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„Dieser Streaming-Dienst erhält keine eigenen Filme und das ist toll!“

TECHBOOK-Autor Woon-Mo Sung, eine TV-Fernbedienung und ein Fernseher
TECHBOOK-Redakteur Woon-Mo Sung findet eine Entscheidung zu einem Streaming-Dienst sehr gut Foto: Getty Images/TECHBOOK (Montage)
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Woon-Mo Sung
Redakteur

29. Oktober 2025, 8:30 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Eines der großen Verkaufsargumente für ein Streaming-Abo sind die vielen exklusiven Titel, die jede Plattform für gewöhnlich parat hält. Doch mit Hinblick auf Paramount+ und Filme möchten die Verantwortlichen eine etwas andere Strategie fahren. Für unseren TECHBOOK-Redakteur Woon-Mo Sung ist das eine gute Nachricht. Hier erklärt er, warum das so ist.

Der Videostreaming-Markt ist hart umkämpft mit Anbietern wie Netflix, Amazon Prime Video oder Disney+, die allesamt neue Konkurrenten abwehren müssen. Einer von ihnen ist seit einigen Jahren auch Paramount+ und in der Theorie müsste die Plattform des Traditionsstudios mit einem besonders umfangreichen Angebot an Exklusivtiteln punkten. Aber nicht nur scheint man bislang kein Problem mit der Lizenzierung des eigenen Kataloges zu haben. Tatsächlich plant man sogar keine eigens produzierten Filme für den Streaming-Dienst. Der Grund dafür lässt zumindest mich frohlocken.

Paramount+ soll auf eigene Filme verzichten

Zuerst einmal gilt es festzuhalten, dass sehr wohl von Paramount produzierte Filme auch weiterhin beim dazugehörigen Streaming-Dienst erscheinen werden. Das Studio verfügt über die Rechte von mehreren massiven Marken, etwa „Mission: Impossible“, „Star Trek“ oder „Transformers“.

Doch diese finden immer zuerst regulär im Kino statt, ehe sie den Sprung ins Digitale schaffen. Ein eigens nur für Paramount+ inszenierter Film? Den gibt es bislang nicht – und wird es auch auf absehbare Zeit nicht geben. Das haben einem Bericht des US-Branchenmagazins „Variety“ zufolge mehrere Führungspersönlichkeiten bei Paramount betont, darunter der neue CEO David Ellison und Ciny Holland, Streaming-Chefin bei Paramount. Für Letztere seien „Streaming-Filme keine Priorität“ und auch für Ellison gebe es „keine Diskussion“ darüber, ob ein originaler Film überhaupt so viel Einfluss und Wert hätte wie ein Kinostart.

Ein risikoreiches Spiel

Bei Paramount selbst erhofft man sich wohl weiterhin starke Einspielergebnisse von zukünftigen Blockbustern. Dennoch ist die Strategie nicht ohne Risiko. Netflix produziert bereits seit Langem eigene Filme, die Hunderte von Millionen Zuschauer anziehen, etwa das aktuelle Popkultur-Phänomen „KPop Demon Hunters“, und die das Abonnement zusätzlich attraktiv machen. Hin und wieder bringt der Konkurrent die Filme auch ins Kino, um sich für die Oscars zu qualifizieren, aber die Identität ist klar und deutlich Streaming. Von den Serien ganz zu schweigen.

Auch Disney und Prime Video haben in der Vergangenheit schon Filme exklusiv fürs Streaming produziert. Paramount+ könnte deshalb ein dringend benötigtes Alleinstellungsmerkmal fehlen. Zumal man noch nicht einmal das eigene Portfolio ausschließlich bei sich zeigt. Aktuell sind Filme wie „Top Gun: Maverick“ oder „Mission: Impossible – Dead Reckoning“ eben nicht dort zu streamen.

In puncto Exklusivität scheint sich aber etwas zu tun. Zumindest hat Paramount zuletzt aufsehenerregende Akquisitionen getätigt, darunter die Rechte an „South Park“ sowie die Dienste der „Stranger Things“-Macher.

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Ich kann auf Paramount+-Filme gut verzichten

Als Streaming-Kunde scheint der Verzicht auf originäre Paramount+-Filme also falsch zu sein. Der Dienst bietet mir weniger als andere. Aber das ist mir egal.

Denn mehr noch bin ich ein großer Film-Fan an sich. Und wo genießt man sie immer noch am besten? Eben – im Kino. Dass sich ein so großes Unternehmen, auch nach seiner milliardenschweren Übernahme, so klar zum Kino bekennt, ist für mich ein Leuchtturm in einem stürmischen Meer aus Algorithmen und Kunstwerken, die zu reinem „Content“ degradiert werden. Und Tom Cruise, der sich todesmutig mit dem Motorrad von einer Klippe stürzt, wirkt einfach am intensivsten, wenn der ganze Saal kollektiv den Atem anhält.

In den besten Momenten bleibt Kino unschlagbar

Als passionierter Kinogänger bekomme ich immer eine neue existenzielle Krise, wenn der Untergang der großen Leinwand aufs Neue verkündet wird. Klar, Streaming bietet viele Vorteile, ist bequem und kosteneffizient. Die Branche hat hart zu kämpfen, manche Lichtspielhäuser mussten bereits kapitulieren.

Doch in seinen besten Momenten kann kein Streaming-Dienst dem Kino das Wasser reichen. Damit meine ich nicht nur die große, autoritäre Leinwand, auf der das Bild seine volle Pracht und Magie entfalten kann. Sondern vor allem das Miteinander. Nur hier im Kino wird ein Film auch zum Event, wenn alle zusammen lachen oder vor lauter Schrecken gleichzeitig aufschreien. Dann habe ich plötzlich Hunderte neue Freunde im Geiste.

Und wenn nur ein großes Studio das ähnlich sieht (und natürlich auch weiterhin kommerzielle Vorteile davon hat), dann brauche ich auch Paramount+ nicht zwingend – für Filme. „South Park“ ist trotzdem Pflicht.

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