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Ehemals TV Now

Lohnt sich RTL+? Streaming-Dienst im Test

TV Now: Junges Paar sitzt vor dem Fernseher
Was taugt der Streaming-Dienst der RTL-Gruppe?Foto: Getty Images

Video-Streaming boomt dank Netflix und Co., weswegen auch die Fernsehsender aufgerüstet haben. Die Lösung der Mediengruppe RTL heißt RTL+ und verbindet Live-Fernsehen mit klassischem Streaming.

In Zeiten, in denen die Leute zunehmend daran gewöhnt sind, Filme und Serien nach Wunsch auf Abruf zu schauen, müssen die klassischen Fernsehsender schauen, wo sie bleiben. Eine Lösung liegt in eigenen Streaming-Diensten, die zum einen als Mediathek für linear ausgestrahlte Formate dienen und zum anderen auch zunehmend exklusive Inhalte zur Verfügung stellen. Bei der RTL Group heißt der entsprechende Dienst seit Anfang November 2021 RTL+. Früher war das Angebot unter dem Namen TV Now bekannt. TECHBOOK hat es sich genau angeschaut und den Streaming-Dienst getestet.

Was ist RTL+, ehemals TV Now?

Der Streaming-Dienst RTL+ gehört zur Mediengruppe RTL und umfasst damit in erster Linie die großen Sender RTL und Vox, aber beispielsweise auch NITRO und ntv. Die Plattform existiert bereits seit 2007 und war damals noch unter dem Namen RTLnow sowie anschließend nowtv.de und TV Now bekannt. Abonnenten können in erster Linie die auch im Fernsehen ausgestrahlten Formate streamen. Seit 2019 produziert RTL+, damals noch unter dem Namen TV Now, außerdem exklusive Streaming-Inhalte. Das Angebot setzt sich dementsprechend aus Live-Fernsehen, das parallel im Internet gestreamt und auch im Nachhinein angeschaut werden kann, sowie klassischen Serienformaten wie etwa „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zusammen.

Große, bereits abgedrehte Formate wie etwa „Der Bachelor“ können Abonnenten teilweise vor der Ausstrahlung im linearen Fernsehen streamen. Außerdem stehen viele RTL- und Vox-Produktionen der vergangenen Jahre in einer großen Mediathek zur Verfügung. Darunter auch Quotenhits wie „Let’s Dance“ oder „Deutschland sucht den Superstar“. Damit steht RTL+ unter anderem in direkter Konkurrenz zu Joyn, dem strukturell ähnlichen Angebot der privaten Sender Pro7 und Sat1.

Inhalte – was gibt es genau zu sehen?

Neben den bereits erwähnten eigenen Fernsehformaten von RTL und Vox landen bei RTL+ inzwischen auch diverse Inhalte, die nicht im Fernsehen zu sehen sind, sogenannte Originals. Aktuell ist das etwa „KBV – keine besonderen Vorkommnisse“ mit Jürgen Vogel, Serkan Kaya und Annette Frier. Daneben kauft RTL+ fleißig große Serien und Filme aus dem Ausland ein, die dann als Stream zur Verfügung stehen. Momentan im Portfolio sind etwa große Namen wie „Grey’s Anatomy“, „Pretty Little Liars“, „Gossip Girl“ oder „Fifty Shades of Grey“.

Die Inhalte folgender Sender sind über die App von RTL+ abrufbar:

  • RTL HD
  • RTLplus HD
  • Geo Television
  • Nitro HD
  • N-tv HD
  • RTL Living HD
  • NOW! HD
  • RTL Passion HD
  • RTL Crime HD
  • Toggo Plus HD
  • Super RTL HD
  • RTL II HD
  • VOXup
  • VOX HD

RTL+ ist damit längst nicht mehr nur eine bloße Mediathek für RTL und Vox. Das erweiterte Angebot macht die Plattform zu einem echten Streaming-Anbieter, der zwar im Umfang nicht an Giganten wie Netflix heranreicht, aber dennoch im deutschsprachigen Raum eine günstige Unterhaltungsmöglichkeit bietet.

