KI-Anwendungen benötigen immer mehr Energie. Google will deshalb testen, ob sich ein Teil der Rechenleistung künftig direkt im Weltraum betreiben lässt.
Google startet in der kommenden Woche einen Testsatelliten für das Projekt „Suncatcher“. An Bord befinden sich speziell entwickelte Prozessoren für KI-Berechnungen. Mit dem Flug will das Unternehmen prüfen, ob die Hardware den Bedingungen im Weltraum standhält und dort zuverlässig arbeitet.
Hinter dem Projekt steckt eine langfristige Idee. In bestimmten Umlaufbahnen scheint die Sonne nahezu dauerhaft auf Satelliten. Laut Google könnte dort bis zu achtmal mehr Solarenergie zur Verfügung stehen als auf der Erde. Rechenzentren im Orbit könnten dadurch Stromnetze entlasten und zugleich den Bedarf an Kühlwasser senken.
So bereitet Google die Hardware vor
Der Weg ins All gilt jedoch als technisch anspruchsvoll. Bereits während des etwa zehnminütigen Raketenstarts wirken laut Google Kräfte von bis zum Zehnfachen der Erdanziehung auf den Satelliten. Einzelne Bauteile müssen sogar Belastungen aushalten, die dem Hundertfachen der Erdbeschleunigung entsprechen. Deshalb unterzog das Unternehmen die Hardware umfangreichen Vibrationstests.
Hinzu kommen weitere Risiken. Im Weltraum kann Strahlung Rechenfehler verursachen. Google testete die KI-Chips deshalb im Labor unter Protonenstrahlung, während sie bereits KI-Aufgaben ausführten. Nach Angaben des Unternehmens hielten die Prozessoren mehr Strahlung aus, als ihnen in fünf Jahren im All begegnen würde. Auch das Kühlsystem musste sich bewähren. Da im Vakuum keine Luft zur Wärmeabfuhr vorhanden ist, transportieren spezielle Rohre die Wärme zu Flächen, die sie ins All abstrahlen.
Das große Ziel hinter „Suncatcher“
Der aktuelle Flug dient lediglich als erster Technologietest. Für größere KI-Aufgaben wären zahlreiche Satelliten mit vielen Prozessoren nötig. Diese sollen ihre Daten per Laser austauschen. Die Herausforderung dabei: Die Strahlen müssen trotz der ständigen Bewegung der Satelliten ihr Ziel exakt treffen.
Dieser Teil des Projekts folgt erst später. Google plant, die Laserverbindungen zwischen zwei Satelliten im Jahr 2027 zu erproben. Auch andere Unternehmen verfolgen ähnliche Pläne. So beantragte SpaceX bereits im Januar 2026 bei der US-Kommunikationsbehörde FCC die Genehmigung für bis zu eine Million Satelliten. Laut Elon Musk sollen erste Rechenzentrums-Satelliten Ende 2027 starten. Ob KI-Rechenzentren im All tatsächlich praktikabel werden, müssen die kommenden Jahre zeigen.
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