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Mehr Action als hier gibt es 2026 wirklich nicht mehr

Szene aus „The Furious“
Szene aus „The Furious“ Foto: Capelight Pictures
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Woon-Mo Sung
Redakteur

24. Mai 2026, 15:39 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

In keinem anderen Genre entfalten Aufnahmen eine solch kinetische Energie wie im Actionfilm. Verfolgungsjagden, Schießereien, Explosionen, Stunts und mittendrin die Kamera – das ist Kino pur. Und nirgendwo sonst geht es wuchtiger und kompromissloser zu als in Asien. Mit „The Furious“ kommt nun ein neuer Genrebeitrag aus Fernost nach Deutschland, in dem sich einige bekannte Stars nicht die Klinke, aber dafür die Faust in die Hand und ins Gesicht geben. Das Ergebnis beschämt nahezu alles, was Hollywood in Blockbusterform verkauft.

Worum geht es in „The Furious“?

Ein stummer Handwerker (Miao Xie) verbringt etwas friedvolle Zeit mit seiner Tochter (Enyou Yang), die ihn besucht. Doch eines Tages ändert sich alles, als das Mädchen entführt wird. Der verzweifelte Rettungsversuch scheitert und die Polizei entpuppt sich als nutzlos. Doch das hindert den aufgebrachten Vater nicht daran, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Bei seinen rustikalen Nachforschungen stößt er auf den Journalisten Navin (Joe Taslim), der das Verschwinden seiner Frau untersucht. Die war nämlich einer Schlepperbande auf der Spur, die sich auf Kinder spezialisiert hat. Gemeinsam versuchen sie, ihnen das Handwerk zu legen, und hinterlassen dabei eine Schneise aus Blut und Leichen – ein Fiesling nach dem anderen.

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Seichte Story erstaunlich herzlich

Natürlich, clevere Dialoge à la Tarantino oder verschlungene Handlungs- und Zeitebenen wie bei Nolan braucht „The Furious“ nicht im Ansatz. Die Geschichte ist bestenfalls als zweckdienlich zu bezeichnen. Dennoch kann der Film auch in einigen inhaltlichen Aspekten punkten. Allen voran die Vater-Tochter-Beziehung funktioniert trotz kurzer Einführung und weniger Einschübe später sehr gut.

Das liegt vor allen an den schauspielerischen Darbietungen aller Beteiligten, die auch im Anbetracht des blutigen Chaos um sie herum ihren Figuren stets emotionale Tiefe verleihen und sie ausreichend menschlich erden, sodass man tatsächlich mit ihnen mitfiebert. Ferner bleibt das Mädchen nicht nur ein reines Plotvehikel und damit jemand, den es zu retten gilt. Schon früh etabliert das Drehbuch, dass sie fähig ist, selbst aktiv ins Geschehen einzugreifen und so die Geschichte mitzubestimmen. Dass die erwachsenen Männer, und insbesondere der stolze Papa, an einem bestimmten Punkt das sogar respektieren und ihr Handeln danach ausrichten, fügt der zwischenmenschlichen Dynamik eine weitere, herzliche Ebene hinzu.

Wenn dann Vater und Tochter in einem wahnwitzigen Moment gemeinsam in den Kampf ziehen, vollziehen beide eine Entwicklung, die man von solchem Action-Brimborium nicht erwartet. Auch die aufkeimende Freundschaft zwischen Navin und dem stummen Helden funktioniert dank der Stars.

Mal gewollt, mal ungewollt komisch

Das tröstet darüber hinweg, dass sich Inszenierung und Dialoge bisweilen einige Schnitzer zum Fremdschämen leisten. Zumindest im Original wechseln sich Englisch sowie Chinesisch und Thailändisch ab. Und gerade die englisch gesprochenen Sätze klingen aufgrund ihres Grundschulniveaus geradezu lächerlich. Mitunter stellt sich der Eindruck ein, dass hier sogar nachsynchronisiert wurde, was das Ganze noch peinlicher wirken lässt. In solchen Momenten möchte man sich die Ohren am liebsten zuhalten.

