9. November 2025, 9:08 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die beiden Hände parallel zueinander, vielleicht sogar das Zehnfingersystem beherrschend, auf einer rechteckigen Tastatur mit in Reihen angeordneten Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen – so sind wir es gewohnt zu tippen. Es geht aber auch anders. Ganz anders! Dies beweist das für die Tastatur-App Gboard verantwortliche Entwickler-Team bei Google Japan jedes Jahr auf Neue. TECHBOOK stellt die kuriosesten dieser Google-Tastaturen vor.
Die kuriosesten Tastaturen von Google
Über die verrücktesten Tastaturen verschiedener Hersteller hat TECHBOOK bereits berichtet. Und bevor Sie das Ganze direkt als Jux und Dollerei abtun: Tatsächlich haben ungewöhnliche Tastatursysteme oft einen sehr sinnvollen Hintergrund.
Wer viel am Schreibtisch arbeitet, dürfte bestätigen, dass die Nutzung des klassischen QWERTZ-Layouts zwar üblich, aber nicht unbedingt haltungsfreundlich ist. Oft ist daher die treibende Kraft hinter alternativen Tastaturen eine verbesserte Ergonomie. Andere Systeme wiederum sind speziell für Nutzer mit motorischen Einschränkungen entwickelt worden. Generell ist es zudem immer sinnvoll, das Gewohnte zu verlassen: Das Gehirn profitiert von mentaler Flexibilität und neuen Denkprozessen.
Übersicht
Und nun vergessen Sie das mit der Praktikabilität schnell wieder. Denn die kuriosesten Tastaturen von Google Japan sollen wirklich vor allem eines: Spaß machen. Seit 2021 erscheinen sie jedes Jahr rund um den Oktober, quasi als zeitverschobener Aprilscherz.
Bekannt ist, dass in Japan im Oktober traditionell viele Tech-Events und Produktankündigungen stattfinden. Google Japan nutze diese Gelegenheit für „spielerisches Marketing“, schreibt dazu ein Nutzer auf Reddit, „das zur japanischen Kultur passt, aber auch verdeutlicht, wie umständlich Tastaturen für die japanische Sprache sein können“. Unter Fans hat sich für die Produktreihe inzwischen der Spitzname „October Fool“ etabliert, angelehnt an den klassischen Aprilscherz („April Fool“). TECHBOOK stellt sie in der Reihenfolge ihres Erscheinens vor.
Gboard Yunomi (2021)
Die erste unter den kuriosesten Tastaturen von Google: das von einer Yunomi, also einer traditionellen japanischen Teetasse, inspirierte Gboard Yunomi.
Mit ihr nahm die „Aprilscherz-im-Oktober“-Tradition von Google Japan ihren Lauf. Laut einem Bericht von „Gizmodo“ sollte das Gboard ursprünglich schon im April erscheinen – doch dieser fiel mitten in die Hochphase der Corona-Pandemie. Stattdessen wurde die ungewöhnliche Tastatur im Oktober vorgestellt, im Rahmen der Kitano-Teezeremonie, die in Japan jedes Jahr in diesem Monat stattfindet.
Das Gboard Yunomi ist zylindrisch geformt – man kann es wie eine echte Teetasse in der Hand halten. Dabei ist es technisch voll funktionsfähig, auch wenn die Anwendung völlig absurd erscheint. 12 längliche Tastaturstreifen sind rund um den Becher angeordnet, sodass man vertikal tippen kann. Ein hübsches Kunstwerk und wahrlich originell – kaufen kann man das Gboard Yunomi jedoch nicht. Dafür hat Google Japan die Baupläne, Firmware und Anleitungen auf GitHub veröffentlicht – und hat dies auch bei all seinen später folgenden Aktions-Tastaturen getan. Mit einem 3D-Drucker und etwas technischem Know-how lassen sie sich somit zu Hause nachbauen.
Gboard Bar (2022)
Auch bei der nächsten Gag-Tastatur ließ sich das Gboard-Team von Google Japan offenbar wieder von Einrichtungsgegenständen inspirieren – diesmal von einem Tisch. Beim Gboard Bar zieht sich die Tastatur über beeindruckende 1,65 Meter Länge.
Um sie zu bedienen, sollte man besser alles vergessen, was man über klassisches Tippen zu wissen glaubt. Denn die Buchstaben sind schlicht von A bis Z nebeneinander angeordnet, von links nach rechts.
Das soll laut Google Japan all jenen helfen, die sich auf herkömmlichen Tastaturen nur schwer orientieren können. Und außerdem ist das Gboard Bar so lang, dass problemlos zwei Personen gleichzeitig daran arbeiten könnten. Geteilter Aufwand, halber Aufwand? Wahrscheinlich nicht. Aber lustig ist es allemal. Wie bei den anderen Projekten finden sich Baupläne, Software und Anleitungen auf GitHub.
Gboard CAPS (2023)
Eine Tastatur zum Aufsetzen – warum eigentlich nicht? Mit dem Gboard CAPS bleiben die Hände frei, während man seine Gedanken quasi direkt aus dem Kopf heraus tippt. Optisch hat das ungewöhnliche Gerät etwas von einer Baseballmütze, die allerdings mit kleinen LED-Leuchten und einem unscheinbaren USB-Anschluss ausgestattet ist.
Im Inneren befinden sich Sensoren, die die Kopfbewegungen des Trägers erkennen und daraus Buchstaben machen sollen. Auch für diese ungewöhnliche Tastatur veröffentlichte Google Japan die Baupläne und Software auf GitHub.
Google stellt die wohl ungewöhnlichste Tastatur aller Zeiten vor
Die 6 verrücktesten Tastaturen der Welt
Double-Sided Gboard (2024)
Im Jahr 2024 war es das experimentelle Double-Sided Gboard, das – wie sein Name verrät – doppelseitig zu verwenden ist, ohne dass man es drehen muss. Die kreisförmig aufgebaute Tastatur ist auf der Vorder- und Rückseite mit Tasten ausgestattet. Sein Design ist offensichtlich an einem Möbiusband orientiert. Ausführliche Infos dazu hier.
Gboard Dial (2025)
Der jüngste Wurf ist das am 8. Oktober 2025 veröffentlichte Gboard Dial (s. auch Foto oben) Dieses ist mit Wählscheiben ausgestattet – richtig, wie Telefone von früher. In einem kaum ernst gemeinten Produktvideo erklären Mitarbeiter aus Googles Gboard-Team, wie es funktionieren soll – und zwar wie eine Mischung aus klassischer PC-Tastatur und einem alten Wählscheibentelefon.
Den Mittelpunkt bildet eine große Drehscheibe, die in Ringen angeordnet sämtliche Buchstaben einer gewöhnlichen Tastatur, die Leertaste und Feststelltaste enthält (Sonderzeichen und das Nummernfeld sind auf kleineren Drehscheiben verteilt). Um einen Buchstaben zu tippen, muss die Scheibe so weit gedreht werden, bis sich der gewünschte Buchstabe im Zielloch befindet. Daneben enthält das Gboard-Dial-Paket einen vermeintlichen Mausständer, der über seine namengebende Funktion auch beispielsweise zum Beenden eines Video-Calls genutzt werden kann. Hier geht’s zu den nötigen Informationen zum Nachbauen bei GitHub.