Künftig soll das Angebot digital erweitert werden. Durch die bevorstehende Zusammenführung mit Gruner + Jahr zum 1. Januar 2022 verfügt RTL Deutschland über Premiuminhalte in den Bereichen Video, Audio, Podcast und Magazine. Für Hörbücher kooperiert der Anbieter mit der deutschsprachigen Penguin Random House Verlagsgruppe, die wie auch RTL Deutschland zum Medienkonzern Bertelsmann gehört. Im Bereich Musik hat RTL Deutschland eine Partnerschaft mit Deezer geschlossen, einem der international führenden Audio-Streaming-Dienste. Die neue Entertainment-Plattform soll das erste „One app, all media“-Angebot auf dem Markt werden, so der Anbieter. Ein neuer Empfehlungsalgorithmus analysiert dabei Text-, Audio- und Videoinhalte und soll Nutzern stets passende Vorschläge machen.

Preise und Abo-Modelle von RTL+

Wer sich für RTL+ interessiert, kann aus zwei beziehungsweise drei Preismodellen wählen:

  • Free (0,00 Euro im Monat)
  • Premium (4,99 Euro im Monat)
  • Premium Duo (7,99 im Monat)

Die kostenlose „Free“-Version gewährt Zugriff auf eine beschränkte Anzahl von Inhalten sowie den Inside-Bereich. Dieser enthält Backstage-Informationen zu den im Fernsehen ausgestrahlten Serien und Einblicke in die Arbeit der Sender. Videos stehen bei dieser Option allerdings nur in Standard-Qualität mit bis zu 1,5 Mbit/s zur Verfügung.

Abonnenten mit dem „Premium“-Zugang erhalten Zugriff auf die Originals des Streaming-Dienstes und können alle Videos in HD-Qualität (bis zu 8,5 Mbit/s) streamen. Darüber hinaus stehen alle 14 Sender der Mediengruppe über das Portal zur Verfügung sowie die eben erwähnte Pre-TV-Option, mit der ausgewählte Inhalte vor TV-Ausstrahlung zur Verfügung stehen. Mit einem Premium-Account können Sie auch die RTL+-App auf Ihren mobilen Endgeräten nutzen.

Die Plattform bietet außerdem noch die Option Premium Duo für 7,99 Euro im Monat. Zusätzlich zu den Vorteilen von RTL+ Premium ist dann der Stream auf zwei Geräten parallel möglich. Das Abspielen von Videos läuft außerdem komplett werbefrei und eingekaufte Inhalte stehen auch im Originalton zur Verfügung. Einige Eigenproduktionen sind ebenfalls erst mit Premium Duo abrufbar; entsprechende Videos sind in der Mediathek gekennzeichnet.

 FreePremiumPremium Duo
Preis (Euro im Monat)0,004,997,99
Insiderjajaja
Persönliche Empfehlungenjajaja
Originalsneinjaja
Live-TVneinjaja
QualitätSDHDHD
Pre-TVneinjaja
DevicesWebWeb, App, GeräteWeb, App, Geräte
Originaltonneinneinja
Gleichzeitiger Stream112
Test30 Tage gratis30 Tage gratis
Kündigungsfrist30 Tage30 Tage
Werbungjaja (1 Spot)nein

[/sc]

Account Sharing ist bei RTL+ nicht erwünscht, weswegen der Abruf von Videos auf fünf Endgeräte gedeckelt ist. Ist diese Grenze erreicht, müssen die Geräte manuell entfernt und wieder hinzugefügt werden. Es gibt zwar kein Jahresabonnement, dafür ist das Preis-Leistungsverhältnis einwandfrei und alle Bezahl-Optionen können Sie jederzeit mit 30-tägiger Frist kündigen. Leider gibt es auch keine günstigeren Modelle für Schüler oder Studenten, was bei den generell eher niedrigen Preisen aber nicht so sehr ins Gewicht fällt. Über die unterschiedlichen Profile kann außerdem in den Einstellungen eine PIN festgelegt werden, um etwa einen Account kindersicher einzurichten.

