Neues Betriebssystem in Entwicklung

Wird Googles geplantes Betriebssystem „Fuchsia” Android ersetzen?

Google Fuchsia auf OnePlus 6T
So sieht die Demo-Version von Google Fuchsia auf einem Android-Smartphone aus
Foto: TECHBOOK

Google hat eine Entwickler-Seite für sein ominöses Betriebssystem „Fuchsia“ online geschaltet. Wird das neue OS nun bald Android ersetzen?

Google ist zwar hauptsächlich für die Entwicklung des Android-Betriebssystems bekannt, unterhält aber auch noch andere OS-Projekte wie etwa Chrome OS für Chromebooks und WearOS für Smartwatches. Seit mehreren Jahren arbeitet das Unternehmen an einem weiteren Betriebssystem: Fuchsia. Das plattformübergreifende OS soll sowohl auf Smartphones als auch Tablets und vielen anderen Geräten laufen können. Nun hat Google eine Entwickler-Website für Fuchsia ins Leben gerufen – ein Zeichen dafür, dass es bald Android ersetzen könnte?

Das soll „Fuchsia“ können

Fuchsia ist ein Open-Source-Projekt, ähnlich wie das Android Open-Source-Projekt (AOSP), das bereits 2016 auf der Entwicklerseite GitHub erschienen ist. Mit Fuchsia versucht sich Google an einer übergreifenden Plattform, die unter anderem auf Smartphones, Tablets, Laptops, Smartspeaker und eingebetteten Geräten laufen kann. Damit verfolgt es einen Ansatz, den Microsoft und Apple bereits in ihren Betriebssystemen verwenden. Windows 10 läuft beispielsweise auf Desktop-PCs und Laptops sowie Tablets und passt die Darstellung automatisch an die klassische Steuerung per Mouse oder die Eingabe per Bildschirmberührung an. Ursprünglich sollten auch Windows-Smartphones mit Windows 10 laufen, bevor Microsoft diese Sparte komplett eingestampft hat. Auch Apple ermöglicht mit seinen neuen Betriebssystemem macOS Catalina und iOS die plattformübergreifende Verwendung von Apps. Im Klartext: Apps, die auf dem iPhone laufen, sollen auch auf das MacBook und den Mac kommen.

ANZEIGE

Lustiger Ladehalter


✔️In verschiedenen Farben erhältlich
✔️Praktisches Design
✔️Aus flexiblem Metallgestänge

Fuchsia geht eher in Richtung Windows, mit einem einheitlichen Betriebssystem, das auf unterschiedlichen Gerätetypen unterschiedlich dargestellt wird. Würde Fuchsia also Android, Chrome OS und Co. ersetzen, gäbe es nur noch ein Betriebssystem, um das sich Google kümmern muss.

Fuchsie Pflanzen

Der Name des neuen Betriebssystems stammt von der Pflanzenart Fuchsia, in Deutschland als Fuchsien bekannt

Von Grund auf aus eigener Entwicklung

Während Android auf dem Linux-Kernel basiert, kommt in Fuchsia ein vollkommen neuer Kernel namens „Zircon“ zum Einsatz. Zircon wird von Google selbst entwickelt und gibt dem Unternehmen mehr Kontrolle über das neue Betriebssystem. Der moderne Kernel ist fähig, das Betriebssystem auf fast jeden Anwendungsbereich anzupassen und ist daher mit einer Vielzahl von Geräteklassen kompatibel. Auch läuft der Kernel auf allen Prozessorachitekturen, sei es 32-Bit, 64-Bit, ARM oder 64-Bit X86.

Hier finden Sie heraus, was Google über Sie weiß

Ein zentrales Features von Fuchsia ist die zusätzliche Schicht zwischen Kernel und Apps, die verhindert, dass Apps permanent auf den Kernel zugreifen können. Dadurch wird nicht nur die Sicherheit verbessert, sondern auch verhindert, dass OS-Updates zu inkompatiblen Apps führen. Zwar hat Google mit „Project Treble“ bereits eine Lösung gefunden, zumindest grundlegende Kernel-Neuerungen der Verantwortung der Smarpthone-Hersteller zu entreißen, jedoch sind diese oft unwillig, Treble zu implementieren. Mit Zircon kann Google hingegen neue Updates an alle Geräte gleichzeitig ausliefern und den Smartphone-Besitzern ein nahtloses und vereinfachtes Nutzererlebnis garantieren.

