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Ungewöhnliches Experiment

Forscher schicken Whisky ins All – und hoffen auf Turbo-Reifung

Glas mit bernsteinfarbener Flüssigkeit und mehreren Eiswürfeln, das vor der Erde im Weltraum schwebt. Aus dem Glas spritzen Flüssigkeitstropfen nach oben und zur Seite. Die Erde nimmt die rechte Bildhälfte ein und zeigt Wolken, Landmassen sowie beleuchtete Regionen auf der Nachtseite. Im Hintergrund sind Sterne und ein dunkler Weltraum zu sehen.
Der CubeSat soll Whisky-Zutaten mehrere Jahre lang den extremen Bedingungen im Erdorbit aussetzen (Symbolbild) Foto: Getty Images
Sandra Bültermann

8. Oktober 2026, 13:44 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Kann Whisky im All schneller reifen als auf der Erde? Ein internationales Forscherteam will das ab 2028 mit einem ungewöhnlichen Experiment im Erdorbit herausfinden.

Whisky braucht normalerweise viele Jahre, um seine typischen Aromen zu entwickeln. Genau diesen Prozess wollen Wissenschaftler der University of Glasgow und des Kyushu Institute of Technology nun unter Bedingungen testen, die auf der Erde kaum möglich sind. Ihr gemeinsames Projekt trägt den Namen „Space Puffin“ und soll 2028 starten.

Geplant ist der Transport eines kleinen CubeSat-Satelliten zur Internationalen Raumstation ISS. Von dort aus wird er in eine eigene Umlaufbahn ausgesetzt und soll bis zu fünf Jahre lang die Erde umkreisen. An Bord befinden sich Whisky-Zutaten wie Gerste, Wasser und Hefe, aber auch destillierte Flüssigkeit sowie kleine Holzfragmente aus Whisky-Fässern. Das gesamte Experiment findet auf engstem Raum statt, denn der Satellit kann lediglich zehn Milliliter Flüssigkeit aufnehmen.

Extreme Temperaturen statt jahrelanger Lagerung

Während seines Flugs wird der Satellit alle 90 Minuten einmal um die Erde kreisen. Dabei wechseln sich Sonneneinstrahlung und Schatten ständig ab. Nach Angaben der Forscher entstehen dadurch Temperaturschwankungen zwischen minus 75 und plus 90 Grad Celsius.

Das Team vermutet, dass diese extremen Wechsel den Reifeprozess beschleunigen könnten. Besonders im Fokus steht die Wechselwirkung zwischen Alkohol und Holz. Auf der Erde entstehen viele Aromen eines Whiskys erst während jahrelanger Fasslagerung. Im Orbit könnten die Holzfragmente durch die wiederkehrenden Temperaturwechsel deutlich schneller auf den Inhalt einwirken. Laut Dr. Gilles Bailet von der University of Glasgow könnten dadurch sehr ausgeprägte Geschmacksnoten entstehen.

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Künstliche Zunge analysiert den Whisky

Um die Veränderungen während der Mission zu überwachen, wird der Satellit mit einer sogenannten künstlichen Zunge ausgestattet. Dabei handelt es sich um einen Sensor aus Gold und Aluminium, der laufend die Zusammensetzung der Flüssigkeit untersucht. Er kann selbst kleinste Veränderungen bei chemischen Verbindungen erkennen, die für Aroma und Geschmack wichtig sind.

Drei Personen stehen zwischen großen kupferfarbenen Brennblasen in einer Destillerie. Die Person in der Mitte hält ein würfelförmiges technisches Gerät mit sichtbaren Bauteilen und einem weißen Rahmen in den Händen. Im Hintergrund sind rote Geländer, Metalltreppen und weitere Teile der Produktionsanlage zu sehen. Im Vordergrund verläuft ein rotes Geländer quer durch das Bild.
In Schottland testen Forscher die Ausrüstung für ein außergewöhnliches Whisky-Projekt im All Foto: University of Glasgow

Auch die Entwicklung der Satellitentechnik läuft bereits. Sieben Studenten der University of Glasgow arbeiten derzeit gemeinsam mit japanischen Kollegen an Batterien, Funktechnik und Bordcomputern für die Mission. Finanziert wird der Aufenthalt durch ein Stipendium der Beratungsfirma Allen Associates. Der geplante Weltraum-Whisky trägt bereits den Namen „L’Oro di Scozia“, auf Deutsch „Das Gold Schottlands“. Sollte das Experiment gelingen, dürfte die Spezialität allerdings zu den exklusivsten Whiskys der Welt zählen.

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