18. Juni 2026, 14:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das Trump-Smartphone T1 Phone wird von Trump Mobile als Symbol amerikanischer Technologie vermarktet. Das Smartphone fällt durch seine goldene Optik und patriotischen Botschaften auf. Zudem hatte man zunächst damit geworben, dass das Gerät in den USA hergestellt werde. Neue Untersuchungen zeichnen allerdings ein anderes Bild. Demnach ist das T1 weder eine komplett eigenständige Entwicklung noch ein vollständig in den Vereinigten Staaten produziertes Smartphone.
Untersuchung entdeckt auffällige Parallelen
Den entscheidenden Hinweis lieferte iFixit-Techniker Shahram Mokhtari. Während eines Zoom-Gesprächs mit NBC News fiel ihm auf, dass Trumps T1 Phone stark an das HTC U24 Pro aus dem Jahr 2024 erinnert. Aus diesem Verdacht entwickelte sich eine umfassende Analyse. Gemeinsam mit NBC News verglich Mokhtari beide Geräte, erstellte CT-Scans und zerlegte die Smartphones vollständig.
Die Ergebnisse sprechen laut Untersuchung für deutlich mehr als eine zufällige Ähnlichkeit. Zahlreiche Komponenten beider Geräte weisen große Übereinstimmungen auf. Das überrascht auch deshalb, weil HTC heute nicht mehr wie früher selbst für die komplette Entwicklung und Produktion seiner Smartphones verantwortlich ist. Nachdem das Unternehmen 2017 große Teile seiner Smartphone-Sparte an Google verkauft hatte, setzt es zunehmend auf externe Entwicklungs- und Fertigungspartner. Auch das HTC U24 Pro entstand auf diesem Weg.
Viele Bauteile sind nahezu identisch
Nach Angaben von iFixit stimmen zahlreiche Komponenten des T1 Phone von Trump mit denen des HTC U24 Pro überein. Dazu gehören unter anderem Display, Kameras, Lautsprecher, Hauptplatine und weitere Bauteile. Auch der verbaute Snapdragon-7-Gen-3-Prozessor dürfte laut Untersuchung derselbe sein.
Vollkommen identisch sind die Geräte allerdings nicht. Der Blitz sitzt an einer anderen Position, die Lautsprecherabdeckung wurde verändert und einzelne Speicherbausteine stammen von anderen Zulieferern. Zudem verfügt das T1 über einen größeren Akku, lädt jedoch langsamer als das HTC-Modell. Insgesamt sprechen die Ergebnisse daher eher für eine angepasste Variante als für eine komplett neue Entwicklung.
Von wegen „Made in USA“ – Trump Mobile verpatzt US-Flagge
Trump Phone bekommt schon wieder ein neues Design
Aussagen zur Herkunft wurden angepasst
Auf der Website von Trump Mobile wurde zunächst mit Aussagen wie „made in USA“ geworben. Diese Formulierungen wurden später entfernt. Inzwischen beschreibt das Unternehmen das Gerät stattdessen als „American-Proud Design“ oder spricht von einer Montage in den USA.
Der Unterschied ist entscheidend. Für die Kennzeichnung „made in USA“ gelten laut den Vorgaben der US-Handelsbehörde FTC strenge Anforderungen. Demnach müssen alle oder nahezu alle wesentlichen Bestandteile eines Produkts aus den USA stammen und dort verarbeitet werden.
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Eine reine Endmontage reicht für diese Bezeichnung in der Regel nicht aus. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass Entwicklung, Fertigung und Lieferkette des T1 weiterhin überwiegend in Asien angesiedelt sind. Das HTC U24 Pro wurde ebenfalls in China produziert.
Ob tatsächlich einzelne Arbeitsschritte in den USA stattfinden, lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten handelt es sich beim T1 jedoch nicht um ein vollständig in Amerika produziertes Smartphone.
Mögliches ODM-Modell mit bekannten Schwächen
Mokhtari hält es zudem für denkbar, dass Trump Mobile auf dieselbe technische Plattform oder denselben Auftragsfertiger zurückgreift wie HTC. Solche ODM-Hersteller entwickeln Geräte, die sie anschließend unter verschiedenen Markennamen verkaufen. In der Elektronikbranche ist dieses Vorgehen weitverbreitet und könnte die auffällige Ähnlichkeit der beiden Smartphones erklären.
Hinzu kommt, dass das HTC U24 Pro bereits bei seiner Markteinführung 2024 nicht zur Spitzengruppe der Smartphone-Welt gehörte. Laut dem Online-Magazin „Chip“ galt vor allem die kurze Update-Versorgung als Schwachpunkt. HTC versprach lediglich zwei Jahre Updates. In der Europäischen Union müssen Hersteller inzwischen mindestens fünf Jahre Sicherheitsupdates bereitstellen. Wie lange das Trump Mobile das T1 Phone unterstützt, ist bislang nicht bekannt.