6. Januar 2026, 12:26 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Technologie, besonders Künstliche Intelligenz, prägt bereits heute den Alltag vieler Menschen. Für die Studie „Tech Compass 2025“ befragte Bosch 11.000 Menschen in sieben Ländern zu ihrer Haltung gegenüber KI: Deutschland, China, die USA, Indien, Großbritannien, Frankreich und Brasilien. Deutschland fällt bei den Ergebnissen besonders auf.
KI gilt dabei weltweit als die einflussreichste Technologie der kommenden zehn Jahre: Global stimmen dem 67 Prozent der Befragten zu, in Deutschland sogar 72 Prozent – der höchste Wert aller untersuchten Länder. Deutschland bleibt aber weiterhin skeptisch: KI gilt zwar als besonders prägend, der praktische Umgang fällt jedoch oft zurückhaltend aus.
KI als Schlüsseltechnologie
Grundsätzlich ist das Bewusstsein für die Relevanz von KI auch in Deutschland vorhanden. Rund 60 Prozent der Befragten hierzulande gehen davon aus, dass KI-Kompetenzen in Zukunft wichtig für ihr tägliches Leben sein werden. Global liegt dieser Wert mit 71 Prozent deutlich höher, China kommt sogar auf 91 Prozent.
Im Berufsalltag verstärkt sich der Abstand. Weltweit halten 56 Prozent KI-Kompetenzen bereits heute für wichtig in ihrem Job, in Deutschland sind es nur 41 Prozent. Indien erreicht hier mit 83 Prozent den Spitzenwert. Entsprechend selten wird KI hierzulande auch tatsächlich eingesetzt: 55 Prozent der deutschen Befragten geben an, bei der Arbeit gar keine KI-Tools zu nutzen. Global liegt dieser Anteil bei 47 Prozent.
Weiterbildung als Schwachpunkt
Besonders kritisch fällt der Blick auf das Thema Weiterbildung aus. Weltweit planen 82 Prozent der Befragten, sich künftig im Bereich KI weiterzubilden, meist im Selbststudium. In Deutschland ist die Bereitschaft deutlich geringer: Nur 47 Prozent setzen auf eigenständiges Lernen, während 33 Prozent sogar angeben, keinerlei Weiterbildungspläne zu haben.
Auch Unternehmen investieren vergleichsweise wenig. Drei Viertel der deutschen Beschäftigten haben bislang keine KI-Schulung erhalten. Global liegt dieser Wert bei 61 Prozent. Das wirkt sich direkt auf Kompetenzaufbau, Nutzung und Vertrauen in die Technologie aus.
Skepsis gegenüber KI
Die Studie zeigt, dass Deutschland KI nicht nur zurückhaltender nutzt, sondern sie auch kritischer bewertet. 43 Prozent der Befragten hierzulande sehen KI als größte technologische Bedrohung für die Gesellschaft. Global liegt dieser Wert bei 34 Prozent. Genau andersherum halten nur 34 Prozent der befragten Deutschen KI für eine Technologie mit besonders positivem gesellschaftlichem Beitrag – weltweit sind es 43 Prozent.
Auch bei Zukunftsfragen fällt Deutschland durch Skepsis auf. Nur 31 Prozent halten es für möglich, dass eine KI eines Tages einen Nobelpreis gewinnt. Gerade einmal 20 Prozent sprechen sich dafür aus, KI-Systemen eigene Patente zu erlauben. Und nur 36 Prozent können sich vorstellen, dass KI bei der Lösung politischer Konflikte eingesetzt wird. In Indien liegen diese Werte jeweils deutlich über 70 Prozent.
Bildung unter Druck
Besonders kritisch sehen die Befragten das Bildungssystem. Nur 31 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Schulen und Universitäten ausreichend auf einen Arbeitsmarkt mit KI vorbereiten. Global liegt dieser Wert bei 48 Prozent, in China sogar bei 78 Prozent.
So soll es jedoch nicht bleiben. 57 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, KI als eigenständiges Schulfach einzuführen. Weltweit liegt die Zustimmung bei 63 Prozent, in China bei 84 Prozent. Der Wunsch nach mehr KI-Bildung ist also da – die Umsetzung hinkt jedoch hinterher.
Technik zwischen Fortschritt und Skepsis
Technologischer Fortschritt wird weltweit weiterhin überwiegend positiv bewertet, allerdings nimmt die Zustimmung langsam ab. Global stimmen 69 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Technik die Welt zu einem besseren Ort macht. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Wert um einen Prozentpunkt gesunken. In Deutschland fällt die Zustimmung mit 57 Prozent deutlich geringer aus.
Gleichzeitig verbinden viele Menschen technologische Entwicklungen mit konkreten Lösungsansätzen, etwa beim Klimawandel. Weltweit sind 71 Prozent der Befragten überzeugt, dass technologischer Fortschritt dabei eine Schlüsselrolle spielen wird. Dieser Wert liegt auf dem Niveau des Vorjahres, ist jedoch im Vergleich zu 2023 rückläufig. In Deutschland teilen 68 Prozent diese Einschätzung.
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Asien setzt das Tempo
Ein klarer Trend zieht sich durch die Studie: Asien, insbesondere China und Indien, begegnet Technik deutlich offener. Dort gilt die Technologie als wirtschaftlicher Motor und strategischer Vorteil. Deutschland hingegen erkennt zwar den Einfluss von KI, begegnet ihr aber mit größerer Zurückhaltung, stärkerem Risikobewusstsein und geringerer praktischer Nutzung.
Zwischen Anspruch und Realität
Die Bosch-Studie zeigt für Deutschland ein Spannungsfeld auf: KI wird als Schlüsseltechnologie erkannt, gleichzeitig fehlt es an Weiterbildung, praktischer Nutzung und Vertrauen. Dies könnte nicht nur an Zurückhaltung gegenüber Veränderungen liegen, sondern auch an komplexen Regeln, hohen Anforderungen an Datenschutz und langwierigen Reformprozessen.
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Während andere Regionen schneller experimentieren, setzt Deutschland stärker auf Absicherung. Das schafft Stabilität, verlangsamt aber die Umsetzung und erklärt möglicherweise, warum Erwartungen an KI hoch sind, ihre Nutzung jedoch vergleichsweise gering bleibt.
Der technologische Wandel ist absehbar. Entscheidend wird sein, ob Deutschland den Schritt von der Erkenntnis zur Umsetzung schafft.