Großer Vergleichstest

GoPro vs. DJI: Welche Action Cam ist besser?

Die GoPro Hero 7 Black und DJI Osmo Action
Die GoPro Hero 7 Black und DJI Osmo Action
Foto: TECHBOOK

Seit Jahren ist die GoPro der Platzhirsch auf dem Action-Cam-Markt. Nun hat Drohnenhersteller DJI eine Kamera herausgebracht, die der GoPro ernsthaft Konkurrenz macht. Wir stellen die GoPro Hero 7 Black und die DJI Osmo Action im Vergleich gegenüber.

So hat TECHBOOK getestet

Die Kameras wurden einem Feldtest unterzogen, in dem besonderes Augenmerk auf die Qualität und Stabilisierung der Videos gelegt wurde. Schließlich werden beide Cams mit ihrer elektronischen Stabilisierung beworben, die spezielle, motorisierte Halterungen überflüssig machen soll. Aber auch die Bedienung, Ablesbarkeit des Bildschirms, Verarbeitung und Akkulaufzeit wurden mit berücksichtigt.

Bildschirm und Bedienung

Hätte die Hero 7 Black nicht eine andere Farbe als ihre Vorgängerinnen, könnte man sie fast mit einer Hero 6 oder Hero 5 verwechseln. Denn der Bildschirm sowohl hinten als auch vorne bleibt unverändert klein: Ein 1-Zoll-Monochrom-Display auf der Vorderseite und ein 2-Zoll-Touchscreen auf der Rückseite. Die Osmo Action legt bei beiden Bildschirmen eine Schippe drauf und setzt auf die Rückseite einen 2,25-Zoll-Touchscreen und auf die Vorderseite einen 1,4-Zoll-Bildschirm, der Farbe anzeigt und das Bild spiegeln kann. Einfach mit zwei Fingern gleichzeitig auf den Touchscreen Doppeltippen und die Kamera wechselt zwischen den Bildschirmen. Praktisch, wenn man die Kamera genau positionieren muss und sich dabei selbst schon im Rahmen sehen kann.

Auch die Bedienung geht deutlich besser von der Hand als bei der GoPro – die Menüs springen besser auf Berührungen an und alles wirkt flüssiger. Vor allem das Abspielen von aufgenommenen Videos macht auf der GoPro keinen Spaß. Man kann nicht einfach vor- oder zurückspulen, sondern muss erst umständlich einen Button drücken, um den Slider einzublenden. Und selbst dann ist das Spulen sehr hakelig. Bei der Osmo Action wird der Slider immer angezeigt, außerdem ist er sehr reaktionsfreudig – so funktioniert Bedienung auf einem kleinen Bildschirm.

Videoqualität und -stabilisierung

GoPros gelten schon seit einiger Zeit als die besten Action Cams auf dem Markt, was die Qualität der Videos angeht. Der Hersteller schafft es, hervorragende Schärfe und Farbwiedergabe in ein sehr kleines Gehäuse zu stopfen. DJI ist zwar ein Action-Cam-Neuankömmling, gilt aber auf dem Drohnen-Markt mit seinen 4K-Kameras als Vorreiter. Tatsächlich kommt die Osmo Action sehr nah an die Bildqualität der Hero 7 Black heran, jedoch nur bei inaktiver Stabilisierung. Außerdem unterstützt die Osmo Action HDR-Videoaufnahmen, wodurch die Farben natürlicher und stärker werden. Damit wird das Bild insgesamt besser als bei der Hero 7 Black, die jedoch standardmäßig eine bessere Farbwiedergabe hat. Die HDR-Aufnahme wird zudem nur bis 4K mit 30 Bildern pro Sekunde (FPS) statt 60 FPS unterstützt. Beide Kameras geben dem Nutzer manuelle Einstellungsmöglichkeiten wie Belichtung und Verschlusszeit, die GoPro hat mit der „Protune“-Funktion jedoch noch erweiterte Optionen wie etwa verschiedene Farbprofile.

Bei der GoPro kann man das Sichtfeld der Kamera selbst festlegen, zur Auswahl stehen je nach Auflösung und FPS die Optionen weit, linear, medium, nah und das sehr weite „Superview“ zur Verfügung. Je weiter das Sichtfeld, desto mehr kann die GoPro einfangen, vor allem Superview sorgt für einen dramatischen Effekt. Die DJI hat diese Einstellungsmöglichkeit nicht, hier wird das Sichtfeld durch die gewählte Auflösung und Bildrate festgelegt. Immerhin gibt es aber die Möglichkeit, die Bilder zu entzerren und damit den für Action Cams typischen „Fisheye“-Effekt auszuschalten. Damit werden Bildverzerrungen weitestgehend minimiert, vor allem für Nicht-Action-Aufnahmen ist das praktisch. Das lineare Sichtfeld der GoPro, das ebenfalls Verzerrungen reduzieren soll, kann hier nicht mithalten. Als nettes Extra kann man mit der GoPro jedoch bei bestimmten Auflösungen sogar digital zoomen – das geht mit der DJI nicht.

