19. September 2025, 12:48 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Die geplante Übernahme der Elektronikfachmärkte Media Markt und Saturn durch den chinesischen Konzern JD.com hat die Freigabe der Wettbewerbsbehörden erhalten. Was das für die Konzerne bedeutet, erklärt TECHBOOK.
Keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken
Das Bundeskartellamt hat die Übernahme durch JD.com genehmigt, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Präsident Andreas Mundt erklärte: „JD.com ist bislang nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv.“ Bislang gebe es nur relativ kleine Online-Shops wie etwa Joybuy. Daher gebe es beim Zusammenschluss „nur wenige wettbewerbliche Berührungspunkte“ und somit keinen Anlass für kartellrechtliche Einwände.
Der chinesische Online-Händler JD.com hatte Ende Juli bekanntgegeben, die Ceconomy AG – die Konzernmutter der Elektronikketten Media Markt und Saturn – übernehmen zu wollen. Mit der Freigabe der Behörde ist nun ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Vollzug der Transaktion geschafft. JD.com ist dem Kartellamt zufolge „Chinas größter Einzelhändler nach Umsatz“ und betreibt ein umfassendes Logistik-Netzwerk.
Übernahme von Media Markt und Saturn durch chinesischen Konzern bestätigt
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JD.com bietet Milliarden für Media Markt und Saturn
Die Gespräche um eine mögliche Übernahme von Media Markt und Saturn durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com laufen bereits seit Monaten. Im Juli hat die Ceconomy AG bekannt gegeben, dass JD.com ein Übernahmeangebot in Höhe von 4,60 Euro pro Aktie gemacht habe.
Mit rund 2,23 Milliarden Euro liegt der Preis deutlich über dem aktuellen Börsenwert. Die Gründerfamilie Kellerhals, die seit Jahrzehnten eng mit Media Markt verbunden ist, bleibt mit einem Anteil von mehr als 25 Prozent beteiligt und sichert sich damit weiterhin Einfluss.
Weitreichende Folgen für den heimischen und den globalen Markt
Der Einstieg von JD.com bringt für Ceconomy weitreichende Veränderungen mit sich. Neben dem Kapital verspricht sich der Konzern durch die Partnerschaft Zugang zu modernster Handels- und Logistiktechnologie sowie zu globalen Lieferketten. Die Marken Media Markt und Saturn sollen vorerst bestehen bleiben, ebenso wie der Sitz der Unternehmenszentrale in Düsseldorf. Auch die Arbeitsplätze sind auf kurze Sicht gesichert. Für mindestens drei Jahre sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, Tarifverträge und Mitbestimmung bleiben erhalten. Dennoch reagierten Arbeitnehmervertreter zunächst zurückhaltend – Gewerkschaften fordern, dass der neue Eigentümer seine soziale Verantwortung ernst nimmt.
Für JD.com bedeutet die Übernahme einen wichtigen strategischen Schritt. Mit dem europaweiten Filialnetz von rund 1000 Märkten verschafft sich der Konzern nicht nur eine starke Präsenz im stationären Handel, sondern auch eine größere Unabhängigkeit vom schwächelnden Heimatmarkt. Gleichzeitig rüstet sich JD.com im Wettbewerb mit Amazon und Alibaba, indem es die starke Marktstellung von Media Markt und Saturn in Europa nutzt.