Verfügbare Geräte und Sender

Wer einen der beiden Premium-Accounts bei RTL+ bucht, kann den Streaming-Dienst auch in der App-Version abrufen. Free-Nutzern steht hingegen nur die Möglichkeit offen, die Plattform über die Web-Version zu erreichen. Mit der App kompatible Geräte sind bisher der Fire TV von Amazon, Apple TV, Android TV, der Google Chromecast und der Sky-Q-Receiver. Außerdem unterstützt die App Apple AirPlay.

Die Web-Version ist sehr intuitiv nutzbar. Während oben ein Highlight-Bereich mit den größten eigenen Formaten zum Einstieg lockt, sind auch die Kategorien weiter unten sehr nutzerfreundlich unterteilt. So gibt es etwa eine Spalte mit kinderfreundlichen Inhalten, weiter unten werden auch Fans von Dating-Shows a la „Temptation Island“ oder „Prince Charming“ fündig.

Die Webseite von RTL+
Die Webseite von RTL+Foto: TECHBOOK

Die RTL+-App für Smartphone und Co.

Die RTL+-App steht für iOS– und Android-Geräte zur Verfügung. Dabei ist die App genau wie die Web-Version sehr einfach zu handhaben und auch genauso aufgebaut. Gerade für alte Streaming-Hasen dürfte die Bedienung kein Problem sein. Die Streaming-Qualität war im Test sowohl auf dem Smartphone als auch dem Tablet einwandfrei. Wer ein Video nicht bis zum Ende geschaut hat, kann sich beim nächsten Abruf entscheiden, ob er es von vorne streamen oder an die entsprechende Stelle zurückspringen möchte.

Apps von RTL+
Die Apps von RTL+ sind übersichtlich gestaltetFoto: TECHBOOK

Testfazit: Das taugt RTL+

TECHBOOK meint

„Ich habe den Streaming-Dienst der RTL Group vier Wochen intensiv getestet. Dabei hat mich die Qualität des Angebots doch etwas überrascht. Natürlich sind die Inhalte in erster Linie auf die Zielgruppe der Sender ausgelegt und die kommen dann auch an erster Stelle auf ihre Kosten. Da lohnt sich etwa besonders die Pre-TV-Funktion, bei der man noch vor der Ausstrahlung im Fernsehen erfährt, wie es weiter geht. Außerdem konnte ich viele alte Folgen „Let’s Dance“ nachschauen, meiner geheimen kleinen Leidenschaft, und mir außerdem im Stream am Samstagabend die vielen nervigen Werbepausen im Live-TV sparen.

Das Handling sowohl der Seite als auch der App fand ich sehr einfach zugänglich und die Mediathek übersichtlich strukturiert. Die Originals, die ich in den vergangenen Wochen angeschaut habe, haben mir auch gut gefallen und passend zu „Let’s Dance“ gab es beispielsweise auch eine Sammlung älterer und neuerer Tanzfilme wie „Streetdance“, „Fame“ oder der „Step Up“-Reihe. Technische Probleme gab es während des kompletten Testzeitraums im Übrigen kein einziges Mal.

Die Preispolitik ist zwar etwas eindimensional, aber dem Angebot durchaus angemessen. Ich als Streaming-Junkie mit Netflix-, Amazon-Prime-, Disney+-, Joyn- und Viki-Account muss sagen, dass ich RTL+ als sehr schöne Ergänzung empfunden habe. Als alleiniger Streaming-Anbieter wäre er mir etwas zu mager ausgestattet. Wer allerdings ohnehin in erster Linie die Fernsehshows von RTL und Co. guckt, dem reichen die angebotenen Inhalte vom Umfang her wahrscheinlich auch.“ – Marlene Polywka, Redakteurin

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