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Phänomen erklärt

Was ist eigentlich Cyberchondrie?

Mann leidet an Cyberchondrie
Das Internet eröffnet Hypochondern völlig neue Möglichkeiten: TECHBOOK stellt das Phänomen Cyberchondrie vor Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Redakteurin

1. Juni 2026, 8:36 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Das Internet – und zunehmend auch moderne KI-Systeme – machen es Nutzern leicht, für vermeintliche Symptome schnell plausible Erklärungen zu finden und sich selbst Diagnosen zu stellen. Parallel dazu wird immer öfter ein neuartiges psychologisches Phänomen beobachtet: Cyberchondrie. TECHBOOK stellt es vor.

Warum lange auf einen Arzttermin warten, wenn „Dr. Google“ nur wenige Klicks entfernt ist? So sehen es offenbar immer mehr Nutzer. Und in einigen Fällen spricht auch nichts dagegen, eine unverbindliche Vorabrecherche durchzuführen, bevor man seine Beschwerden mit einem echten Mediziner abklärt. Für Menschen jedoch, die von Natur aus eher ängstlich sind, wenn es um die eigene Gesundheit geht, bergen die digitalen Möglichkeiten ein erhebliches Gefahrenpotenzial.

Modernes Phänomen: Was ist Cyberchrondrie?

Die als „Cyberchondrie“ bezeichnete Symptomatik beschreibt genau das, was sich bereits im Begriff widerspiegelt: „Cyber“ steht für die Nutzung des Internets und „Hypochondrie“ für die übermäßige Angst vor Erkrankungen.

Wichtig zu wissen: Im Internationalen Klassifikationssystem der Krankheiten (ICD) ist die Cyberchondrie nicht als eigenständige Diagnose aufgeführt. Meist wird sie im Zusammenhang mit Krankheitsangst bzw. Hypochondrie eingeordnet. Laut dem Gesundheitsmagazin der AOK ist auch der Begriff „Morbus Google“ geläufig.

So stellt sich das Krankheitsbild dar

Betroffene einer Cyberchondrie recherchieren ihre gesundheitlichen Beschwerden übermäßig im Internet. Doch dies führt selten zu einer Beruhigung ihrer Sorgen. Vielmehr geraten sie durch die Fixierung auf ihren Körper und etwaige Symptome in einen Strudel aus Unsicherheit und Angst. Selbst kleinste körperliche Auffälligkeiten nehmen sie intensiv wahr und deuten sie als mögliche Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung.

Eine typische Begleiterscheinung der Cyberchondrie ist daher oft auch ein ständiger Arztwechsel. Trotz wiederholter medizinischer Entwarnungen halten die Betroffenen an ihrer Überzeugung fest, ernsthaft krank zu sein. Dabei werden ärztliche Diagnosen nicht selten angezweifelt oder als unvollständig empfunden.

Eine Studie aus diesem Jahr zeigt, dass Cyberchondrie kein einheitliches Phänomen ist, sondern in unterschiedliche Muster unterteilt werden kann. Demnach sind insbesondere Frauen, gesundheitlich vorbelastete Personen sowie Menschen mit einer ausgeprägten Online-Gesundheitskompetenz besonders anfällig. Die Autoren betonen daher, dass gezielte Maßnahmen erforderlich sind, um problematisches Suchverhalten im Internet und die damit verbundenen Gesundheitsängste besser erkennen und behandeln zu können.

Laura Pomer
Freie Redakteurin

Warum ich nicht gefährdet bin, Cyberchondrie zu entwickeln

„Ich google nahezu alles – selbst banale Dinge aus dem Alltag, um mir vieles einfacher zu machen. Doch als Ärztetochter habe ich einen Satz schon früh immer wieder gehört: ‚Keine Symptome googeln.‘ Als mein Vater das zum ersten Mal sagte, wusste er noch nicht, dass es irgendwann eine sogenannte Cyberchondrie geben würde. Sehr wohl aber, dass es fachliche Expertise erfordert, Symptome richtig zu deuten – geschweige denn eine verlässliche Diagnose zu stellen. Algorithmen können medizinische Zusammenhänge nur bedingt einordnen. Zudem sind viele der im Internet verfügbaren Informationen veraltet, unvollständig oder schlicht falsch.

Wie anfällig Internet und KI-Systeme für Fehlinformationen sind, zeigte erst kürzlich ein Experiment von Forschern, über das im Fachblatt ‚Nature‘ berichtet wird. Sie erfanden eine Krankheit – ‚Bixonimania‘ –, die mit Symptomen wie gereizten Augen einhergehen sollte. Innerhalb kurzer Zeit übernahmen verschiedene KI-Tools die angebliche Erkrankung und gaben sie als reale Diagnose aus. Die falschen Informationen wurden sogar in wissenschaftlichen Arbeiten zitiert! Das verdeutlicht, wie unkritisch digitale Systeme mit medizinischen Informationen umgehen.“

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Mögliche Folgen einer Cyberchondrie

Die ständige Sorge, an einer schweren Erkrankung zu leiden, kann zur Besessenheit werden. Betroffene reden sich schier in einen Wahn. Panikattacken oder depressive Verstimmungen können die Folge sein. Hinzu kommen können zwanghafte Verhaltensweisen wie das ständige Googeln von vermeintlichen Symptomen und das obsessive Überprüfen von körperlichen Veränderungen.

Schnell entsteht ein Teufelskreis. Denn dauerhafter Stress begünstigt psychosomatische Symptome, die von innerer Unruhe über Herzrasen bis hin zu Schlafproblemen reichen. Das bestätigt die Betroffenen in ihrer Überzeugung, an einer Krankheit zu leiden. Dass dies auch persönliche Beziehungen belasten kann, liegt nahe. Wenn das Umfeld kein Verständnis für die Situation der Betroffenen hat, die im Zweifelsfall eingebildet sein kann, kann dies dazu führen, dass sich Cyberchonder zurückziehen.

Behandlung einer Cyberchondrie

Wie bereits erklärt, handelt es sich bei Cyberchondrie selten um eine eigenständige klinische Diagnose. Meist ist es eine digitale Ausprägung von Krankheitsangst bzw. hypochondrischen Tendenzen. Deshalb orientiert sich die Behandlung in der Regel an bewährten Therapiekonzepten der Hypochondrie. Näheres dazu erklären hier die Kollegen von FITBOOK.

Zunächst ist demnach eine sorgfältige ärztliche und psychotherapeutische Abklärung entscheidend. Dabei stellt es eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung dar, dass die Betroffenen den Behandelnden vertrauen – nur so wagen sie es, offen über ihre Ängste, Sorgen und das oft zwanghafte Bedürfnis zu sprechen, Symptome ständig im Internet zu recherchieren. Es ist sinnvoll, zunächst zu prüfen, ob tatsächlich körperliche Erkrankungen vorliegen, oder ob andere psychische Belastungen die Beschwerden erklären. Auch sollte man schwerwiegendere psychische Erkrankungen ausschließen.

Ein wichtiger Schritt im Umgang mit Cyberchondrie ist es, das ständige Recherchieren der eigenen Symptome zu durchbrechen. Wenn es gar nicht anders geht, dann informiere Dich bitte möglichst bewusst und kritisch im Internet. Beschränke Dich dabei auf seriöse und transparente Anbieter, die ihre Quellen offenlegen. Wichtig zu wissen: Die Reihenfolge der Treffer in Suchmaschinen sagt nichts über die Qualität der Inhalte aus – bekanntlich landen Anzeigen oft weit oben.

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