Wie sieht Fuchsia aus?

Fuchsia kann jetzt schon in einer Web-Demo über die GitHub-Seite begutachtet werden. Man kann sich in der Demo mit einem Gast-Account anmelden und bekommt den Hauptbildschirm mit Suchleiste und Google-Karten zu sehen. Momentan stehen nur drei Karten zu Verfügung: E-Mail, Rezepte und Maps. Die Karten sind wohl anpassbar und können auch andere Inhalte darstellen, darunter Nachrichten und Erinnerungen.

Fuchsia Home Screen

Der Home Screen von Fuchsia mit dem Google Assistant im Zentrum | Foto: TECHBOOK

Der Google Assistant ist bei Fuchsia das Herzstück. Bereits im Hauptbildschirm ist die Suchfunktion prominent an erster Stelle platziert. Es lässt sich jedoch darüber streiten, wie repräsentativ die Demo für die finale Version ist. Schließlich kommt als E-Mail-Klient Inbox by Google zum Einsatz, das bereits vor einigen Monaten von Google selbst eingestampft wurde.

Fuchsia Kontrollzentrum

So sieht das Kontrollzentrum in Fuchsia auf dem Desktop aus | Foto: TECHBOOK

Fuchsias Oberfläche nutzt das bereits von Android bekannte Material Design, hat jedoch seine eigene Render-Engine namens Escher, die auf Schattierungen setzt. Dadurch entsteht der Eindruck von Tiefe in der Oberfläche.

Laut 9to5Google beinhaltet Fuchsia zwei verschiedene Oberflächen für Smartphones und Laptops. „Armadillo“, das Fuchsia für Smartphones anpasst, streicht den Home Screen von Android und zeigt stattdessen den Google Feed und zuletzt geöffnete Apps. Die Apps können per Drag&Drop positioniert und sogar neben- und untereinander platziert werden. „Capybara“, die Desktop-ähnliche Version von Fuchsia ist ähnlich aufgebaut, hat aber noch ein Kontrollzentrum in der Mitte, das der Benachrichtigungsleiste in Android sehr ähnlich sieht.

Fuchsia Kontrollzentrum

Das Kontrollzentrum von Fuchsia auf einem Smartphone | Foto: TECHBOOK

Ein Nachfolger für Android?

Android ist trotz der Bemühungen Googles in den letzten Jahren weiterhin stark fragmentiert. Fast jeder Hersteller von Android-Smartphones und -Tablets legt seine eigene Oberfläche über Android und erschwert dadurch Updates. Wenn eine neue Android-Version von Google veröffentlicht wird, müssen die Hersteller ihre Oberflächen erst daran anpassen – und das dauert. Oft ist ihnen der Aufwand auch zu groß. Für den Nutzer bedeutet das schlichtweg: Keine Updates mehr.

Fuchsia könnte hier den Umbruch bedeuten. Es soll laut 9to5Google kompatibel mit Android-Apps sein. Zwar sind die Dateien anders verpackt, jedoch kommt eine speziell entwickelte Version der Android-Laufzeitumgebung (ART), die die Ausführung der Apps ermöglicht. Android-Nutzer müssten sich somit nicht mal auf große Veränderungen einstellen. Das ist nicht verwunderlich, schließlich ist Android das weltweit beliebteste Betriebssystem und ein wie auch immer gestalteter Nachfolger sollte von dem riesigen Fundus an vorhandenen Apps Gebrauch machen

ANZEIGE

PopSockets


✔️Geeignet für alle Smartphones
✔️Moderner, wiederverwendbarer Kleber
✔️Sauber verstaut und stets griffbereit

Eine kleinen Dämpfer für diejenigen, die schon auf Fuchsia hoffen, gibt es dennoch. Android- und Chrome-Chef Hiroshi Lockheimer bestätigte laut The Verge auf der Google I/O 2019, dass Fuchsia nicht als das neue Android oder neue Chrome OS gehandelt wird. Es sei vielmehr eine Testumgebung, in der moderne und neuartige Technologien getestet werden. Die daraus gewonnen Erkenntnisse wolle Google zur Verbesserung von anderen Produkten verwenden. In welcher Form Fuchsia also seinen Weg auf Smartphones, Tablets und andere Geräte findet, ist noch völlig unklar.

Auch interessant: „Google Suche“ zeigt Tiere per Augmented Reality in Lebensgröße