1. Januar 2026, 16:25 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Es gibt Serien, die laufen schon seit der Zeit, in der TV-Sender per Programmzeitschrift die Ausstrahlung einer Sendung festlegten. Wer dann nicht vor seinem Empfangsgerät saß, hatte Pech. Wiederholung auf unabsehbare Zeit ausgeschlossen. TECHBOOK hat sich auf die Suche gemacht und ganz alte Serien-Schätzchen gefunden, die bis heute auf Sendung sind.
Platz 10: Polizeiruf 110 (DDR, BRD – seit 1971)
Das Land existiert nicht mehr, doch die bekannteste DDR-Krimiserie läuft noch immer. Am 27. Juni 1971 nehmen Oberleutnant Peter Fuchs und seine Assistentin Vera Arndt im „Polizeiruf 110“ im DDR-Fernsehen die Ermittlungen auf. In der ersten Folge haben es die beiden Polizeibeamten mit einem Postraub zu tun, bei dem 70.000 DDR-Mark erbeutet worden sind.
Wie in West-Deutschland der Tatort entwickelt sich auch der „Polizeiruf 110“ zu einer Krimiserie, die Menschen vor dem Fernseher fesselt. Bis heute ermitteln Kommissare nach Tätern. Die aktuellen Fälle laufen mehrmals im Jahr auf dem gewohnten TV-Krimi-Termin, Sonntagabend ab 20:15 Uhr in der ARD.
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Platz 9: Tatort (BRD – seit 1970)
Ein gutes halbes Jahr vor dem DDR-Polizeiruf fuhr in West-Deutschland am 29. November 1970 im neuen Krimi-Format der ARD, dem „Tatort“, ein Taxi ausgerechnet nach Leipzig. Das aus dem „Tatort“ einmal eine echte Marke werden würde, konnte damals noch niemand absehen. Von Anfang an gab es feste Ermittler aus den einzelnen ARD-Sendeanstalten. In den Anfängen waren das meist biedere Beamte im Trenchcoat.
Eine frühe Ausnahme bildet Zollfahnder Kressin, der ab dem Jahr 1971 für den WDR in James-Bond-Manier den Tätern auf der Spur ist, ehe ihn der ruhige Trenchcoat-Kommissar Haferkamp aus Essen ablöste. Ihm folgte Anfang der 1980er Jahre die wohl bekannteste und damals umstrittenste „Tatort“-Figur, Kommissar Horst Schimanski aus Duisburg. Der Sonntagabend, 20:15 Uhr, ist fester „Tatort“-Termin. Inzwischen gibt es bundesweit Fanclubs, die sich neue Folgen gemeinsam vor dem TV-Gerät anschauen.
Übrigens: Strenggenommen ist die Bezeichnung von „Tatort“ mindestens streitbar. Trotzdem nehmen viele die Krimifilmreihe als Serie wahr, weswegen wir sie hier aufgenommen haben.
Platz 8: Sesamstraße (USA, Deutschland – seit November 1969)
Kindersendungen gehören zu den Dauerbrennern im TV weltweit. Mit der „Sesamstraße“ flimmerte am 10. November 1969 eine der bekanntesten Sendungen für Kinder erstmals auf den TV-Geräten. Die Mischung aus sprechenden Puppen, Schauspielern und Zeichentrickfilmen fasziniert Kinder auf der ganzen Welt bis heute. In Deutschland läuft die Sesamstraße seit 1973.
Die Puppen hat im Übrigen ein gewisser Jim Henson konzipiert. Der entwickelt später mit der „Muppet-Show“ ein weiteres erfolgreiches Format, dieses Mal allerdings eher für ein erwachsenes Publikum. Die deutsche „Sesamstraße“ hat sich im Laufe der Jahre immer weiter vom US-amerikanischen Original abgekoppelt. Gaben früher Bibo, Graf Zahl, Grobi, Kermit oder das Krümelmonster den Ton an, gehörten bald Samson und Tiffy zu den deutschen Star-Figuren. Heute führt Elmo die Kinder durch die „Sesamstraße“. Weltweit läuft das Format in über 140 Ländern.
