22. September 2025, 18:11 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Schicke Displays statt klassischer Knöpfe – in jedem modernen Auto prangt mittlerweile ein oder gleich mehrere Touchscreens. Doch was auf den ersten Blick nach Fortschritt aussieht, kann im Straßenverkehr zur gefährlichen Ablenkung werden. Untersuchungen legen laut „The Economist“ nahe, dass der Blick aufs Display das Unfallrisiko massiv erhöht – in manchen Fällen sogar stärker als Alkohol am Steuer.
Digitale Steuerung verlangt mehr Aufmerksamkeit
Während sich Knöpfe und Drehregler auch blind bedienen lassen, erfordern Touchscreens volle Konzentration, präzises Tippen und oft mehrere Schritte. Wie groß der Unterschied ist, zeigen Tests der schwedischen Automobilzeitschrift „Vi Bilägare“: Fahrerinnen und Fahrer mit klassischen Bedienelementen benötigten weniger als zehn Sekunden, um Radio oder Klimaanlage einzustellen. In reinen Touchscreen-Fahrzeugen dauerte derselbe Vorgang deutlich länger – beim MG Marvel R sogar 45 Sekunden.
Schon im Oktober 2024 hatte mein Kollege Mo die Tests von „Vi Bilägare“ aufgegriffen und als gutes Beispiel dafür genannt, dass klassische Knöpfe einfach sicherer sind.
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Studien belegen erhöhte Ablenkung
Auch wissenschaftliche Untersuchungen stützen diese Erkenntnisse. Laut Forschern der norwegischen Organisation Sintef lenkt bereits das Ändern der Temperatur im Schnitt 3,5 Sekunden vom Verkehrsgeschehen ab. Bei komplexeren Aufgaben wie Navigation oder App-Bedienung verlängert sich die Ablenkung auf bis zu 16 Sekunden. Besonders eindrücklich ist ein Vergleich des britischen Transport Research Laboratory von 2020: Demnach sinkt die Reaktionsfähigkeit beim Bedienen von Touchscreens stärker als bei Fahrerinnen und Fahrern, die über der gesetzlichen Promillegrenze liegen.
Autoindustrie reagiert auf Kritik
Die Ergebnisse bleiben nicht ohne Folgen. Euro NCAP, die europäische Organisation für Fahrzeugsicherheit, verschärft ab Januar 2026 die Kriterien für Bestnoten. Nur Fahrzeuge, die zentrale Funktionen wie Blinker oder Scheibenwischer weiterhin über physische Schalter anbieten, können dann die Höchstbewertung erreichen. Zwar sind die Vorgaben rechtlich nicht bindend, gelten für Hersteller jedoch als entscheidendes Verkaufsargument. Wie das Technikportal Golem berichtet, haben Unternehmen wie Volkswagen und Hyundai bereits begonnen, in neueren Modellen wieder klassische Bedienelemente einzubauen.