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Warum USB den Erfinder nicht reich gemacht hat

Beendet Steckerchaos

Warum USB den Erfinder nicht reich gemacht hat

USB-Stick
USB-Sticks kennt fast jeder, dabei ist der Standard noch gar nicht so alt. Foto: Getty Images

USB kennt heute so gut wie jeder Mensch. Der USB-Stick ist allerdings noch gar nicht so alt. Entstanden ist er aus der Not heraus.

Sie schlummern in Schubladen oder liegen in Kisten verstaut irgendwo im dunklen Keller: USB-Kabel oder USB-Sticks. Der USB-Anschluss ist eine geniale Erfindung. USB steht für Universal Serial Bus und bezeichnet einen Standard, um verschiedenste elektronische Geräte unkompliziert mit einem Computer zu verbinden. Das können sein: Maus, Tastatur, Smartphones, Festplatten oder Kameras. Für alles gibt es bis in die frühen 1990er Jahre eigene Steckverbindungen. Bis eines Tages die Frau von Ajay Bhatt ein paar Texte für die Kinder ausdrucken möchte und scheitert, weil sich der Drucker nicht an den Computer anschließen lässt.

Eine ähnliche Geschichte erlebt der israelische Geschäftsmann Dov Moran. Bei einem Kunden versagt sein Notebook, auf dem sich die einzige Kopie einer wichtigen geschäftlichen Präsentation befindet, die er dem Kunden zeigen möchte. Der Israeli ist Gründer der Firma M-Systems. Seine Firma entwickelt Speichermedien. Aufgrund der peinlichen Notebook-Geschichte, beginnt Dov Moran einen kleinen Stick zu entwickeln, auf dem sich größere Datenmengen speichern lassen. Der Erfinder weiß nur nicht, wie er seinen Stick mit einem Computer verbinden soll.

USB-Standard trifft zunächst auf Widerstand

Irgendwann erfährt Dov Moran von Ajay Bhatt, der beim Computer-Chiphersteller Intel in den USA an einem universellen Anschluss für Speichermedien arbeitet. Der Intel-Mann stellt seine Idee auch bei den ganz großen Computerunternehmen vor. Doch Apple und zunächst auch Microsoft zeigen kein Interesse an einem standardisierten Anschluss.

Das hat gute Gründe, schließlich lassen sich über eigene Anschlüsse Kundinnen und Kunden – im wahrsten Sinne des Wortes – besser an die eigenen Produkte binden. Ob das im Sinne der Kundschaft ist, für jedes Gerät einen eigenen Stecker zu verwenden, dafür hat sich damals noch niemand wirklich interessiert. Außer Ajay Bhatt.

Er tüftelt mit Unterstützung seines Arbeitgebers Intel an seiner Idee. Im Jahr 1996 ist es dann so weit: Ein Konsortium der Unternehmen Compaq, DEC, Intel, IBM, Microsoft, NEC und Nortel präsentiert den USB-Anschluss 1.0. Trotz anfänglicher Zweifel hat sich Microsoft doch dafür entschieden, die Entwicklung eines Standardanschlusses voranzutreiben.

USB: Schnell und einfach

Die Datenübertragungsrate des ersten USB-Standards beträgt 12 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), für die damalige Zeit eine enorme Geschwindigkeit. Ein heutiger Firewire-Anschluss schafft 400 Mbit/s.

Geschwindigkeit spielt damals noch keine Rolle. Viel wichtiger: Mit einem USB-Anschluss fallen auf einen Schlag ganz viele andere Stecker und Schnittstellen weg. Eine erhebliche Erleichterung im Umgang mit dem Computer.

Außerdem dient der USB-Anschluss schon damals als Stromversorger für kleinere Geräte wie Maus oder Tastatur.

Lesen Sie auch: USB-Sticks falsch herum reingesteckt? Entwickler erklärt warum

Intel sorgt für rasche USB-Verbreitung

Der USB-Standard hat sich vor allem auch deswegen so schnell durchgesetzt, weil Intel nach der Vorstellung sämtliche Patente und Technologien für die weitere Entwicklung der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat.

Ganz uneigennützig hat der Chiphersteller angeblich nicht gehandelt. Intel habe gehofft, die großflächige Verbreitung des USB-Standards würde den Verkauf von Computern beschleunigen. Das ist in der Folge auch passiert, ob USB dafür verantwortlich zeichnet, sei einmal dahingestellt.

Auf jeden Fall hat sich der USB-Anschluss weiterentwickelt. Inzwischen gilt der Standard USB 4.0. Damit lassen sich Daten mit bis zu 120 Gigabit pro Sekunde übertragen und damit schneller als per HDMI.

Der umtriebige Ajay Bhatt, der Erfinder des USB-Anschlusses, bringt es inzwischen auf weit über 100 Patente. Geld hat er mit der Erfindung nicht verdient. Das sei ihm allerdings völlig egal, sagt er. Er freue sich, seiner Firma Intel zu Ruhm verholfen zu haben.

Außerdem kann seine Frau nun problemlos Texte ausdrucken, weil der Drucker per USB-Anschluss funktioniert. Auch Dov Moran, der israelische Geschäftsmann, wird Ajay Bhatt auf ewig dankbar sein. Denn sein kleiner Speicherstick hätte ohne den Standard vermutlich niemals das Entwicklungsstadium verlassen. So weiß die Welt nun auch, was ein USB-Stick ist.

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