13. Januar 2026, 15:57 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Als kostenfreie Video-Plattform ist YouTube auf Werbung angewiesen, um den Content Creators Geld ausschütten und die eigene Server-Infrastruktur am Laufen halten zu können. Doch nicht alle sind mit der immer weiter wachsenden Masse an Werbeanzeigen einverstanden – vor allem, wenn diese nicht überspringbar sind. Ein erstes Land geht jetzt genau gegen dieses Geschäftsmodell vor.
Klare Vorgaben für Werbung in Videos
Die vietnamesische Regierung hat die Regeln für Online-Werbung deutlich verschärft. Neue Vorgaben sollen Nutzer besser vor aufdringlichen oder irreführenden Anzeigen schützen und mehr Kontrolle beim Konsum digitaler Inhalte ermöglichen. Die Regelungen treten am 15. Februar 2026 in Kraft und betreffen Plattformen, Werbedienstleister sowie Telekommunikationsunternehmen gleichermaßen.
Wie „Viet Nam News“ berichtet, muss in Videoanzeigen und animierten Bildfolgen künftig nach spätestens fünf Sekunden eine Option zum Überspringen erscheinen. Online-Plattformen dürfen Nutzer nicht mehr dazu zwingen, längere, nicht überspringbare Werbeclips anzusehen – unabhängig von Gerät oder Dienst.
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Strengere Regeln für Pop-up-Anzeigen
Auch Pop-up-Anzeigen, die während der Nutzung von Inhalten erscheinen und den Bildschirm teilweise oder vollständig verdecken, sind von den neuen Vorgaben betroffen. Die Regeln sehen vor, dass die Anzeigen keine falschen oder irreführenden Schaltflächen zum Schließen enthalten dürfen.
Das Schließen einer Pop-up-Anzeige muss mit einer einzigen Handlung möglich sein. Mehrstufige oder versteckte Mechanismen sind nicht mehr erlaubt – das soll unbeabsichtigte Klicks verhindern. Wartezeiten sind ebenfalls unzulässig.
Zusätzlich müssen alle Online-Anzeigen klar erkennbare Optionen bieten, um unzulässige Inhalte zu melden. Nutzer müssen außerdem die Möglichkeit haben, Werbung abzulehnen, zu schließen oder die Anzeige vollständig zu beenden.
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Bei Verstoß droht die Sperrung
Werbetreibende, Dienstleister, Inhaltsverteiler und Publisher sind verpflichtet, rechtswidrige Werbung innerhalb von 24 Stunden nach Aufforderung durch das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus und andere zuständige Behörden zu entfernen. Erfolgt keine fristgerechte Entfernung, drohen technische Sperrmaßnahmen. Diese sollen eine weitere Ausspielung der Werbung verhindern.
Auch Telekommunikationsunternehmen und Internetanbieter stehen in der Pflicht. Sie müssen den Zugang zu illegalen Werbeanzeigen und entsprechenden Diensten innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach offizieller Anordnung blockieren. Die Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Werbung den Zugriff auf Inhalte nicht unverhältnismäßig einschränkt. Heißt im Klartext: keine Verzögerungen oder Zwangsunterbrechungen.
Auf Reddit sind Nutzer von Vietnams Vorstoß begeistert und wünschen sich, dass weitere Länder ähnliche Vorgaben einführen. Im Fokus steht hier vor allem Werbung auf YouTube, da die Plattform mit etwa 2,7 Milliarden Nutzern eine enorme Reichweite hat. Viele kritisieren das Ausmaß an Werbung auf der Plattform und den angeblichen Anstieg der Zahl und Dauer der Anzeigen. YouTube selbst hat mehrfach dementiert, gezielt längere Werbeclips auszuspielen.