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Milliardendeal

Übernahme von Media Markt und Saturn durch chinesischen Konzern bestätigt

Logo von Media Markt an einem Gebäude
JD.com hat ein konkretes Angebot für die Übernahme von Media Markt und Saturn vorgelegt Foto: Getty Images
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31. Juli 2025, 14:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Lange Zeit liefen die Gespräche, nun sind die Verhandlungen einen ordentlichen Schritt vorangekommen. Der chinesische E-Commerce-Gigant JD.com hat ein konkretes Angebot für die Übernahme von Media Markt und Saturn vorgelegt. Es ist ein Milliardendeal.

Milliarden-Angebot zur Übernahme von Media Markt aus China

Die Ceconomy AG, Konzernmutter von Media Markt und Saturn, hat bereits vor einigen Tagen in einer Pressemitteilung bestätigt, dass sie sich in „fortgeschrittenen Verhandlungen“ mit JD.com befindet. Nun hat man sich offenbar geeinigt. Die beiden Elektronik-Ketten gehen somit an den chinesischen Konzern, die Familie Kellerhals behält über ihre Beteiligungsgesellschaft Convergenta rund 25,35 Prozent an der Ceconomy AG – weiterhin mit Sperrminorität.

JD.Com möchte den Aktionären des Unternehmens – wie bereits zuvor geplant – je 4,60 Euro in bar pro Stammaktie zahlen. TECHBOOK hatte sich die Ceconomy-Aktien vor einigen Tagen genauer angeschaut, um herauszufinden, in welcher Größenordnung der Deal angesiedelt ist. Am 25. Juli wurden die Papiere mit 4,24 Euro gehandelt, das Angebot seitens JD.com ist daher recht großzügig. Basierend auf Informationen von Comdirect liegt die Zahl der Ceconomy-Stammaktien bei 485,22 Millionen Euro. Bei einem Wert von 4,60 Euro pro Aktie ergibt das ein Übernahme-Angebot in Höhe von 2,23 Milliarden Euro – deutlich über dem derzeitigen Marktkapital von 2,05 Milliarden Euro.

Media-Markt-Gründerfamilie noch beteiligt

Media Markt wurde von Erich und Helga Kellerhals im Jahr 1979 mitgegründet. 1990 übernahm der Konzern den Konkurrenten Saturn. Beide Marken sind seit 2014 in der MediaMarktSaturn Retail Group GmbH zusammengefasst. Familie Kellerhals hält über ihre Beteiligungsgesellschaft Convergenta heute rund 30 Prozent der Ceconomy-Anteile.

Auch interessant: Immer mehr Filialen schließen – was wird aus Saturn?

Zunächst hielten sich Großaktionär Kellerhals sowie kleinere Anteilseigner wie Meridian, Beisheim und Freenet bezüglich der Vorgespräche und -verhandlungen bedeckt. Mittlerweile hat Familie Kellerhals die Offerte für 3,81 Prozent ihrer Aktien akzeptiert, so das Nachrichtenmagazin „Reuters“. Sie will also mit einem Anteil von rund 25,35 Prozent an Bord bleiben. Die Aktionäre Haniel, Beisheim, BC Equities und Freenet, die gemeinsam rund 27,9 Prozent der Anteile kontrollieren, wollen ihre Aktien an JD.com verkaufen – dies haben sie bereits zugesagt. Zusammen mit Kellerhals haben sich die Chinesen nach eigenen Angaben damit eine Gesamtbeteiligung von 57,1 Prozent gesichert.

Zu Reuters sagte Ceconomy-Chef Kai-Ulrich Deissner: „Es ist genau der richtige Partner zur richtigen Zeit. Über die Partnerschaft haben wir Zugriff auf Technologien, auf weltweit führendes Einzelhandelswissen und auf Lieferketten, die weltweit ihresgleichen suchen.“ 

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Arbeitnehmer reagieren verhalten

Bei den Arbeitnehmern lösten die Pläne zunächst keine Euphorie aus: Die Gewerkschaft Verdi kündigte an, JD.com auf die Finger schauen zu wollen. Als neuer Eigner müsse JD.com „langfristig soziale Verantwortung für die Beschäftigten und die Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland mit übernehmen“, so Verdi-Vertreterin Corinna Groß.

Mit der Übernahme von Media Markt und Saturn sichert sich JD.com Zugriff auf einen der größten Online-Shops für Elektronikartikel in Europa und ein Netz von etwa 1000 Märkten in mehreren europäischen Ländern. JD.com konkurriert mit Online-Riesen wie Amazon und Alibaba und verfügt bei einer Übernahme nun auch über Filialen und ein breites Logistik-Netzwerk in Europa. Der Konzern wird damit auch unabhängiger vom zuletzt immer wieder kriselnden chinesischen Markt.

Im Handelsstreit mit den USA ist Europa noch interessanter für die Volksrepublik geworden. JD.com war zuletzt auch in anderen europäischen Ländern aktiv geworden. 2022 hatte der Konzern die Omnichannel-Plattform Ochama in den Niederlanden ins Leben gerufen, in Großbritannien läuft ein Pilotversuch für den Online-Marktplatz Joybuy.

Marken Media Markt und Saturn bleiben bestehen

Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen über ein mögliches Engagement asiatischer Investoren bei Ceconomy. JD.com wolle dabei helfen, den erfolgreichen Umbau des Konzerns voranzutreiben, sagte JD.com-Chefin Sandy Xu.

Die Marken Media Markt und Saturn blieben nach der Übernahme erhalten. Auch die Ceconomy-Zentrale behält ihren Sitz in Düsseldorf. Zudem wurde für drei Jahre ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ab Closing der Transaktion vereinbart. Tarifverträge und Mitbestimmung blieben demnach ebenfalls erhalten.

Laut Ceconomy-Chef Kai-Ulrich Deissner könnte die Transaktion bald über die Bühne gehen: „Das Closing wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 erfolgen.“ Mit großen Problemen durch die Kartellämter rechnet er nicht: „Wir sind überzeugt, dass es keine unüberwindbaren kartellrechtlichen Hürden geben wird.“

Mit Material von Reuters

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