Die GoPro nimmt Videos in höherer Auflösung mit dem H.265-Codec (HEVC) auf, während die DJI alle Videos mit älteren H.264 (AVC) einfängt. Vorteil von HEVC ist die bessere Komprimierung, wodurch die Videos der GoPro zum Teil nur halb so groß sind wie bei der DJI – bei gleichbleibender Qualität. Nachteil ist die eingeschränkte Kompatibilität, denn ältere Rechner und Smartphones können mit dem neuen Codec oft nicht richtig umgehen.

Kein Gimbal mehr nötig

Beide Kameras verfügen über sogenannte „Electronic Image Stabilization“ (EIS), also elektronische Bildstabilisierung. Die GoPro ging 2018 als erste Kamera mit Stabilisierung der nächsten Generation an den Start. Bis dahin war es nötig, ein Drei-Achsen-Gimbal für diesen Grad an Stabilisierung zu nutzen, also eine Halterung, die mit drei Motoren ruckartige Bewegungen der Kamera ausgleicht. GoPro nennt diese Technologie, die Gimbal-ähnliches allein mit elektronischen Mitteln erreicht, „Hypersmooth“.

Stabilisierung im Vergleich: Links GoPro, rechts DJI

Im Mai 2019 überraschte dann der sonst für seine High-End-Drohnen bekannte chinesische Hersteller DJI mit einem echten Konkurrenten für die Hero 7 Black: Die Osmo Action. DJI fertigt bereits ausgeklügelte Gimbal-Systeme für seine Drohnenkameras und hat mit der Osmo Pocket auch eine Mini-Gimbal-Kamera im Angebot. Die Osmo Action setzt jedoch komplett auf elektronische Bildstabilisierung und kann als einzige andere Action Cam auf dem Markt in dieser Kategorie mit der GoPro Hero 7 Black mithalten. DJI nennt seine Stabilisierungstechnologie „Rocksteady“ – bombenfest.

Sowohl Hypersmooth als auch Rocksteady sind nur in bestimmten Auflösungen und Bildraten verfügbar. Beide Kameras unterstützen die Stabilisierung in 4K-, 1080p- und 720p-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde (FPS). Die GoPro kann in 1080p-Auflösung bis zu 120 FPS aufzeichnen, allerdings nur mit rudimentärer Stabilisierung und nicht Hypersmooth. Zudem kann die Hero 7 Black 2,7K-Videos mit 120 FPS aufzeichnen, die Osmo Action ist auf 60 FPS gekappt.

Verfügbare Auflösungen:

  GoPro Hero 7 Black DJI Osmo Action
4K (4:3) / 24, 25, 30 FPS
4K (16:9) 24, 30, 60 FPS 24, 25, 30, 48, 50, 60 FPS
2,7K (4:3) / 24, 25, 30 FPS
2,7K (16:9) 24, 30, 60, 120 FPS 24, 25, 30, 48, 50, 60 FPS
1080P 24, 30, 60, 120, 240 FPS 24, 25, 30, 48, 50, 60, 100, 120, 200, 240 FPS
720P 240 FPS 200, 240 FPS
Fett gedruckt: Hypersmooth- bzw. Rocksteady-Stabilisierung verfügbar
Kursiv: Standard-Stabilisierung verfügbar

Wie gut ist die Stabilisierung?

Auf den ersten Blick scheint es durchaus so, als würde DJI GoPro die Position als Platzhirsch in puncto Stabilisierung streitig machen. Seite-an-Seite wirken die Aufnahmen auf beiden Kameras butterweich, kleine Unebenheiten und selbst größere Bewegungen werden extrem gut ausgeglichen. Bei näherer Betrachtung wird jedoch klar, dass GoPro mit der Hypersmooth-Technologie immer noch einen deutlichen Vorsprung hat. Denn EIS funktioniert nur, indem Teile am Bildrand abgeschnitten werden, was zu einer Verkleinerung des Sichtfelds führt. Die GoPro schneidet in 4K mit 60 FPS nur etwa 9 Prozent des Sichtfeld ab, bei der DJI sind es hingegen ganze 22 Prozent. DJI muss also deutlich größere Teile abschneiden, um das gleiche Stabilisierungsniveau zu erreichen. Vor allem größere Erschütterungen kann die DJI damit jedoch etwas besser ausgleichen, die GoPro hat doch bei kleineren Wacklern die Nase vorn, wie man im Vergleichsvideo gut erkennen kann.

