Expertin verrät Tipps

Das können Sie gegen Ihre Handysucht tun

Mensch sitzt auf Toilette und hält Handy in der Hand
Kaum ein Ort ist noch heilig, nicht einmal mehr auf der Toilette können wir die Finger vom Smartphone lassen
Foto: Getty Images

Ohne Handy können sich wohl die wenigsten Menschen noch ein Leben vorstellen. Doch was tun, wenn man süchtig ist? Eine Expertin hat uns ihre Tipps verraten.

Wir können einfach nicht die Finger von unserem Smartphone lassen. Bis zu 56 Mal täglich schauen wir auf unseren kleinen Alltagshelfer, wie eine Studie herausgefunden hat. Den Hauptteil unserer Handyzeit verbringen wir aber nicht damit, zu telefonieren, sondern mit dem Schreiben von Nachrichten zum Beispiel über den Messenger WhatsApp.

Wann bin ich süchtig?

Doch der Griff zum Handy kann zwanghaft werden. Es gibt mehrere Symptome, die bei Betroffenen auf eine Sucht hinweisen. Zu Alarmsignalen gehören:

  • Der Betroffene verbringt den Großteil seiner Zeit mit dem Smartphone.
  • Auch wenn der Betroffene nicht am Handy ist, kreisen seine Gedanken um die sozialen Netzwerke oder Messengerdienste.
  • Obwohl der Betroffene das Handy gerne weniger nutzen würde, schafft er es nicht.
  • Hat der Betroffene keinen Zugang zum Smartphone, ist er gereizt oder niedergeschlagen.

TECHBOOK hat mit Dr. Reta Pelz, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der MEDICLIN Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg, über Handysucht gesprochen. Dabei würde die Diagnose Handysucht noch nicht existieren. Bisher sei es noch der Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion, ob das exzessive Nutzen des Handys als Verhaltenssucht angesehen werden kann. „Viele wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass die übermäßige und unkontrollierte Nutzung von Smartphones und damit sozialer Netzwerke wie Facebook, Snapchat oder WhatsApp mit Symptomen einhergehen kann, die traditionell bei substanzbezogenen Störungen beziehungsweise Substanzabhängigkeiten, Alkoholabhängigkeit oder Drogensucht beobachtet werden.“, sagt Dr. Reta Pelz.

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Generelle Merkmale einer Sucht sind: starkes Eingenommensein, Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, Kontrollverlust, Fortsetzen der Nutzung trotz negativer Konsequenzen, das Täuschen von Familienmitgliedern oder anderen Personen in Bezug auf das Ausmaß der Nutzung sowie Nutzung, um negativen Stimmungen entgegenzuwirken. 

Wie das Smartphone unsere Beziehung verändert

Generell sollte jeder Smartphone-Nutzer sich Sorgen machen, sobald sich alles um das Handy dreht, man sogar schöne und angenehme Tätigkeiten unterbricht, um auf  das Display des Smartphones zu schauen. „Die Beschäftigung mit dem Handy darf also nicht das Ausüben von Hobby, gemeinsamen Aktivitäten, alltäglichen Aufgaben beeinträchtigen oder soziale Kontakte ersetzen“, sagt Chefärztin Dr. Pelz gegenüber TECHBOOK..

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Andersherum: Wenn Menschen sich zwar über viele Stunden mit dem Smartphone beschäftigen, allerdings den anderen Verpflichtungen und Interessen des Alltags wie Sport und Freunde nachkommt, habe eher kein Suchtproblem.

Das Suchtpotenzial vom Smartphone

„Meiner Meinung nach sind es die vielen verschiedenen Möglichkeiten, die durch Knopfdruck, auf kurzem Weg erreichbar sind: soziale Netzwerke nutzen, chatten, im Internet surfen, spielen etc.“, sagt Pelz. Die meisten Untersuchungen würden zudem zeigen, dass die sozialen Netzwerke als Risiko für Abhängigkeit. Dies hänge vor allen Dingen an dem Gefühl, man müsse jederzeit erreichbar sein, damit man nichts verpasst.

Wie auch andere Süchte so entsteht die Sucht nach dem Handy im Gehirn und hängt mit unserem Belohnungssystem und dem dort produziertem Dopamin zusammen. „Ähnlich wie bei Substanzen wie Alkohol und Nikotin oder wie beim Glücksspiel kann die übermäßige Nutzung von Smartphones und sozialen Netzwerken im Gehirn zur raschen Ausschüttung des Glückshormons Dopamin führen. Es macht zumindest kurzfristig zufrieden und glücklich“, sagt Pelz.

Die Auswirkungen

„Der exzessive Handygebrauch kann zu einer zunehmenden Isolierung, Rückzugsverhalten aus der ‚realen Welt‘, Vernachlässigung von Freunden und Angehörigen, aber auch Vernachlässigung alltäglicher Aufgaben und Verpflichtungen bis hin zu Schulversagen führen“, weiß Pelz. Wissenschaftler konnten außerdem in Untersuchungen feststellen, dass einen Zusammenhang mit Problemen in Verhaltensmustern bis hin zu psychischen Störungen wie Ängstlichkeit, Depressivität, schlechteren Leistungen auf der Arbeit oder in der Schule verursacht durch verringerte kognitive Leistungen sowie ein geringeres Maß an Interessen in der Freizeit.

Das hilft gegen die Smartphone-Sucht

Jeder mit dem Gefühl, vielleicht doch etwas zu viel Zeit mit dem Handy zu verbringen, dem sei gesagt, es gibt ein Tricks, die gegen die intensive Nutzung des Smartphones helfen. „Man sollte sich den tatsächlichen Konsum bewusst machen, indem man zum Beispiel ein Tagebuch führt. Außerdem sollte man sich aufschreiben, was man alternativ machen könnte, zum Beispiel was früher Spaß machte und was man gerne wieder öfter machen möchte“, rät Pelz. Dies helfe dabei einzuschätzen, wie viel Zeit wir für das Handy aufwenden und was wir stattdessen tun könnten.

Eine andere Option sei es, für eine gewisse Zeit offline unterwegs zu sein, also die mobile Datennutzung oder das WLAN ausschaltet. Eine weitere Option sei ein kompletter Tag ohne Smartphone. Dieser Versuch würde zudem offenlegen können, ob eine Abhängigkeit vorliege. „Anstatt die Smartphone-Nutzung einfach zu verbieten, sollten Eltern ihren Kindern Alternativen anbieten, beispielsweise gemeinsame Aktivitäten oder Ausflüge. Darüber hinaus haben Eltern eine Vorbildfunktion. Wer selber ständig auf sein Handy schaut, kann eine digitale Abstinenz des Kindes nicht erwarten“, erklärt Pelz.

Hilfe bieten Betroffenen neben Ärzten und Suchtberatungsstellen in der Nähe ebenfalls spezialisierte Anlaufstellen wie der Fachverband Medienabhängigkeit oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.