24. März 2026, 13:33 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Die Suchmaschine ist das, was Google groß gemacht hat. Das Erfolgsrezept: eine einfache Oberfläche und für Nutzer relevante Suchergebnisse. Die Tage der alten Google-Suche sind jedoch längst gezählt. Sponsor-Platzierungen überfrachten die Oberfläche und die Ergebnisse wirken oft nicht mehr passend. Dazu kommen die AI Overviews, die Nutzer von der klassischen Websuche weglocken. Als wäre das noch nicht genug, verändert der Konzern jetzt sogar die Überschriften der Suchergebnisse selbst per KI – mit teils irreführenden Titeln.
Es ist ein direkter Eingriff in die redaktionelle Darstellung von Webinhalten. Online-Publikationen – wie TECHBOOK – wählen Überschriften ganz bewusst. Ein Ändern der Zeilen stellt nicht nur einen Entzug der Eigenständigkeit dar, sondern kann im schlimmsten Fall die ursprüngliche Aussage komplett verdrehen.
KI verdreht Fakten
Diese Erfahrung musste „The Verge“ mit einer Reihe von Artikeln machen, die in der Google-Suche erschienen sind. So machte Google aus der Überschrift „Ich habe das KI-Tool ‚Cheat on everything‘ benutzt, und es hat mir bei nichts geholfen, zu schummeln“ einfach nur „Cheat on everything‘ KI-Tool“. Daraus geht nicht hervor, dass es sich um einen Test handelt, der von der Nutzung abrät. Vielmehr klingt das nach einer Seite, wo man das Tool herunterladen kann – ganz so, als ob „The Verge“ es unterstütze und vertreibe.
Mehrere Google-Sprecher haben sich mittlerweile an die Publikation gewandt, um die Situation zu entschärfen. Es handele sich um ein Experiment, das derzeit in geringem Umfang durchgeführt werde. Der Konzern soll zudem bestätigt haben, dass auch andere Websites betroffen seien. Für die Artikelverantwortlichen ist das kaum nachvollziehbar. Denn einen Hinweis, dass Überschriften angepasst wurden, gebe es nicht.
Google schreibt immer mehr um
„The Verge“-Mitgründer und Senior Editor Sean Hollister vergleicht dieses Vorgehen mit einer „Buchhandlung, die Cover von ausgestellten Büchern reißt und ihre Titel ändert“. Die Konzernmutter Vox Media hat mittlerweile Klage gegen Google eingereicht.
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Immerhin scheinen die Änderungen der Überschriften in der Google-Suche weniger dramatisch als bei Google Discover auszufallen. Denn auch hier hatte Google das Überschriften-Umschreiben getestet – nur um das „Feature“ später an alle auszuspielen.
Die KI-generierten Zeilen verdrehen jedoch die Fakten und verwirren damit die Nutzer. Etwa bei einer Story über einen neuen Streaming-Modus bei der PlayStation Portal. Medien berichteten über eine höhere Bitrate, Google machte daraus eine höhere Auflösung. Oder das Verbot von DJI-Drohnen in den USA, das laut Discover-Überschrift zurückgenommen wurde – das Gegenteil ist der Fall.