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Bei diesem Horrorfilm sind Kinogänger reihenweise umgefallen

Szene aus „Raw“
Filmfans sollten „Raw“ unbedingt streamen Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Focus World
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Woon-Mo Sung
Redakteur

15. Oktober 2025, 14:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Es gibt Filme, die lösen in Zuschauern nicht nur emotionale, sondern auch körperliche Reaktionen aus. Horrorfilme sind prädestiniert dafür und wer eine sehenswerte Herausforderung sucht, sollte unbedingt einmal „Raw“ streamen.

Wer den Film nicht kennt, hat eines der bemerkenswertesten Spielfilm-Regiedebüts der jüngeren Vergangenheit verpasst. Gleichzeitig dürfte es auch nicht überraschen, denn für das Massenpublikum war „Raw“ ohnehin nie gedacht. Die Thematik ist zu gleichen Teilen ekelhaft wie anspruchsvoll, die Bilder sind wahrlich nichts für Zartbesaitete. Als kleine französische Produktion war ihr ohnehin nie die breite Auswertung beschieden. Umso wichtiger ist es, jetzt noch auf ihn aufmerksam zu machen und „Raw“ zu streamen.

Darum geht es in „Raw“

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Tierschützern und Veganern/Vegetariern könnte allein schon die Inhaltsangabe zu „Raw“ den Puls in die Höhe treiben. Denn im Mittelpunkt steht die noch 16-jährige Justine (Garance Marillier), die aus einer eigenwilligen Familie voller Tierärzten entstammt, in der sich alle fleischlos ernähren. Deswegen möchte sie die gleiche Laufbahn einschlagen und beginnt ein Studium an einer dafür spezialisierten Hochschule.

Doch gleich zu Beginn muss sie an einer Reihe seltsamer Initiationsriten teilnehmen. Und im Zuge dessen wird sie dazu genötigt, zum ersten Mal in ihrem Leben Fleisch zu essen. Der Verzehr hat überraschende Folgen, denn Justine entwickelt daraufhin einen unbändigen Appetit auf Fleisch und Blut. Und der macht nicht bei tierischen Produkten halt. Schon bald fordert ihr Hunger erste Menschenleben …

Begeisterung für „Raw“

„Raw“ ist das Kinofilmdebüt der französischen Regisseurin Julia Ducournau, die darüber hinaus auch das Drehbuch schrieb. Die Hauptrollen spielten Garance Marillier als Justine sowie die auch aus deutschen Produktionen bekannte Schweizerin Ella Rumpf als ihre Schwester Alexia.

Der Horrorfilm debütierte 2016 bei den renommierten Filmfestspielen von Cannes und hinterließ direkt bleibenden Eindruck. In gleich mehreren Preiskategorien gab es Nominierungen, am Ende winkte der FIPRESCI Preis für ein „beeindruckendes Debüt mit einer starken Bildsprache“. Zudem fielen bei Rotten Tomatoes bärenstarke 93 Prozent aller eingegangenen Kritiken positiv aus.

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„Raw“ streamen auf eigene Gefahr

Der Konsens ist also, dass „Raw“ äußerst sehenswert ist. Und dennoch sollten Interessenten „Raw“ nur auf eigene Gefahr streamen. Zumindest wenn man sich selbst nicht als ausgewiesenen Horrorfilmfan bezeichnen möchte. Es könnte sonst sein, dass man sich beim Schauen nicht einfach angeekelt und schockiert die Hände vors Gesicht schlägt, sondern Schlimmeres passiert.

Dass das nicht einfach aus der Luft gegriffen ist, nur um den Film besonders aufregend erscheinen zu lassen, beweist eine Vorführung beim ebenfalls angesehenen Toronto International Filmfestival 2016. Wie seinerzeit das Branchenmagazin „The Hollywood Reporter“ berichtete, sind nämlich mehrere Gäste während einer Vorführung ohnmächtig geworden. Das rief sogar den Notdienst auf den Plan.

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Augenzeugenberichten zufolge soll es aber dabei nicht geblieben sein. Tatsächlich sollen sich auch Personen aufgrund der gezeigten Szenen übergeben haben. Das wiederum schlug so hohe Wellen, dass sich sogar ein Kino in Los Angeles dazu veranlasst sah, für den Film extra Brechbeutel an Kinogänger herauszugeben.

Warum „Raw“ überhaupt streamen?

Aktuell ist „Raw“ in keinem Abo zu streamen. Wer ihn trotzdem anschauen möchte, kann ihn sich bei verschiedenen Anbietern entweder ausleihen oder digital kaufen. Reinschauen lohnt sich für alle, die kein Problem mit blutigen Erzählstoffen haben oder sich zumindest an solche herantasten möchten.

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Denn auch wenn es bisweilen brutal zur Sache geht, so ist „Raw“ beileibe keine einzige selbstzweckhafte Gewaltorgie. Im Mittelpunkt steht nämlich stets die turbulente Gefühlswelt von Justine und wie sie versucht, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Gleichzeitig muss sie ihre neu aufkommende Fleischeslust unter Kontrolle bringen – wobei man „Fleischeslust“ im doppelten Wortsinn interpretieren darf und muss. Denn der Kannibalismus dient als genre-adäquates Stilmittel, um auf Justines erwachendes sexuelles Begehren hinzuweisen und dieses auf diesem metaphorischen Weg zu erörtern.

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„Raw“ ist damit weniger ein konventioneller Schocker, sondern eine wilde wie auch tiefgründige Coming-of-Age-Geschichte über eine heranwachsende Protagonistin, die ihre eigenen Gefühle und ihre Identität erst entdeckt. Zusammen mit dem herausragenden Handwerk von Ducournau ergibt das wahre Filmkunst, die noch lange im Gedächtnis bleibt.

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