Stabilisierung im Vergleich: Links GoPro, rechts DJI

Während man also im direkten Vergleich bei der DJI nur die Fußspitzen im Bild sehen kann, sind bei der GoPro der komplette Fuß und ein Teil des Beins sichtbar. Auch ist bei der DJI nichts von der Hand zu sehen, während der größere Bildausschnitt der GoPro diese noch mit aufnimmt.

Außerdem geht durch EIS bei der DJI ein wenig Bildqualität verloren, die Video sind etwas körniger als bei der GoPro. Die GoPro hingegen erhält auch bei aktivem Hypersmooth in etwa das gleiche Niveau. Wie in unseren Beispielbildern sehr gut erkennbar ist, bleibt das Bild bei der Hero 7 Black insgesamt schärfer und auch die Farben wirken weniger blass:

Bildausschnitt DJI-Aufnahme

Hier ein Screenshot der Osmo Action… | Foto: TECHBOOK

Bildausschnitt von GoPro-Aufnahme

…und ein Screenshot der Hero 7 Black zum Vergleich. | Foto: TECHBOOK

Verarbeitung und Aufbau

Die GoPro-Kameras sind bei Nutzer aufgrund ihrer hohen Widerstandsfähigkeit sehr beliebt. Seit der Hero 5 sind die Kameras zudem ohne Gehäuse wasserdicht, ein Tauchgang bis zu zehn Metern Tiefe ist möglich. Die Osmo Action ist ebenfalls sehr gut verarbeitet und DJI setzt sogar noch einen drauf mit elf Metern, obwohl das eher als PR-Stunt gewertet werden muss. Vielleicht kann ein Taucher mit dem zusätzlichen Meter bei der DJI  eine etwas tiefer gelegene Koralle ablichten, am Ende ist der Unterschied aber zu marginal, um wirklich ins Gewicht zu fallen. Etwas negativ ist uns aufgefallen, dass die Hero 7 Black nun schon in der dritten Generation exakt das gleiche Design verwendet, mit nur etwas anderen Farben und Materialien.

Wechselbare Filter

Praktisch ist der leicht abnehmbare Filter auf der DJI, der einfach abgeschraubt und gegen andere ND-Filter ausgetauscht werden kann. Bei der GoPro ist der Filter nur mit erheblichen Aufwand abnehmbar, da der Aufsatz sehr fest arretiert ist. Ansonsten unterscheiden sich die Kameras kaum in ihrem Aufbau. Beide kommen mit einem Plastikrahmen, in den die Action Cam gesetzt werden muss, um sie an Halterungen zu befestigen. Beide Kameras haben leider keinen Schraubgewinde auf der Unterseite wie etwa die Yi 4K Action Cam, ein optionales Zubehör dafür ist also erforderlich. Apropos Zubehör: Für die GoPro gibt es eine umfangreiche Auswahl an Zubehör von GoPro selbst und Drittherstellern, DJI bietet bislang noch nicht den gleichen Umfang an.

Praktisch ist die Seitenklappe an beiden Action Cams, hinter der sich bei der GoPro der USB-C-Port und ein HDMI-Port befinden. Bei der DJI sitzt hier statt des HDMI-Anschlusses der MicroSD-Kartenslot. Die Klappen können bei beiden Modellen einfach abgenommen werden, um die Anschlüsse freizulegen. Eine entsprechende Aussparung befindet sich auch in den Plastikrahmen, sodass die Cams auch bei der Nutzung geladen werden können. Zu beachten ist allerdings, dass dadurch der Schutz vor Wassereindringen verloren geht.

Die Anschlüsse der GoPro und DJI

Die Anschlüsse der GoPro und DJI | Foto: TECHBOOK

Bei der GoPro gibt es zudem auf der Unterseite eine zweite, größere Klappe, unter der sich der Akku und der MicroSD-Kartenslot verbergen. Die DJI verwendet für den Akku eine andere, recht ausgefallene Lösung: Mit zwei kleinen Schiebern wird der Akku gelöst und springt samt Deckel aus dem Gehäuse. Der Deckel ist fest am Akku angebracht und schließt bündig mit dem Gehäuse ab. Wechselakkus für die DJI haben deshalb alle ihren eigenen Deckel. Wir sind uns zwar nicht sicher, dass diese Lösung einfacher als bei der GoPro ist, aber der Mechanismus mit der Sprungfeder, die den Akku aus dem Gehäuse drückt, macht einen guten Eindruck.

