6. Dezember 2025, 16:13 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Was passiert eigentlich, nachdem man beim Online-Händler Amazon auf den Bestellen-Button klickt? Genau das wollte TECHBOOK herausfinden und machte sich daher auf den Weg in ein Amazon-Logistikzentrum. Dort lagern Millionen von Produkten.
Wir bestellen ein Produkt bei Amazon. Nur einen Tag später klingelt der Paketbote an der Tür und stellt die Ware zu. Aber was passiert eigentlich dazwischen? Wer nimmt die Bestellung überhaupt entgegen und wo genau befinden sich die Waren? Wie kann es sein, dass Amazon so schnell liefern kann, und zwar so viele Produkte? Welchen Weg nimmt ein bestellter Artikel also im Amazon-Logistikzentrum, bis er im Zustellfahrzeug landet? Um diese Fragen zu beantworten, hat sich Andreas Filbig für TECHBOOK nach Brandenburg begeben, in eine Welt voller Logistik, Abstimmung und Zeitdruck.
Wie es dort aussieht, siehst Du im Video:
So funktioniert die Amazon-Logistik in Deutschland
Das Rückgrat der Versandstruktur von Amazon sind 23 Logistikzentren (Stand: Januar 2025), die in der Bundesrepublik verteilt sind. Jedes davon liefert Produkte im eigenen Umkreis aus oder schickt fehlende Produkte an ein anderes Zentrum. In den Logistikzentren lagern alle möglichen Artikel ein. Lokal lassen sich Lieferzeiten so zentral steuern. Zu den Logistikzentren kommen dann noch kleinere Verteilerzentren, die ähnlich funktionieren.
Die Logistikzentren von Amazon unterscheiden sich zwar in der Größe, sind aber ansonsten in den Abläufen gleich organisiert. Für den Raum Berlin kommen die meisten Pakete aus dem Ort Brieselang in Brandenburg bzw. dem gleichnamigen Logistikzentrum. Im Video oben siehst Du den Weg der Bestellung!
Wie sind die Arbeitsbedingungen im Amazon-Logistikzentrum?
Die Abläufe im Logistikzentrum Brieselang sind logistiktypisch sehr gut abgestimmt und jeder Mitarbeiter scheint genau zu wissen, was er zu tun hat. Die einzelnen Stationen sind wie Zahnräder miteinander verbunden, um die Pakete letztendlich rechtzeitig auf die Laster zu laden. Abgesehen von Fließbändern gibt es aber keine Roboterarme, die automatisch packen und verladen. In fast jedem Schritt, von der Anlieferung über die Einsortierung und schließlich das Packen, sind Menschen involviert.
Amazon macht auch in Deutschland immer wieder negative Schlagzeilen. Dem Konzern wird vorgeworfen, keine angemessenen Löhne zu zahlen. Immer wieder legen Mitarbeiter unterschiedlicher Logistikzentren daher die Arbeit nieder und streiken.
Welches Arbeitspensum ein Arbeitstag hat, konnte ich nur schwer einschätzen. Zahlenvorgaben gebe es keine, wie man uns vor Ort sagt. Process Engineer Fabian Richter räumt lediglich ein, dass Mitarbeiter, deren Leistungen unter dem Durchschnitt liegen, dabei unterstützt werden, ihren Workload zu steigern.
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Vorwurf der systematischen Überwachung
Nach unserem Besuch zeichneten Recherchen des NDR und der ARD zu Amazon-Logistikzentren ein ganz anderes Bild vom Arbeitsalltag vor Ort. Ein anonymer Vorarbeiter aus einem der Zentren berichtet von systematischer Überwachung der Mitarbeiter. Er untermauert seine Behauptungen durch Dokumente, die Journalisten von Greenpeace zur Verfügung gestellt wurden. Eine ehemalige Betriebsrätin vom Standort Winsen (Luhe) bestätigte die Vorgänge ebenfalls.
Minutengenau sollen demnach die Arbeitstage elektronisch nachverfolgt werden. Ob das rechtens ist, wurde daher bereits in Form eines Kontrollverfahrens der Datenschutzbehörde in Niedersachsen geprüft.
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Retouren hätten wir auch gerne gesehen
Beim Besuch im Amazon-Logistikzentrum in Brieselang hätten wir uns gerne auch noch angeschaut, was mit den Retouren passiert. Schließlich gibt es immer wieder Stimmen, dass Amazon diese teilweise einfach vernichtet. In Brieselang konnten wir das leider nicht herausfinden, denn dort kommen schlichtweg keine Rücksendungen an.