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Tech-Mythos im Check

Geht mein Smartphone kaputt, wenn ich es über Nacht lade?

Smartphone über Nacht laden
Wenn das Smartphone über längere Zeit einen hohen Ladenstand hat, kann das dem Akku schaden.Foto: Getty Images

Das Smartphone einfach über Nacht zu laden, ist praktisch. Am Morgen ist der Akku voll und man kommt über den Tag, ohne nochmal an die Steckdose zu müssen. Es gibt jedoch Bedenken, dass die lange Ladezeit der Smartphone-Batterie schaden könnte.

Man hört es immer wieder: Es sei einfach nicht gut, den Akku stundenlang am Strom zu halten und so zu „überladen“. So weit der Technik-Mythos. Aber kann das wirklich passieren und dem Smartphone am Ende schaden? Eine Tech-Expertin erklärt TECHBOOK, was genau passieren kann, wenn Sie Ihr Smartphone über Nacht aufladen.

Laden über Nacht verringert die Lebensdauer des Akkus

Die Batterie-Expertin vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik, Dr. Kerstin Sann-Ferro, gibt zumindest in puncto Sicherheit Entwarnung: „Wenn ein Handy-Nutzer seinen Akku über Nacht mit einem qualitativ geeigneten Ladekabel lädt, ist dies aus Sicht der Sicherheit kein Problem.“ Anders verhält es sich allerdings mit der Lebenszeit des Akkus. „Sobald der Akku vollgeladen ist, wird der Ladevorgang unterbrochen“, erklärt Sann-Ferro gegenüber TECHBOOK. Jeder Lithium-Akku muss eine sogenannte Ladeschaltung besitzen. Sobald das Gerät die 100-Prozent-Marke erreicht, schaltet es die Stromzufuhr ab. Wenn der Akku also über Nacht voll ist, läuft er automatisch mit externer Energie aus der Steckdose weiter.

„Wenn allerdings der Ladezustand unter einen bestimmten Wert fällt, wird wieder nachgeladen. Dieses Nachladen in hohen Ladezuständen belastet die Materialien und wirkt sich damit auf Dauer auf die Kapazität und damit auf die Lebensdauer des Akkus aus“, sagt Sann-Ferro. Durch das nächtliche Laden kann es also passieren, dass Ihr Smartphone-Akku in Mitleidenschaft gezogen wird, die Lebensdauer sinkt schneller.

Aber macht es einen Unterschied, ob das Smartphone angeschaltet oder heruntergefahren ist? Tatsächlich kann dies relevant sein, wenn Sie Ihr Handy über Nacht aufladen. „Wenn das Handy beim Ladevorgang ausgeschaltet ist, sind tatsächlich keine ‚Verbraucherfunktionen‘ aktiv, so dass ein Absinken des Ladezustandes nicht schnell auftritt und damit auch weniger bis kein Nachladen erforderlich ist bei der Zeitspanne über Nacht“, sagt Sann-Ferro.

Viele Smartphones haben einen Schutzmechanismus zum Laden in der Nacht

Den Herstellern ist bekannt, dass ein ständiges Aufladen auf 100 Prozent über Nacht die Smartphone-Batterie nachhaltig beeinträchtigt. Apple hat als erster Hersteller einen Ladeschutz in iOS integriert. Durch optimiertes Laden füllt das iPhone den Akku nachts nur bis 80 Prozent Kapazität auf, um die Batteriezellen zu schonen. Das iPhone lernt nach kurzer Zeit, wann Sie morgens aufstehen, und lädt den Akku erst kurz davor zu 100 Prozent auf. Die Option ist bereits ab Werk eingeschaltet.

Ab Version 11 ist diese Funktion auch im Android-Betriebssystem vorhanden. Einige Smartphone-Hersteller haben das optimierte Laden über Nacht zudem bereits vorher in ihre eigenen Android-Oberflächen integriert. Vor allem bei älteren und günstigen Geräten mit veralteten Android-Versionen fehlt diese Funktion aber noch.

Den Akku richtig laden

Generell empfiehlt es sich, den Akku nie völlig auf- bzw. zu entladen. Am besten wird der Smartphone-Akku bei einem Ladestand zwischen 30 und 70 Prozent geschont. Erst wenn mehr als die Hälfte der Energie verbraucht ist, sollten Nutzer zum Ladekabel greifen. „Wenn man die Möglichkeit hat darauf zu achten, sollte man sein Smartphone spätestens bei einem Ladzustand von 30 Prozent wieder aufladen, entweder in kleinen Zwischenzyklen oder in einem längeren Ladezyklus und dann aber bei 90 Prozent Ladezustand den Ladevorgang wieder stoppen. Damit kann man eine hohe Leistungsfähigkeit des Akkus über die Lebensdauer verlängern“, weiß Sann-Ferro.

Insgesamt ist ein Lithium-Ionen-Akku temperaturempfindlicher als bisherige Baterietechnologien wie NiMH. Zu hohe aber auch zu niedrige Temperaturen können einem Lithium-Ionen-Akuu zu schaffen machen. Ideal lädt dieser übrigens bei Raumtemperatur. Bei Temperaturen ab 40 Grad sowie niedrigen Temperaturen unter -10 Grad können einen negativen Einfluss beim Laden des Akkus haben. „Man sollte zum Beispiel sein Handy unter 0 Grad nicht laden. Hier schalten die meisten Handys aber sowieso ab und lassen ein Laden meist gar nicht zu“, sagt die Expertin. Gerade bei hohen Temperaturen sollten Handy-Nutzer ihr Smartphone auf gar keinen Fall in die pralle Sonne legen.

Und nicht nur nachts gilt: Wenn der Akku ständig Strom aus der Steckdose zieht, kann dies den Akku belasten. Die meisten Smartphone-Besitzer können aber beruhigt sein. „So richtig schwerwiegende Ladefehler werden durch die Batteriemanagementsysteme schon abgefangen“, sagt Dr. Kerstin Sann-Ferro.

Vorsicht vor zu viel Wärme

Ein anderes Gerücht stimmt allerdings: Zwar können Sie Ihr Smartphone bedenkenlos über Nacht aufladen, Sie sollten das aber nicht im Bett tun. Die hier entstehende Wärme kann dem Gerät und sogar dem Besitzer schaden, weil es leicht zu einem Wärmestau und sogar zum Brand kommen kann. TECHBOOK erklärt den Mythos in diesem Artikel noch einmal ausführlich.

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