Auch sind einige wenige künstlich-pathetische Aufnahmen in Zeitlupe zu sehen, die mal heroisch, mal tiefgründig wirken sollen. Die fühlen sich jedoch wie aufgesetzte Fremdkörper an und haben beim Autor dieser Zeilen nur für ein angeekeltes Zusammenzucken gesorgt.

Dafür gibt es wiederum andere Szenen, in denen die Action kurz comichaft überhöht ist und zum aufrichtigen Schmunzeln einlädt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, außer: die fliegende Kopfnuss von E. Honda aus „Street Fighter II“.

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Das sind aber nur auflockernde Highlights in einem ansonsten kompromisslosen, kreativ-choreografierten Prügelballett. Denn wer glaubt, alles bereits im Actionkino gesehen zu haben, den belehren Regisseur Kenji Tanigaki und sein Team eines viel Besseren.

Auffällig ist, wie jede Figur in einem anderen Stil kämpft. Der eine lässt lieber die Fäuste fliegen, der andere greift, würgt und wirft, bis die Lichter ausgehen. Wiederum einer will mit purer Kraft seine Widersacher überwältigen, während der Nächste mit filigran-flinken Kicks im besten Taekwondo die Leinwand aufwirbelt. Und selbst ein Bogen wird auf eine Weise zweckentfremdet, wie man sie noch nicht gesehen hat. Ja richtig, der Bogen und nicht die Pfeile. All das passiert in den besten Momenten gleichzeitig.

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Ungewöhnlich ist auch, wie oft ganze Gruppen im gemeinsamen Clinch liegen, dabei übereinander hinwegsteigen oder untereinander hindurchkrabbeln oder -rutschen. Dann werden alle Beteiligten zu einer einzigen Mélange der Gewalt. In „The Furious“ geht hohe Kampfkunst beizeiten mit roher Rauferei einher, was sich auch in vielen äußerst blutigen Verletzungen niederschlägt – Zartbesaitete bleiben am besten draußen.

Klar inszeniert und klar das Action-Highlight 2026

Das alles wird nicht nur von den Stars gekonnt körperlich ausgeführt, sondern ist auch exzellent in Szene gesetzt. Insbesondere im großen Finale entwickeln sich Kamera und Schnitt zu unsichtbaren Protagonisten, die erheblichen Anteil an der Wirkung des Geschehens haben. Die Kamera ist immer im richtigen Moment entweder nah dran oder ausreichend entfernt und bewahrt so die Übersicht. Auch ein Schnittgewitter zieht in „The Furious“ zu keiner Sekunde auf. Die Action bleibt stets klar im Frame sicht- und nachvollziehbar und kann sich wunderbar entfalten.

Ginge es im weltweiten Filmgeschäft gerecht zu, würde „The Furious“ die Kinokassen klingeln lassen. Das wird voraussichtlich nicht passieren – zu brutal, zu klein, zu asiatisch. Die großen Hollywood-Blockbuster wie „Die Odyssee“, „Dune 3“, „Avengers: Doomsday“ oder „Spider-Man: Brand New Day“ werden 2026 die Diskurse und Charts bestimmen. Völlig zu Recht, wohlgemerkt.

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Doch wer der ständigen Fortsetzungen und Computereffekte überdrüssig ist und nach etwas „Echtem“ im Actionfilm sucht, der sollte, nein, muss ab dem 18. Juni 2026 „The Furious“ im Kino sehen. Dann bekommt man eine atemlos intensive Kampfkunstkarambolage der Königsklasse in bester „The Raid“-Tradition serviert.

Ich habe den Film bereits in einer Pressevorführung gesehen und werde ihn trotzdem mit Freunden und Freuden erneut anschauen.

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