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Platz 7: Sazae-san (Japan – seit Oktober 1969)
In Japan startete am 5. Oktober 1969 die Anime-Serie „Sazae-san“. Die TV-Zuschauer erleben hier seit mehr als 50 Jahren den Alltag der Familie Fuguta. Im Mittelpunkt aller Geschichten steht Sazae, eine lebhafte Hausfrau und Mutter. Zusammen mit ihrem Mann Masuo, dem Sohn Tarao und ihren Eltern lebt die Familie unter einem Dach. Den Kreis der Familie erweitern Sazaes Bruder Katsuo und die Schwester Wakame.
Aktuell gibt es „Sazae-san“ nicht in Deutschland zu streamen.
In den einzelnen Folgen geht es um Geschichten aus dem Alltag, kleine Missverständnisse und nachbarschaftliche Beziehungen. „Sazae-san“ ist die am längsten laufende Anime-Serie und vermittelt traditionelle japanische Werte und Familienzusammenhalt. Fester Ausstrahlungstermin ist der Sonntagabend. In Japan sind die Charaktere landesweit berühmt. Obwohl die Serie schon seit 56 Jahren läuft, altern die Serienfiguren nicht. „Sazae-san“ basiert auf einem Manga der berühmten japanischen Zeichnerin Machiko Hasegawa.
Platz 6: Zeit der Sehnsucht (USA – seit 1965)
Eine klassische US-amerikanische Seifenoper erblickt am 8. November 1965 das Licht der TV-Welt. Die Daily Soap „Zeit der Sehnsucht“ spielt in der fiktiven Stadt Salem. Zunächst erzählt die Serie die Geschichte der wohlhabenden Familie Horton. Um etwas mehr Abwechslung in die Geschichten zu bringen, führen die Drehbuchautoren im Laufe der Jahre die in etwas einfacheren Verhältnissen lebende Familie Brady ein.
Nun braucht es nicht viel Fantasie, welche Spannungen aus dieser Konstellation entstehen werden. Und genau das passiert auch, dunkle Familiengeheimnisse, verbotene Liebschaften und dramatische Wendungen dominieren die täglichen Geschichten über das Leben der Hortons und Bradys. Nach fast 15.000 Folgen haben die TV-Zuschauer immer noch nicht genug davon.
Platz 5: Doctor Who (Großbritannien – seit November 1963)
Wer Science-Fiction bislang eher mit „Star Trek“ oder „Star Wars“ in Verbindung bringt, der hat vermutlich noch nie von „Doctor Who“ gehört. In der BBC lief am 23. November 1963 die erste Folge des „Doktors“, der eigentlich gar kein Arzt ist, aber auf wundersame Weise durch Raum und Zeit reisen kann. „Der Doktor“ stammt vom Planeten Gallifrey und reist in seiner TARDIS, einer als blaue Polizei-Notrufzelle getarnten Zeitmaschine.
Praktischerweise kann „Doctor Who“ seinen Körper regelmäßig regenerieren. Das erspart den Drehbuchautoren unnötige dramaturgische Erklärungen für die regelmäßigen Darstellerwechsel. „Der Doktor“ und seine Begleiter befinden sich im ständigen Kampf gegen Außerirdische und Diktatoren. Mit seiner Mischung aus Abenteuer, Humor und philosophischen Fragen fasziniert „Doctor Who“ seit über sechs Jahrzehnten die TV-Zuschauer, vorrangig in Großbritannien.
Platz 4: General Hospital (USA – seit April 1963)
Eine Krankenhausserie darf in so einer Rangliste nicht fehlen. Im US-amerikanischen Format „General Hospital“ liegt am 1. April 1963 das erste Mal ein Patient im OP unter dem Messer. Wobei, um Arztgeschichten dreht es sich in den Folgen am allerwenigsten. Medizinische Notfälle und dramatische Patienten-Schicksale dienen nur als Rahmen, um die Romanzen zwischen den Ärzten und den anderen Mitarbeitern im Krankenhaus ausgiebig in Szene zu setzen.