Die Akkulaufzeit

Dadurch, dass die Hero 7 Black exakt das gleiche Design wie die drei Jahre alte Hero 5 hat, wirkt sie auf uns etwas altbacken. Außerdem birgt das einige Probleme für die Kamera: Der Bildschirm ist nicht größer geworden und auch das Akkufach ist unverändert. Gleiche Akkumaße bedeuten eben auch gleiche Akkukapazität. Trotz der erheblich höheren Leistung der Hero 7 Black ist der Akku genau so groß wie bei der Hero 5: 1220 Milliamperestunden (mAh). Die Osmo Action hingegen kommt mit einem deutlich größeren Akkupack, das auch mit 1300 mAh etwas mehr Kapazität hat.

Die Akkus der GoPro und DJI

Die Akkus der GoPro und DJI | Foto: TECHBOOK

Im Test bestätigte sich, dass die GoPro vor allem durch ihren zu klein geratenen Akku behindert wird. Nach einer zweistündigen Trainingssession hatte die DJI noch 22 Prozent Ladung im Tank, während die GoPro mit 8 Prozent bereits am Ende war. Außerdem ist die GoPro zwischendurch ein paar Mal etwas warm gelaufen, was natürlich zusätzlich Akku verbraucht. Für die Hero 8 muss sich GoPro also etwas überlegen, um nicht noch weiter hinter die Osmo Action zu fallen.

Zusätzliche Funktionen

Neben Videos müssen Actions Cams heutzutage noch viele andere Dinge können. Weder GoPro noch DJI haben an dem Funktionsumfang ihrer Kameras gespart. Beide unterstützen die Zeitraffer-Funktion, sowohl als Video als auch als Bilderserie, der Abstand zwischen den Bildern kann frei festgelegt werden. Bei der GoPro gibt es aber zusätzlich noch die „Timewarp“-Technologie, die Zeitraffer-Videos mit Stabilisierung aufnimmt. Die Kamera muss deshalb für saubere Aufnahmen nicht stationär oder in einem Gimbal sein.

Doch auch die Osmo Action hat eine paar Tricks auf Lager, die der Hero 7 Black fehlen. So hat sie etwa „Custom Modes“ – über das Menü aufrufbare Einstellungsprofile für Video und Foto. Das ist besonders praktisch, wenn man oft in unterschiedlichen Situationen filmt und schnell und einfach den passenden Modus mit den richtigen Bildeinstellungen aufrufen will. Die Osmo Action hat außerdem einen dedizierten Slow-Motion-Modus mit bis zu 8-facher Verlangsamung. Im Prinzip wird dabei einfach ein 1080p- oder 720p-Video mit 240 FPS aufgenommen und dann auf 30 FPS verlangsamt. Den gleichen Effekt kann man auch in der Nachbearbeitung auf dem Rechner oder Smartphone erreichen. Apples Fotos-App etwa kann schon erkennen, wenn ein Video mit 240 FPS aufgenommen wurde und bietet erweiterte Slow-Motion-Einstellungen.

Die GoPro Hero 7 Black, aufgenommen mit der der DJI Osmo Action

Die GoPro Hero 7 Black, aufgenommen mit der der DJI Osmo Action | Foto: TECHBOOK

Die DJI Osmo Action, aufgenommen mit der der GoPro Hero 7 Black

Die DJI Osmo Action, aufgenommen mit der der GoPro Hero 7 Black | Foto: TECHBOOK

Sowohl die GoPro als auch DJI nimmt Fotos in 12-Megapixel-Auflösung auf. Die Osmo Action kann Fotos im .jpeg- und .raw-Format speichern und hat zudem einen manuellen Modus zur Einstellung von Dingen wie Belichtung und Blende. Im Fotomodus ist die Entzerrungsfunktion auch verfügbar, um natürlicher aussehende Fotos zu schießen. Die GoPro nimmt in .jpeg und dem eigenen GoPro-Format .gpr auf. Um die Fotos etwas zu entzerren, kann man auch hier von der weiten Optionen zur linearen Option wechseln. GoPros Protune ist auch für Fotos verfügbar, damit sind die Einstellungsmöglichkeiten deutlich umfangreicher als bei DJI.

Die GoPro hat GPS und kann per WLAN-Verbindung zum Smartphone Videos direkt auf Youtube streamen. Beide Kameras sind per Sprache steuerbar.

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