5. Juli 2026, 16:43 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Alles beginnt mit dem wohl stressigsten Intro der TV-Geschichte. Unterlegt mit maschinenhaft piependen, immer schneller werdenden Sequenzertönen, bildet sich aus losen Lichtpunkten die Zahl 24 auf dem Bildschirm. So nervenzehrend beginnt vor 25 Jahren die TV-Serie „24“. Der ikonische Einstieg läutet eine neue Ära der Bildsprache ein. Denn die dramatischen Geschichten um US-Bundesagent Jack Bauer fesselten die Zuschauer fast zehn Jahre lang an den Bildschirm.
Kaum eine TV-Serie hat sich akustisch wie visuell so sehr in die Köpfe der Zuschauer eingebrannt wie „24“. Einmal gestartet, versinkt man blitzschnell in der „24“-Welt und findet den Ausschaltknopf schweißgebadet erst Stunden später. Binge Watching ist eng verbunden mit „24“.
Die Serie startet in den USA im November 2001, kurz nach den Anschlägen des 11. September. Dieses dunkle Kapitel der US-Geschichte spielt eine gewichtige Rolle bei der Umsetzung und weiteren Entwicklung von „24“.
Eine heruntertickende Digitaluhr als Stressfaktor
Von Anfang an steigt das Adrenalin bis zum Anschlag, denn ständig taucht eine Digitaluhr auf, ein Countdown. Die heruntertickende Uhr symbolisiert ein nahezu aussichtsloses Rennen gegen die Zeit. Jede Staffel erzählt den unerbittlichen Kampf von Jack Bauer, gespielt von Kiefer Sutherland, gegen das verschwörerische Böse, gegen den Terror, der die gesamte Menschheit bedroht.
Eine Staffel besteht immer aus 24 Folgen. Die gesamte Handlung wird in Echtzeit erzählt. Somit wird in jeder Folge genau eine Stunde gezeigt. Der Echtzeit-Faktor ist damals nicht neu in der Filmbranche.
Ein paar Jahre zuvor, im Jahr 1995, hat Regisseur John Badham mit „Gegen die Zeit“ einen Film gedreht, in dem der Hauptdarsteller, gespielt von Johnny Depp, eine Politikerin töten soll, um den Tod seiner entführten Tochter zu verhindern. Dafür bleiben ihm 85 Minuten. Genauso lang ist der Film.
Was im Kino nur mäßig gut lief, wird bei „24“ zum ultimativen Kick. Dafür sorgen vor allem die einzigartige Bildsprache in Verbindung mit einer Erzählweise, in der es keine Pausen gibt. Der Stress, dem Bundesagent Jack Bauer in jeder Staffel ausgesetzt ist, überträgt sich spürbar auf die Zuschauer.
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Innovative Bildsprache und permanente Cliffhanger
Schnelle Bildwechsel, Split-Screens, die das Geschehen in dem gezeigten Moment an verschiedenen Orten zeigen, lassen keine Zeit fürs Durchatmen. Von Anfang an entsteht somit eine Dynamik, wie sie bis dato noch keine TV-Serie erzeugt hat.
Cliffhanger waren bis dahin nur als dramatische Zuspitzung am Ende einer Folge bekannt. In „24“ nutzen die Drehbuchautoren jede Werbeunterbrechung, um einen Cliffhanger zu platzieren. Somit entsteht zusätzlicher Stress, weil die Zuschauer ständig mitfiebern und wissen möchten, wie die Geschichte weitergeht.
Die Autoren brechen auch mit anderen typischen Seriengewohnheiten. Üblicherweise sind die Hauptcharaktere einer Serie deutlich herausgearbeitet. Bei „24“ verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse. Klar, Jack Bauer ist der „Gute“. Allerdings haben sich die „24“-Macher immer wieder Szenen überlegt, um auch dem Hauptdarsteller eine dunkle Seite zu verpassen.
Und noch etwas zieht sich geradezu verstörend durch sämtliche Staffeln: An die weiteren Hauptcharaktere sollten sich die Zuschauer nicht zu sehr gewöhnen. Denn schon in der nächsten Sekunde kann eine liebgewonnene Serienfigur ihren letzten Atem verströmt haben. Diese Überraschungsmomente lassen die „24“-Fans atemlos zurück und verleiten dazu, ohne Unterbrechung weiterzuschauen.
Zudem zeigen sich die Autoren visionär. In der Serie taucht nicht nur der erste farbige US-Präsident auf. Später leitet auch eine Frau als Präsidentin die Geschicke der USA.
„24“ macht Kiefer Sutherland zum Star
Für Kiefer Sutherland bedeutet die Rolle des Jack Bauer einen Meilenstein in seiner Karriere als Schauspieler. Bislang kannten ihn die Filmfreunde als Sohn des berühmten kanadischen Mimen Donald Sutherland. In den späten 1980er-Jahren konnte Kiefer Sutherland beim Kinopublikum für ein wenig Aufmerksamkeit sorgen, unter anderem in Filmen wie „Stand by Me“, „The Lost Boys“ und „Young Guns“.
„24“ macht ihn auf einen Schlag weltberühmt, allerdings beim TV-Publikum. Die Serie bringt es in den Jahren 2001 bis 2010 auf acht Staffeln. Dazu gibt es noch verschiedene Sonderformate und Spin-offs wie „24: Redemption“, „24: Live Another Day“ und „24: Legacy“.
Die Visualität und dramatische Erzählweise von „24“ sind später von ähnlichen Serienformaten wie „Homeland“ oder „Person of Interest“ übernommen worden. Daneben ernten die „24“-Macher eine Menge Kritik.
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Zwischen Innovation und Kritik
Diese richtet sich gegen die Art und Weise, wie die Folterung von Menschen in der Serie abgebildet wird. Die intensive Darstellung würde suggerieren, das Foltern von Menschen sei eine legitime Methode, um an Informationen zu gelangen. Noch einmal zur Erinnerung: „24“ startet kurz nach den Anschlägen des 11. September. In den Nachrichten berichteten Journalisten damals regelmäßig über die Foltermethoden, mit denen die 9/11-Hintermänner im US-Militärgefängnis Guantánamo auf Kuba drangsaliert wurden.
Auch die Darstellung der Staatsfeinde der USA in der TV-Serie wird als stereotyp kritisiert. Meistens planten in „24“ Menschen aus arabischen Ländern irgendwelche Anschläge oder Terroraktionen, wodurch gängige Vorurteile bei den Zuschauern bedient würden.
Gerüchte um „24“-Revival
In jüngster Vergangenheit tauchten Gerüchte auf, „24“ könnte dieses Jahr auf den Bildschirm zurückkehren. Nahrung bekamen diese Gerüchte durch Aussagen von Kiefer Sutherland, es gäbe neue Drehbücher. Ob seine Figur Jack Bauer darin vorkommen wird, ist völlig offen.
Ob sich die „24“-Macher einen Gefallen damit tun, ein einst erfolgreiches, genreprägendes Format neu zu beleben, sei einmal dahingestellt. Die Fans würden es sicherlich lieben. Vielleicht reicht allerdings auch die Erinnerung an eine Zeit, in der das Herunterticken einer Digitaluhr für echte Stressmomente vor dem Bildschirm sorgte.