gäbe es bei dem ESA 1919 Probleme bei der Qualitätsabsicherung. Vor allem durchdrehende Schrauben dürfen auch beim einem Fahrzeug um die 300 Euro nicht zu finden sein, denn schließlich muss die Lenkstange zu jedem Zeitpunkt fest sitzen. Auch die zu harten Bremsen stellen vor allem für E-Scooter-Anfänger ein Problem dar. Durch zu abruptes Bremsen verliert man schnell die Kontrolle über ein zweirädriges Gefährt.

Doch das größte Problem ist, dass der ESA 1919 über keinerlei Angabe zum Schutz vor Wasser und Schmutz verfügt. Der Xiaomi Mi M365, aus dem ein Großteil der Komponenten für den ESA 1919 übernommen wurden, hat ein IP54-Rating. Das heißt, er ist nicht nur vor Staub geschützt, sondern kann Spritzwasser ohne Probleme aushalten. Das Fehlen eines jeglichen Ratings bedeutet, dass schon geringe Mengen Regen – oder selbst Pfützen – die Elektrik des Scooters direkt angreifen können.

Die meisten verfügbaren E-Scooter mit Straßenzulassung haben ein IP-Rating, deswegen sollten sich Kunden lieber nach Alternativen umschauen. Viele Fahrzeuge der Marken Iconbit und Cityblitz, die es schon ab 333 Euro gibt, bieten ähnliche Technik, sind aber vor Spritzwasser geschützt.

TECHBOOK meint

„Deutschland hat sich ein unnötiges Problem aufgehalst. Dadurch, dass die meisten internationalen Modelle hierzulande aufgrund der Zulassungsbestimmungen nicht gefahren werden dürfen, hat der Kunde am Ende eine sehr beschränkte Auswahl. Viele stürzen sich daher auf das nächstbeste Angebot und sind dann enttäuscht oder unzufrieden. Ich rate daher, bei dem ersten E-Scooter lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und gleich einen Segway Ninebot Max G30D zu kaufen. Dieser hat nicht nur die höchste Reichweite aller E-Scooter, sondern ist auch hochwertig gefertigt – und spritzwassergeschützt.“ – Adrian Mühlroth, Redakteur

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