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„Immer mehr KI-Müll – deswegen habe ich keine Lust auf Spotify!“

Spotify, KI-Symbol und TECHBOOK-Redakteur Woon-Mo Sung
TECHBOOK-Redakteur Woon-Mo Sung findet die Entwicklung zu KI-generierten Inhalten bei Spotify problematisch Foto: Getty Images, Montage: TECHBOOK
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Woon-Mo Sung
Redakteur

25. Juli 2025, 15:53 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ich liebe Musik und lasse meine Gehörgänge täglich von verschiedenen Genres, von Rap bis Rock oder von Filmmusik zu Elektro, beschallen. Der Bekanntheitsgrad der Künstler spielt dabei keine Rolle – Millionenseller wie Lana Del Rey oder Dua Lipa finden ihren Weg ebenso auf meinen Plattenteller wie die Karlsruher Doom-Metaller von Coltaine. Und apropos Plattenteller: Ja, seit fünf Jahren hege und pflege ich eine stetig anwachsende Vinylsammlung, die sich wunderbar neben meiner soliden CD-Sammlung macht. Musik-Streaming kommt mir hingegen nicht in die Ohren. Und da auch immer mehr KI-Müll bei Spotify grassiert, habe ich auch echt keine Lust auf die Plattform.

Songs und ganze Bands von KI bei Spotify

Von immer kürzer werdenden Songs zu unfairer Bezahlung – es gibt einige gute Gründe, Musik-Streaming kritisch zu beäugen. Und besitze ich eigentlich überhaupt, wofür ich bezahle? Gar nicht, man blättert ja die eigenen Euros lediglich für den Zugriff hin, nicht für die Kunst an sich. Dabei besitze und unterstütze ich gerne und beides gestattet mir das Streaming von Musik nicht oder nur sehr eingeschränkt. Nun machen seit einiger Zeit wiederholt Meldungen zu KI bei Spotify die Runde, die mich garantiert nicht bekehren werden, sondern mich in meiner ablehnenden Haltung bestätigen.

Erst im August 2024 räumte die Spotify-Musikchefin für den deutschsprachigen Raum Conny Zhang im TECHBOOK-Interview ein, dass es unter anderem KI-generierte Songs bei Spotify gebe. Mittlerweile ist es aber offenbar dabei nicht geblieben: Auf dem Streaming-Dienst sorgte vor Kurzem etwa die Band The Velvet Sundown für Schlagzeilen, die vollständig KI-generiert ist. KI-Musik ist aber kein Spotify-exklusives Phänomen. Deezer etwa gab in einer Pressemitteilung an, dass 18 Prozent aller neuen Musik vollständig mit Hilfe künstlicher Intelligenz entstanden ist.

Na klasse, ich spüre schon meine Wertschätzung gegenüber dem künstlichen Nicht-Handwerk im Anbetracht solcher Nachrichten ins Unermessliche steigen. Nicht. Warum zum Teufel sollte ich das in irgendeiner Form respektieren? Weil sich jemand „die Mühe“ gemacht hat, ein paar (sicher elaborierte) Prompts aufzuschreiben? Gratuliere, Sie haben erfolgreich Kunst imitiert.

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Neue KI-Songs bei Spotify zu toten Künstlern

Den Vogel schießt für mich aber die aktuelle Meldung ab, wonach bei Spotify neue, KI-generierte Songs bekannter Künstler erschienen sind – die aber längst verstorben sind. Das berichtet jedenfalls „404Media“. Weder deren Familien noch Plattenfirmen sollen darüber in Kenntnis gesetzt worden sein.

Zwar soll in einem Fall ein neues Lied wieder entfernt worden sein. Allerdings betrifft das Problem mehrere Profile verstorbener Musiker. Spotify hat sich zum Vorfall geäußert und beteuert, dass dies gegen bestehende Nutzungsregeln der Plattform verstoße und dass Wiederholungstäter dauerhaft von der Plattform ausgeschlossen werden.

Schön, Spotify. Das mögen vielleicht die richtigen Worte sein und das Löschen derartiger Inhalte ist grundsätzlich zu begrüßen. Aber was bringt das, wenn man gleichzeitig die Möglichkeiten zur Wiederholungstat bereitstellt? Das erinnert an Social-Media-Portale wie Facebook oder Instagram, die mit der Löschung fragwürdiger Inhalte nicht mehr hinterherkommen und in einem Sumpf aus KI-Inhalten, Fake-News, Propaganda und Hetze aus allen Richtungen in alle Richtungen versinken.

Lassen wir uns doch bequem und passiv von KI überschwemmen

The Velvet Sundown haben als virtuelle Geister-Band Millionen Streams dank KI bei Spotify generiert. Die meisten Hörer dürften nicht bemerkt haben, dass etwas nicht stimmt. Trotzdem haben die musikalischen Avatare ein größeres Publikum erreicht als so manche Indie-Acts. Und das ist bitter, für Musikschaffende wie auch für Liebhaber. Denn was erfolgreich ist, vermehrt sich – auch wenn es falsch ist.

Und weil die Massen am Ende des Tages doch zu bequem und faul sind und immer mehr nur nebenher und ohne Aufmerksamkeit konsumieren, könnten sich KI-generierte Songs langsam, aber sicher ausbreiten. Bis auch Spotify, Deezer und andere jegliches Vertrauen von Künstler und Fans verspielen. Tatsächlich gibt es ganze Sub-Genres, in denen Musiker bereits ihren Traum von einer Karriere wegen KI aufgegeben haben.

Also was tun? Ich für meinen Teil habe nie ein Spotify-Abo gehabt und werde mir auf absehbare Zeit auch keines zulegen. Ich werde auch weiterhin auf Echtes setzen – physische Medien, die ich mitunter auch bei Konzerten echter Menschen als Souvenir shoppe. Am Ende ist ja auch das Menschengemachte das, was Respekt abverlangt. Wobei „menschengemacht“: Wenn ich mir anhöre, was mir aus der modernen „HipHop“-Richtung an prolligem, grundschulsprachlichem und autogetuntem Gejaule im Mainstream entgegenblökt, könnte man direkt meinen, dass Mensch und Maschine schon längst fusioniert sind. Das Publikum bekommt, was es verdient.

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