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Amazon-Kunden in Sorge

So funktioniert der gefährliche „Brushing“-Trick

Ein Amazon-Paket vor einer Haustür
Bei Amazon kann es zum sogenannten „Brushing“ kommen Foto: Getty Images
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Rita Deutschbein, Redaktionsleiterin TECHBOOK
Andreas Filbig TECHBOOK
, Andreas Filbig

23. April 2026, 13:44 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Immer mehr Amazon-Kunden erhalten plötzlich Pakete – obwohl sie nichts bestellt haben. Dahinter steckt eine raffinierte Betrugsmasche namens „Brushing“. Wir erklären, wie sie funktioniert und worauf man achten sollte.

Ein Paket vor der Haustür – aber Du hast nichts bestellt? Kein Einzelfall. Immer häufiger berichten Kunden von Amazon über unerwartete Lieferungen. Der Inhalt: meist billiger Kleinkram wie Handyhüllen, Küchengadgets oder No-Name-Elektronik. Im Amazon-Konto findet sich dazu keine Bestellung. Hierbei könnte es sich um Brushing handeln. Was hat es damit auf sich?

So funktioniert Brushing bei Amazon

Die Betrugsmasche Brushing hat die Manipulation von Bewertungen zum Ziel. Es geht darum, für ein Produkt möglichst viele 5-Sterne-Bewertungen von verifizierten Käufern zu generieren. „Verifizierter Kauf“ sind hierbei die entscheidenden Schlagwörter. Während sich herkömmliche Bewertungen leicht faken lassen, ist das in diesem Fall anders. Nur wer das Produkt wirklich gekauft hat, bekommt den Zusatz zu seiner Bewertung. Er erzeugt so weitaus mehr Glaubwürdigkeit als normale Bewertungen. Die Täter, die nichtbestellte Produkte an Kunden schicken, sind dementsprechend meistens die Verkäufer selbst oder von ihnen Beauftragte.

Doch was haben die Empfänger der Pakete mit der Betrugsmasche zu tun? Bei der Brushing-Methode legen die Betrüger Profile auf fremde Namen an. Auf deren Datensätze können sie entweder zufällig gestoßen sein oder sie gekauft haben. Mit diesen Profilen bestellen sie dann die Waren, die positive Bewertungen brauchen. Die Bewertung schreiben sie als zertifizierter Besteller selbst, die Waren aber landen bei den unwissenden Kunden.

Eine Entwarnung gibt es an dieser Stelle aber. Die Opfer müssen die Waren nicht bezahlen. Im Gegenteil, sie bekommen sie mehr oder weniger geschenkt. Dubiosen Verkäufern, die ihre Produkte auf diese Weise pushen wollen, ist die Bewertung weitaus mehr wert als die Ware. Je günstiger das Verkaufsobjekt, desto lukrativer die Masche.

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Hat man überhaupt Nachteile durch Brushing?

Diese Frage könnte man sich stellen. Zwei Dinge sollten Betroffene aber trotz der kostenlosen Waren bedenken. Zum einen schaden gefälschte Bewertungen am Ende jedem Nutzer von Amazon. Diese Produkte landen durch die Mehrverkäufe und guten Bewertungen automatisch höher im Ranking und werden mehr Menschen angezeigt. Man bekommt also möglicherweise nicht mehr das beste beziehungsweise wirklich beliebteste Produkt vorgeschlagen, auch wenn es den Anschein macht.

Neben diesem eher allgemeinen Problem, gibt es aber noch ein persönliches. Denn irgendwie sind die Betrüger ja an Deine Daten gekommen, um Identitätsdiebstahl zu betreiben. Prüfe also, ob diese online frei einzusehen sind. Dafür reicht meist schon eine Google-Suche aus. Ist dies nicht der Fall, könnten die Daten aus einem Hack stammen. Dann sollte man lieber alle wichtigen Passwörter ändern.

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Was Kunden beim Brushing tun sollten

Zunächst einmal sollte man sicherstellen, dass es sich bei dem empfangenen Paket nicht um ein Geschenk aus dem Bekannten- oder Familienkreis handelt. Kann man das ausschließen, sollte man sich umgehend an Amazon wenden. Dort gibt es sogar eigens eine Hilfeseite zum Thema Brushing. Demnach kann man den Fall beim Amazon-Kundenservice melden, wo man ggf. aufgefordert wird, das Versandetikett zu fotografieren. Danach ist der Fall abgeschlossen. Die Ware kann man trotzdem behalten.

Amazon erklärt, man gehe aktiv gegen Brushing vor, wie „Computer BILD“ berichtet (gehört wie TECHBOOK zur Axel Springer SE). Doch das ist schwierig: Die Täter agieren anonym, mit Fake-Konten und oft außerhalb Europas. Anzeigen gibt es selten – schließlich fehlt ein direkt Geschädigter. Für Amazon bleibt das Problem dennoch groß: Wenn Nutzer dem Bewertungssystem nicht mehr trauen, leidet das gesamte Einkaufserlebnis. Und das könnte am Ende auch echte Händler treffen, die seriös arbeiten.

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Wer ein solches Paket erhält, sollte es dokumentieren (z. B. mit Fotos), nicht zurücksenden und den Amazon-Kundenservice informieren. Adressdaten lassen sich online nur schwer schützen – doch mit einem Konto bei einem Identitäts-Leak-Warnservice (wie „Have I Been Pwned“) lässt sich zumindest prüfen, ob persönliche Daten bereits im Umlauf sind.

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