Das fiktive General Hospital befindet sich im ebenfalls erfundenen Port Charles. Ihren vorläufigen Höhepunkt feierte die Serie in den 1980er Jahren. Damals heirateten die bei den TV-Zuschauern beliebten Charaktere Luke und Laura, gespielt von Anthony Geary und Genie Francis. Diese Hochzeits-Episode sahen über 30 Millionen Zuschauer. „General Hospital“ gewann unzählige TV-Auszeichnungen in den USA, darunter den Emmy.
Platz 3: Coronation Street (Großbritannien – seit 1960)
Wer die „Lindenstraße“ noch kennt, der kennt im Grunde auch „Coronation Street“ aus Großbritannien. Diese TV-Serie startete am 9. Dezember 1960 in der BBC und diente 25 Jahre später als Basis für Hans W. Geißendörfer und sein Serienformat „Lindenstraße“. Die Geschichten der dortigen Bewohner waren allerdings im Jahr 2020 auserzählt. In der „Coronation Street“ hingegen können britische Zuschauer weiterhin in die Wohnzimmer der dort lebenden Familien blicken. Auch hier geht es um ein möglichst realitätsnahes Abbild, in dem Falle der britischen Gesellschaft.
Aktuell gibt es „Coronation Street“ nicht in Deutschland zu streamen.
Im Mittelpunkt stehen vor allem Menschen aus der Arbeiterklasse, die sich regelmäßig im Pub „Rovers Return“ begegnen. Immer wieder geht es um die täglichen Probleme des Alltags, Familiendramen und Nachbarschaftskonflikte. Die Figur Ken Barlow, dargestellt durch den Schauspieler William Roache, gehört zu den Ikonen der Serie. Er spielt seine Rolle seit der ersten Folge ohne Unterbrechung. Wie damals die „Lindenstraße“ auf dem Studiogelände des WDR existiert auch die „Coronation Street“ als feste Außenkulisse. Diese entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer Touristenattraktion.
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Platz 2: Unser Sandmännchen (DDR, BRD – seit 1959)
Wer kennt es nicht: Das Sandmännchen. Entwickelt zunächst als Radioformat in den 1950er Jahren lief am 22. November 1959 die erste TV-Folge im Deutschen Fernsehfunk (DFF), dem staatlichen Sender der DDR. Vom Sandmännchen gibt es schon in dieser Frühphase des Fernsehens eine ost- und westdeutsche Variante. Sämtliche Folgen werden mit der sogenannten Stop-Motion-Technik in Szene gesetzt.
In beiden Formaten reist das Sandmännchen in fantastischen Fahrzeugen durch die Welt, erlebt fantasievolle Geschichten und wünscht dem Kinderpublikum am Ende jeder Folge eine gute Nacht und süße Träume. Mit dem Ende der DDR lebt das Ost-Sandmännchen im TV weiter. Die Figur hat Generationen von Kindern in den Schlaf begleitet. Somit gehört das Sandmännchen zu einem bedeutenden Teil deutscher TV-Geschichte.
Platz 1: Blue Peter (Großbritannien – seit 1958)
Der Spitzenreiter in dieser Rangliste ging ziemlich genau ein Jahr vor dem Sandmännchen auf Sendung, am 16. Oktober 1958. „Blue Peter“ ist keine klassische TV-Serie, in denen abgeschlossene Geschichten erzählt werden. Die britische Serie ist eine bunte Mischung aus „Sendung mit der Maus“ und „1, 2 oder 3“. In jeder Folge dreht sich alles um Bastelanleitungen und verschiedene Wettkämpfe, garniert mit Reportagen und Interviews.
Aktuell gibt es „Blue Peter“ nicht in Deutschland zu streamen.
„Blue Peter“ kombiniert Bildung und Unterhaltung kindgerecht und auf spielerische Weise. Legendär ist das sogenannte Blue-Peter-Abzeichen, mit dem Kinder von den Moderatoren für besondere Leistungen ausgezeichnet werden. Dieses Format inspirierte mehrere Generationen britischer Kinder und ist für seine pädagogische Qualität mit TV-Preisen überhäuft worden. Seine Langlebigkeit zeigt vor allem die anhaltende Relevanz von „Blue Peter“ auch in der heutigen, eher digital geprägten Welt.