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FBI hat weltweit Zugriff auf WhatsApp-Daten

Internes Dokument

FBI gibt zu, weltweit Zugriff auf WhatsApp-Daten zu haben

FBI zeigt, wie es an Daten von WhatsApp und anderen Messenger-Diensten gelangt
Wie sicher sind meine Daten bei WhatsApp? Ein internes FBI-Dokument gibt die Antwort auf diese Frage.Foto: Getty Images

Wir wissen bereits, dass US-Sicherheitsbehörden Zugriff auf Nutzerdaten weltweit haben. Doch ein internes Dokument legt nun dar, wie das FBI auf legalem Wege an diese Daten gelangt.

Vor allem bei Apple ist Privatsphäre eines der Hauptverkaufsargumente. Aber auch Facebook, jetzt Meta, wirbt bei WhatsApp mit Ende-zu-Ende verschlüsselten Nachrichten. Alternative Messenger, etwa Signal und Telegram, machen keinen Hehl daraus, um Nutzer zu werben, die nach mehr Datenschutz suchen als sie bei WhatsApp bekommen. Doch was haben alle diese Unternehmen gemeinsam? Die Antwort ist simpel: weder bei WhatsApp noch irgend einem anderen Dienst sind die Daten vor dem US-amerikanischen Federal Bureau of Investigation (FBI) sicher.

FBI erklärt, wie es Zugriff auf WhatsApp-Daten erhält

Anfang 2021 hat das FBI ein internes Dokument veröffentlicht, das nun nach außen gelangt ist. Es ist auf der Seite von „Property of the People“, einer gemeinnützigen Transparenzgruppe aus Washington D.C., erschienen. Zuerst hat das Medienportal „Rolling Stone“ darüber berichtet. In dem Dokument fasst die Sicherheitsbehörde übersichtlich zusammen, wie sie legal auf neun verschiedene Messaging-Dienste zugreifen kann. Auch darin zu finden ist der Umfang an Daten und Metadaten, die das FBI abgreifen kann. Demnach ist es für die Behörde am einfachsten, bei Apple und WhatsApp an diese Daten zu gelangen. Aber auch bei anderen Diensten wie Signal, Telegram, Threema, Viber, WeChat, Line und Wickr sind nicht alle Nutzerdaten vor der Strafverfolgung sicher.

Auch interessant: Nachricht von WhatsApp – was hinter der „Sicherheitsnummer“ steckt

Bei WhatsApp und Apple ist fast nichts vor dem FBI sicher

Das Dokument legt offen, welche gesetzlichen Prozesse erforderlich sind, damit das FBI an Messenger-Daten gelangen kann. Die Spannweite reicht von einem Subpoena, über ein Court Order bis hin zum Search Warrant. Mit einem Subpoena (lat. „unter Strafe“) kann ein Richter eine Beweisauskunft anfordern. Damit erhält das FBI etwa von Apple und WhatsApp grundlegende Informationen über Nutzer-Accounts. Ein Court Order, zu deutsch „gerichtliche Verfügung“, erlaubt es dem FBI, von WhatsApp zusätzliche Daten einzufordern, darunter die Liste der blockierten Kontakte. Das stärkste Instrument ist der Search Warrant, der einem Durchsuchungsbefehl entspricht. Dieser erlaubt es dem FBI, Zugriff auf Kontakte im Adressbuch zu bekommen und Daten über WhatsApp-Nutzer zu erhalten, die die Zielperson unter ihren Kontakten haben.

Mit Blick auf Apple ist der Durchsuchungsbefehl noch wirksamer. Hier kann das FBI auf Backups auf dem Zielgerät zugreifen. Nutzt die Zielperson iCloud-Backup, kann das FBI sogar dort gespeicherte Nachrichten sehen, da es von Apple den Verschlüsselungscode einfordern kann. Das gilt übrigens auch für WhatsApp-Nachrichten, wenn diese in iCloud als Backup gespeichert sind.

WhatsApp ist darüber hinaus der einzige Messaging-Dienst, der dem FBI ein Protokoll mit Metadaten in Echtzeit zur Verfügung stellt. Alle anderen schicken die Protokolle nach Aufforderung erst mit einiger Zeit Verzögerung an die Behörde. Auch gibt einzig WhatsApp ein genaues Protokoll über Herkunft und Zielpunkt aller Nachrichten heraus. Dafür muss ein Gericht lediglich eine Abhörmaßnahme namens Pen Register anordnen. Daraufhin schickt WhatsApp das Protokoll alle 15 Minuten an das FBI – jedoch nur aktuell und nicht rückwirkend, wie das Unternehmen gegenüber „Rolling Stone“ zu verstehen gab.

Andere Dienste geben weniger Nutzerdaten als WhatsApp an das FBI

Bei anderen Messaging-Diensten sind Nutzerdaten deutlich sicherer als bei WhatsApp und Apple. Mit Ausnahme dieser beiden Dienste und dem südkoreanischen Konkurrenten „Line“ geben keine anderen Messenger Nachrichten an das FBI heraus. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Behörde alle Informationen verborgen bleiben.

  • Signal: Das FBI kann Daten wie Datum und Zeit der Account-Erstellung sowie das letzte Anmeldedatum abfragen
  • Telegram: Selbst bei gerichtlicher Verfügung gibt Telegram keine Kontaktinformationen an das FBI heraus. Lediglich bei bestätigten Ermittlungen gegen Terroristen kann Telegram IP-Adressen und Telefonnummern weitergeben.
  • Threema: Auf gerichtliche Anordnung gibt der Dienst Daten wie Telefonnummer und Mail-Adresse heraus, sofern Nutzer diese angegeben haben. Auch Push-Benachrichtigungen kann das FBI bekommen, wenn diese aktiviert sind. Außerdem gibt Threema das Datum der Account-Erstellung und des letzten Logins weiter. Interessanterweise kann das FBI auch den öffentlichen Schlüssel für die Nachrichtenverschlüsselung abfragen. Allerdings ist zusätzlich der private Schlüssel eines Threema-Nutzers erforderlich, um die Nachrichten tatsächlich zu entschlüsseln. Diesen gibt der Dienst jedoch nicht heraus.
  • Viber: Das FBI kann sich Daten über den Account (in der Regel die Telefonnummer), Registrierung und IP-Adresse zum Zeitpunkt der Einrichtung einholen. Zusätzlich gibt es Metadaten zum Nachrichtenverlauf, darunter Datum sowie Quell- und Zielnummer.

Quellen

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