10. November 2025, 16:20 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Nicht nur Bankfilialen verschwinden in Deutschland zusehends, auch die Standorte der Deutschen Post haben in jüngster Zeit abgenommen. Das Unternehmen setzt stattdessen zunehmend auf Automaten – was nicht immer auf Gegenliebe stößt.
Die Automaten der Deutschen Post sollen das Filialnetz trotz Strukturwandel und Personalmangel aufrechterhalten. Dank neuer gesetzlicher Grundlagen wurden bereits 72 Postautomaten als vollwertiger Filialersatz anerkannt – weitere Hunderte könnten folgen. Während die Post damit ihre Versorgungspflicht erfüllen will, gibt es aus Politik und Sozialverbänden deutliche Kritik.
Post ersetzt Filialen durch Automaten
Die Anerkennung der Postautomaten als reguläre Filialen beruht auf einer Gesetzesänderung vom Jahresbeginn 2025. Bis Ende September wurden insgesamt 629 entsprechende Anträge eingereicht, wovon 553 noch geprüft werden. Vier Anträge zog die Post selbst zurück.
Die Deutsche Post betreibt deutschlandweit aktuell rund 12.600 Filialen – überwiegend in Supermärkten oder Kiosken. Sollten alle Anträge genehmigt werden, würden künftig rund fünf Prozent dieser Standorte durch Automaten ersetzt. Besonders betroffen sind ländliche Regionen, in denen es durch das Aussterben kleiner Läden zunehmend schwieriger wird, klassische Partnerfilialen zu betreiben. Derzeit bestehen 160 Pflichtstandorte, an denen die Post ihrer gesetzlichen Präsenzpflicht nicht nachkommt.
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Kritik und Barrierefreiheit als Knackpunkte
Die Automaten erlauben es, Briefe und Pakete abzugeben und abzuholen, Briefmarken zu kaufen sowie Videoberatung in Anspruch zu nehmen. Ein Benutzerkonto bei der Post ist jedoch Voraussetzung. Verbraucher müssen somit in gewisser Weise digital vernetzt sein. Ein Vorteil ist hingegen, dass die Geräte rund um die Uhr zugänglich und mitunter per Solar mit Strom versorgt sind.
Während die Post betont, dass Automaten kein vollständiger Ersatz, aber eine wichtige Ergänzung seien, stoßen sie auf deutliche Kritik. Der Deutsche Landkreistag warnt vor einem Rückzug aus der Grundversorgung. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff fordert, dass Automaten die Ausnahme bleiben müssen – maximal jede zwanzigste Filiale solle ersetzt werden. Auch der Sozialverband VdK bemängelt mangelnde Barrierefreiheit: Viele Automaten seien für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Sehbehinderung schwer nutzbar. Ältere Menschen seien zudem auf persönliche Hilfe angewiesen.
Die Post kündigte an, Barrierefreiheit und Inklusion bei künftigen Geräten stärker zu berücksichtigen. So sind einige der aufgestellten Automaten der Post bereits rollstuhlgerecht, und eine Blindenschriftfunktion soll nachgerüstet werden.
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Automaten statt provisorischer Filialen
Um die gesetzliche Filialnetzpflicht zu erfüllen, betreibt die Post bislang rund 1200 provisorische Standorte, etwa in Containern oder leerstehenden Läden. Diese Übergangslösungen will das Unternehmen schrittweise durch genannte Automaten ersetzen. Damit sollen auch personelle Engpässe und eingeschränkte Öffnungszeiten in bestehenden Filialen kompensiert werden.